Cranger Kirmes

Nach Schlaganfall: Fußballer (26) besucht Cranger Kirmes

Schau mir in die Augen: Da wusste der Horrorclown noch nicht, was gleich auf ihn zukommt. Devin Hyna (re.) hat ihn fest im Griff.

Schau mir in die Augen: Da wusste der Horrorclown noch nicht, was gleich auf ihn zukommt. Devin Hyna (re.) hat ihn fest im Griff.

Foto: Kerstin Buchwieser / FUNKE Foto Services

Herne.  Devin Hyna hatte mehrere Schlaganfälle. Nun hat er im Rollstuhl eine Rundfahrt über die Cranger Kirmes gemacht – und einen Preis abgestaubt.

Der Horrorclown an der Geisterbahn traut seinen Augen kaum, als der junge Mann im Rollstuhl ihm plötzlich beherzt die rote Plastik-Nase zerquetscht. Da verzieht Devin (26) seinen Mund zum schiefen Grinsen. Das ist ganz genau sein Humor.

Den haben dem Fußballer von SV Wanne 11 mehrere Schlaganfälle im November 2018 nicht genommen. Zu einem Freundschaftsspiel war die Nummer 23 des SV Wanne 11 an jenem Novembertag nicht aufgetaucht. Sein Bruder rief Zuhause an und erfuhr, dass Devin längst im Krankenhaus ist. Nach den Schlaganfällen lag Devin damals eine Woche im Koma. Die linke Körperhälfte ist seitdem gelähmt.

So müssen mehrere Helfer ran, um dem Mann seinen von der Stadt organisierten Kirmesrundgang zu ermöglichen. Kostenlos darf er essen, trinken und Dosenwerfen. „Devin war schon vor den Schlaganfällen nicht für die ganz wilden Fahrgeschäfte auf der Kirmes zu haben. Das hier ist genau sein Ding“, sagt seine Mutter Nicola. Das Geld bekommen die Schausteller im Anschluss erstattet.

Kopfsteinpflaster auf der Cranger Kirmes

Beinahe hätte kurz zuvor das holprige Kopfsteinpflaster diesen Ausflug verdorben. Die kleinen Räder des Rollstuhls verkanten sich in den Steinen. Menschenmassen strömen um den feststeckenden Rollstuhl herum. Mit viel Kraft schafft es Mutter Nicola Hyna (51), ihren Sohn vorwärts zu bekommen. Am Crêpes-Stand hebt Devin den Arm: Stopp! Kinderschokolade und Banane, bitte! Mutter Nicola hilft beim Essen, anders geht es nicht.

Devin Hyna spricht nur wenig, seine verspiegelte Sonnenbrille verbirgt die Augen des jungen Mannes vor neugierigen Blicken und schirmt ihn ein wenig von der blinkend-glitzernden Kirmeswelt ab.

Knödel-Gaudi trifft den Devin-Humor

Seit dem Schlaganfall ist Devin empfindlicher. Er bekommt schnell Kopfschmerzen. Es gibt die guten und die schlechten Tage. Momentan sind es eher schlechtere, sagt seine Mutter. „Es geht nur langsam aufwärts.“ Sie schiebt den Rollstuhl weiter übers Pflaster und atmet an der Tiki-Bar auf: Der Boden wird eben!

Devin Hyna hat da längst das Wurfgeschäft Knödel-Gaudi entdeckt. Er, der Linkshänder, versucht also mit der rechten Hand die Stoff-Bälle auf die Zielscheibe zu werfen. Ein, zwei, drei Versuche gehen daneben. Macht nix, sagt die Schaustellerin und schenkt dem 26-Jährigen eine gelbe Stoffschlange.

Mit dieser bahnt sich der junge Mann nun den Weg durch die Menge. Auch die blonden Hostessen, die den Rundgang begleiten, bleiben nicht verschont. Da ist er wieder, der Devin-Humor.

Beim Kamelrennen lässt er die Konkurrenz hinter sich

Beim Kamelrennen – ohne Kamele, dafür mit Raddampfern – hat Devin dann noch seinen ganz großen Auftritt. Im dritten Versuch hängt er sie alle ab, trifft mit der ungeliebten rechten Hand genau die richtigen Löcher, der Raddampfer mit der Nummer Drei schippert seinen Verfolgern davon – und gewinnt!

Beim Aussuchen des Preises jedoch verlässt den 26-Jährigen die Kraft. Panda, Einhorn, Auto? Egal. Das Auge tränt, die Kopfschmerzen sind wieder da. Die Menschen, das Getöse der Karussells in der Luft. All das wird Devin zu viel. Und trotzdem: Er hat ihm gefallen, dieser Tag auf dem Rummel – zum Kamelrennen möchte er noch einmal.

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