Gasrechnung

Nach BEV-Pleite: Gasrechnung kommt Herner teuer zu stehen

Jürgen Schlauberg ärgert sich über die seiner Meinung nach zu hohe Stadtwerke-Rechnung.

Jürgen Schlauberg ärgert sich über die seiner Meinung nach zu hohe Stadtwerke-Rechnung.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.  Elektromeister Jürgen Schlauberg war BEV-Kunde. Nach der Pleite kam er automatisch zu den Stadtwerken – und bekam eine hohe Rechnung.

Jürgen Schlauberg ist verärgert. Die Stadtwerke haben ihm eine Rechnung präsentiert, „die fünf Mal höher als die Summe ist, die ich eigentlich zahlen müsste“, sagt der 71-Jährige.

Was ist passiert? Der Anwohner der Kurhausstraße war Kunde des Pleite gegangenen Versorgers BEV. Erst Anfang Januar 2019 hatte sein Vertrag begonnen, am 25. des Monats meldete das Unternehmen Insolvenz an und stellte kurz darauf die Gaslieferung ein. Für solche Fälle ist rechtlich vorgesehen, dass der jeweilige Grundversorger, in diesem Fall die Stadtwerke, die Versorgung übernimmt. „Drei Tage im Januar habe ich dann Gas von den Herner Stadtwerken bezogen“, sagt der Eickeler, „das waren der 29., der 30. und der 31.“

Hochrechnung aufs Jahr beträge 4000 Euro

Als er jetzt die Rechnung erhielt, „habe ich mich erst einmal hingesetzt“, sagt Schlauberg. „32,68 Euro verlangen die von mir“. Würde ich das hochrechnen, müsste ich im ganzen Jahr etwa 4000 Euro zahlen. Nun ist er nicht bei dem örtlichen Anbieter geblieben, sondern hat einen neuen Lieferanten gefunden.

Schlauberg rechnet vor, welcher Betrag nach seiner Auffassung angemessen wäre. Er habe im vergangenen Jahr für seine 108 Quadratmeter große Wohnung 15.200 Kilowattstunden verbraucht. „Das macht pro Tag etwa 42 aus“. Eine Kilowattstunde koste 0,069 Cent. „Da bin ich dann bei etwa 8,60 Euro.“

Zählerstand nicht abgelesen

Hendrik Peuser, Sprecher der Stadtwerke, erläutert, dass das Unternehmen bei der Ermittlung der Kosten einen anderen Weg verfolge. Man nehme die Verbrauchsmenge des Vorjahres, berücksichtigte die Außentemperatur, die an den drei Tagen nach den vorliegenden Wetterinformationen geherrscht habe: „Das ist eine ganz entscheidende Komponente, wenn es um die Gasmengen geht mit denen geheizt wird.“

Am besten wäre es natürlich gewesen, den Zählerstand vorher und nachher abzulesen. Doch diese Möglichkeit habe nicht wirklich bestanden, räumt Peuser ein. Das sei schon angesichts der Zahl von fast 1000 Betroffenen keine Option gewesen, die man innerhalb von einem oder zwei Tagen hätte aufsuchen müssen.

Folglich habe man das Datenmaterial genommen, auf das man Zugriff habe. Jürgen Schlauberg hatte zudem den Stadtwerken seine Vorjahresrechnung zukommen lassen. Denn auch in dem Zeitraum war er kein Kunde des örtlichen Unternehmens.

Witterung kann einbezogen werden

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist die Vorgehensweise der Stadtwerke rechtlich zulässig. Witterungsbedingte Einflüsse auf den Verbrauch könne ein Versorger durchaus einbeziehen. Eine Energieexpertin berichtete zudem, das sich nach der BEV-Pleite Beschwerden über örtliche Anbieter, die die Ersatzversorgung für die betroffenen Verbraucher übernommen haben, häuften. Meistens handele es sich aber um Kunden, die sehr hohe Stromrechnungen erhalten haben, so die Expertin.

Wenn man schon den Verbrauch auf die konkreten drei Tage herausfinden wolle, dann sei es allerdings erforderlich, in Kubikmetern zu rechnen, sagt der Elektromeister, der viele Jahre eine eigene Firma hatte. Mit der Einheit Kilowattstunde, die jetzt zugrunde liegt und 473 Stunden für die Januar-Tage umfasst, komme man da nicht weiter. Beispielsweise werde überhaupt nicht der Aspekt des Brennwerts bedacht.

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