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Mehr Stromsperren in Herne: Stadtwerke starten Pilotprojekt

In 1822 Fällen wurde in Herne im vergangenen Jahr Strom abgeklemmt.

In 1822 Fällen wurde in Herne im vergangenen Jahr Strom abgeklemmt.

Foto: Stephan Eickershoff

Herne.   In Herne ist die Zahl der Stromsperren 2018 gestiegen. Deshalb soll ein Runder Tisch kommen, außerdem ein Pilotprojekt für „Prepaidzähler“.

Die Zahl der Stromsperren durch die Stadtwerke ist trotz aller Bemühungen in Herne nach wie vor hoch und zuletzt sogar angestiegen. Die Stadttochter und die Politik haben deshalb in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses vereinbart, den mit der Kommunalwahl 2014 eingestellten Runden Tisch zu dieser Problematik wiederzubeleben. Außerdem starten die Stadtwerke ein Pilotprojekt für sogenannte Prepaidzähler.

Wegen nicht bezahlter Stromrechnungen ist 2018 in Herne in 1822 Fällen von den Stadtwerken der Strom abgeklemmt worden; 2017 lagt die Zahl bei 1716. Trotz der guten konjunkturellen Lage sei die Quote nicht rückläufig, berichtete Stadtwerke-Abteilungsleiter Andreas Meise im Sozialausschuss, der sich auf Antrag der Fraktion Piraten-Alternative Liste mit der Problematik befasste. Im Ruhrgebietsvergleich steche Herne aber nicht besonders negativ hervor, sagte Meise, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Zu wenig beachtet werde in dieser Debatte jedoch die Zahl der Wiederinbetriebnahmen von Stromzählern, erklärte der Abteilungsleiter. 2017 habe die Zahl bei 1228 gelegen, 2018 bei 1284.

Die Stadtwerke betonten erneut, dass der Strom erst bei Rückständen über 100 Euro abgesperrt werde. Zwischen der Fälligkeit der Summe und der Einstellung der Stromversorgung vergingen in der Regel zwischen sieben bis zehn Wochen. „Es gibt also immer eine längere Vorgeschichte“, so Meise.

Kundencenter stehe zur Beratung bereit

Bei Problemen stehe das Kundencenter der Stadtwerke jederzeit zu persönlichen Gesprächen bereit, betonte er. Darüber hinaus versuchten sie unter anderem durch die Verteilung von Info-Flyern, es gar nicht erst zur Sperre kommen zu lassen.

Meise kündigte an, dass die Stadtwerke in Kürze in Herne testweise 20 Prepaidzähler einbauen wird. Das Modell: Finanzschwache Kunden erwerben eine Karte mit einem bestimmten Guthaben - so wie beim Prepaid-Tarif fürs Smartphone. Bei Einführung der Karte in den Stromzähler gibt dieser die Energiezufuhr frei.

Test mit Prepaid-Zählern

Vor einigen Jahren hatten die Stadtwerke Herne den Vorschlag aus der Politik zur Erprobung dieses Modells noch zurückgewiesen. In einem Mehrfamilien-Haus könne ein solcher Zähler zu einer Stigmatisierung von Kunden führen, begründete Meise die damaligen Zweifel. Die Stadtwerke würden nun jedoch 20 Prepaidzähler anschaffen – und erproben, ob eine solche Regelung nicht doch sinnvoll sein könne.

Die Stadtwerke wiesen im Ausschuss die Kritik von Gabriele Bitzer (Piraten-AL) zurück, dass die städtische Tochter außerhalb von Herne günstigere Tarife anbiete und Rabatte einräume. Das sei dem Wettbewerb geschuldet, so Stadtwerke-Mann Meise. Hohe Einnahmen erzielten sie damit jedoch noch nicht: „Wir tasten uns hier erst langsam vor.“

Politik: Hartz-IV-Sätze sind das Problem beim Strom

Die jüngst von der Initiative Jobcenter-Watch erhobene Forderung nach einem Herner Sozialtarif für einkommensschwache Stadtwerke-Kunden wurde im Ausschuss nicht laut. Stattdessen wiesen Henrik Banski (SPD) und Daniel Kleibömer (Linke) darauf hin, dass die viel zu niedrigen Hartz-IV-Regelsätze für Strom das Problem seien.

Kleibömer regte an, die Tarife für Stromsperren und Wiederinbetriebnahmen zu senken, um in finanzielle Not geratene Bürger nicht zusätzlich über Gebühr zu belasten. Die Stadtwerke verwiesen darauf, dass sie bei diesem Kosten „im Mittelfeld“ der Stromanbieter lägen, nannten aber auch hier keine Summe.

Daniel Kleibömer beschloss die Debatte mit einem Plädoyer für das städtischen Energieunternehmen: „Ich kann nur davor warnen, zu einem Billiganbieter zu wechseln. Das wird am Ende nur teurer.“

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