Gesundheit

Masern in Herner Kita lösen Diskussion über Impfpflicht aus

Wird sie bald Pflicht? Ein Kinderarzt gibt einem Kind eine Masernimpfung.

Wird sie bald Pflicht? Ein Kinderarzt gibt einem Kind eine Masernimpfung.

Foto: dpa/Patrick Seeger

Herne.   NRW prüft eine Masern-Impfpflicht für Kita-Kinder. Die Träger diskutieren das kontrovers. Ein Kita-Kind ist in Herne kürzlich an Masern erkrankt.

Die Forderungen nach einer Impfpflicht gegen Masern für Kinder in Kitas werden in Herne kontrovers diskutiert. Während sich manche Träger damit schwer tun, zeigt ein Fall, wie aktuell das Thema auch in Herne ist: Denn im vergangenen Monat erkrankte ein Kind in der Kita Florastraße an Masern.

In Nordrhein-Westfalen wird derzeit eine Masern-Impfpflicht für Kindergartenkinder geprüft. In Brandenburg wurde sie bereits eingeführt und auch die Bundesregierung berät über einen solchen Zwang für Eltern.

In Herne wird das durchaus kritisch gesehen: „Wenn so eine Impfpflicht eingeführt würde, müsste man juristisch klären, wie das mit dem Recht auf einen Kita-Platz vereinbar ist“, sagt Christine Milk, bei der Stadt für die Kindertagesbetreuung zuständig.

„Jeder Fall ist einer zu viel“

Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Alarm schlägt, dass sich die Zahl der Masern-Ausbrüche 2019 weltweit vervierfacht hat, sind es in Herne Einzelfälle. Laut Robert-Koch-Institut wurden in Herne im vergangenen Jahr zwei Masernfälle registriert – davon einer im Kita-Alter, einer bei der Altersklasse der 50- bis 59-Jährigen. 2017 waren es ebenfalls zwei.

„Jeder Fall ist einer zu viel“, sagt Dr. Wolfgang Schrader, Kinderarzt in Herne-Mitte. „Viele Eltern wissen gar nicht mehr, was für eine schlimme Erkrankung Masern sind“, sagt er. Bei Komplikationen könnten sie bis zum Tod führen. Die möglichen Nebenwirkungen bei einer Impfung, die ab dem 10. Lebensmonat empfohlen wird, seien hingegen verschwindend gering. Manche reagierten mit Impfmasern und Ausschlag sowie erhöhter Temperatur. Aber auch das sei selten.

Hohe Impfbereitschaft in Herne

„Die Impfbereitschaft in Herne ist sehr hoch“, sagt der Kinderarzt. Er schätzt die Zahl der Impfverweigerer auf knapp 5 Prozent – Tendenz steigend. „Aber auch diese Zahl ist noch zu viel.“ Denn Masern sind hochansteckend. Deshalb sagt der Experte: „Ich würde eher zu einer Impfpflicht tendieren.“

Elisabeth Weyen, Geschäftsführerin der evangelischen Kindergartengemeinschaft, tut sich mit einer Einschätzung schwer. „Früher habe ich immer gesagt, dass man das den Eltern selbst überlassen muss“, so Weyen. Aber: „Die Zahl der ganz kleinen Kinder, die nicht geimpft sein können, nimmt in den Kitas zu.“ Und es sei auch wichtig, diese Kinder sowie schwangere Erzieherinnen zu schützen. „Ich bin da nicht ganz klar mit mir selbst, ob ich für eine Impfpflicht bin.“

Derzeit werde in den evangelischen Kitas der Impfstatus erfasst, Eltern ungeimpfter Kinder müssten eine Impfberatung vorweisen und auch die Kita suche das Gespräch mit den Eltern. „Bei der Platzvergabe spielt der Impfstatus aber keine Rolle“, so Weyen. In 26 Kitas betreffe das vielleicht zwei bis drei Kinder. „Wenn die Bundesregierung das entscheidet, müssen wir uns natürlich daran halten“, sagt die Geschäftsführerin. „Auf freiwilliger Basis wäre ich bisher noch zurückhaltend.“

Gleiches gilt für die städtischen Kitas, wie Christine Milk bestätigt. „Wenn das Gesetz kommt, müssen wir gucken, wie man es in den Alltag übertragen kann. Bis dahin befassen wir uns mit dem Thema nicht“, so Milk. Denn auch bei der Stadt sei man geteilter Meinung, ob so eine Impfpflicht für Kita-Kinder befürwortet wird. „Das ist eher eine ideologische als eine gesundheitliche Frage“, sagt die Stadt-Mitarbeiterin. Und in den Kitas gebe es zu dem Thema derzeit keine Probleme.

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