Arbeit

Private Arbeitsvermittlerin aus Herne fürchtet um Existenz

Der Schreibtisch ist so gut wie leer. Annette Wittram sieht ihre Existenz als private Personalvermittlerin gefährdet.

Der Schreibtisch ist so gut wie leer. Annette Wittram sieht ihre Existenz als private Personalvermittlerin gefährdet.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Herne.  Annette Wittram fürchtet um ihre Existenz als private Arbeitsvermittlerin. Ursache sei die Umstellung in der Online-Jobbörse der Arbeitsagentur.

Es hätte etwas von bitterer Ironie - wenn ausgerechnet jemand, der anderen Menschen hilft, eine Arbeitsstelle zu bekommen, am Ende selbst auf der Straße steht. Doch genau diese Befürchtung hat Annette Wittram. Die private Arbeitsvermittlerin fürchtet um ihre Existenz. Der Grund: Die Agentur für Arbeit hat die Suchfunktion bei ihrer Jobbörse im Internet verändert.

Als private Arbeitsvermittlerin geht Wittram auf Unternehmen zu und fragt, ob sie ihnen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern helfen kann, aber Bewerber könnten auch auf sie zukommen. Seit 2012 ist die Hernerin, die ihr kleines Büro in Wanne-Nord hat, selbstständig. Für ihre Tätigkeit sei sie sogar von der Agentur für Arbeit zertifiziert - die Zertifizierung habe einen vierstelligen Betrag gekostet. Hat ihre Vermittlung Erfolg, erhält sie von den Unternehmen eine Provision, in manchen Fällen kann sie auch mit der Agentur für Arbeit abrechnen. In der Regel habe sie zwischen 60 und mehr als 100 Bewerber in ihrem Bestand, doch die Zahl sei in den vergangenen Wochen dramatisch gesunken, neue Bewerber seien so gut wie Fehlanzeige.

Wittram: Mein Geschäftsmodell bricht gerade zusammen

Zunächst habe sie keine Erklärung für diese Entwicklung gehabt, eine Recherche habe sie schließlich zur Ursache geführt: Die Agentur für Arbeit hat auf ihrer Internet-Jobbörse die Suchfunktion verändert. In der Vergangenheit sahen Arbeitsuchende alle aktuellen Angebote. Danach konnten sie die Suche eingrenzen und zum Beispiel Zeitarbeitsfirmen, aber auch auch private Arbeitsvermittler ausschließen. Doch im August stellte die Bundesagentur das System um. Nun müssen Bewerber erst ein Häkchen setzen, ehe ihnen die Angebote angezeigt werden, die von privaten Arbeitsvermittlern betreut werden.

Doch nach Wittrams Wahrnehmung tun dies die wenigsten Bewerber. Ihr Problem: „95 Prozent aller Bewerber sind über die Internetseite der Agentur für Arbeit zu mir gekommen. Mein Geschäftsmodell bricht gerade zusammen.“

Die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg teilt auf Nachfrage der Herner WAZ-Redaktion mit, dass der Grund für die Einführung der Filterfunktionen der bei Kundenbefragungen zur Jobbörse mit am häufigsten genannte Kritikpunkt der Nutzerinnen und Nutzer zur hohen Anzahl von Stellenangeboten privater Arbeitsvermittlungen gewesen sei. Das Interesse der Arbeitsuchenden, sich ohne - in der Regel für sie kostenpflichtige - Einschaltung weiterer Dritter auf ein Stellenangebot zu bewerben, überwiege. Diese Erklärung kann Wittram nicht nachvollziehen. Für Bewerber sei die Vermittlung nicht mit Kosten verbunden. Und: Allen Bewerbern, die sie gefragt habe, sei überhaupt nicht klar, dass die Bundesagentur Filter setzt.

Agentur: Die Umstellung ist das Ergebnis einer Kundenbefragung

Beschwerden wie die von Annette Wittram erhalte die Bundesagentur seit einigen Wochen aus anderen Regionen. Es sei allerdings nicht zutreffend, dass private Arbeitsvermittler gesperrt oder ausgeschlossen seien. Von privaten Arbeitsvermittlern inserierte Stellenangebote seien nach wie vor unverändert in der Jobbörse enthalten. Im Sinne der der Kundenfreundlichkeit liege seit Mitte August die Entscheidung bei den Nutzern der Jobbörse, ob diese Angebote bei der Suche in der Ergebnisliste angezeigt werden sollen oder nicht. Dazu seien Filterfunktionen eingeführt worden, die eine Auswahl ermöglichen: ob zum Beispiel nur von der Bundesagentur für Arbeit (BA) betreute Stellenangebote, alle Stellenangebote von selbst einstellenden Unternehmen und Stellenangebote von privaten Arbeitsvermittlern.

Annette Wittram hat in ihrer Not erstmals einen Vertrag mit einer großen Internetstellenbörse geschlossen und hofft, dass ihre Kunden Mund-zu-Mund-Propaganda für sie machen.

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