Gericht

Kindesmissbrauch: Mutter des behinderten Mädchens sagt aus

Blick in einen Verhandlungssaal im Justizzentrum Bochum, wo gegen eine 61-jährige Hernerin verhandelt wird.

Blick in einen Verhandlungssaal im Justizzentrum Bochum, wo gegen eine 61-jährige Hernerin verhandelt wird.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Herne.  Eine 61-jährige Hernerin soll den Missbrauch ihrer schwerbehinderten Enkelin zugelassen haben. Jetzt sagte die Mutter des Kindes vor Gericht aus.

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Im Prozess um mutmaßlich von der eigenen Oma zugelassenen und sogar fotografierten Kindesmissbrauch durch einen bereits verurteilten Sex-Täter (51) haben am Dienstag die Eltern des betroffenen Mädchens aus Herne ausgesagt. Das Paar hatte das schwerbehinderte Kleinkind am 28. Dezember 2018 aus Terminnöten spontan der Großmutter anvertraut – und war unverzeihlich enttäuscht worden.

„Ich hatte einen Termin in der Stadt und habe meine Mutter deswegen gefragt, ob sie die Kleine nehmen kann“, erinnerte sich die Mutter (30) des Mädchens als Zeugin am Bochumer Landgericht. Die 61-jährige Angeklagte habe das Mädchen kurz danach an der Haustür von ihr entgegengenommen und ihr etwa vier Stunden später auch – wie kurz zuvor per WhatsApp vereinbart – draußen wieder übergeben. „Dabei hat sie ganz normal gesagt, dass alles gut war“, so die Mutter des Mädchens.

Großmutter habe ihre Unschuld beteuert

Dass die Großmutter sie damit schamlos angelogen haben muss, hatten die schockierten Eltern Anfang Januar 2019 erfahren, als nach einer Hausdurchsuchung auf dem PC und dem Handy des Partners (51) der Oma tausende Kinderpornobilder entdeckt worden waren. Darunter auch das Foto von dem Übergriff auf das behinderte Mädchen. Und selbst da habe die Großmutter absolut ahnungslos getan und ihre Unschuld beteuert. „Nee, ich weiß von nichts“, soll die Angeklagte ihrer Tochter auf Nachfrage und mit Blick auf das entdeckte Beweisfoto geantwortet haben.

Der für den Missbrauch bereits verurteilte Partner der Großmutter war der Mutter des Mädchens nach eigenen Angaben von Anfang an nicht geheuer gewesen. „Ich habe meiner Mutter relativ früh schon gesagt, dass der Mann nicht gut für sie ist. Bei mir war sofort eine gewisse Antipathie da. Weil er so eine ‚Ich-weiß-und ich-kann-alles-Mentalität‘ hatte“, so die Tochter. Doch die 61-Jährige habe sich und ihre Zeit dem zehn Jahre jüngeren Mann vollkommen unterworfen. „Es hat sich alles nur noch um ihn gedreht.“

Angeklagte hatte Abhängigkeitsverhältnis zugegeben

Die Großmutter aus Wanne hat zum Prozessauftakt über ihren Verteidiger zugegeben, in einem „sehr großen Abhängigkeitsverhältnis“ zu dem Sex-Täter gestanden und ihre schwerbehinderte Enkeltochter spontan und aus einer Art Gefallen heraus für einen Übergriff überlassen zu haben. Der 51-jährige Montagearbeiter war bereits im April am Bochumer Landgericht wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und Besitzes von tausenden Kinderpornobildern zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.

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