Kita-Studie

Kinder pro Erzieher - Herner Kitas mit mäßigen Zahlen

Wie viele Kinder kommen im Schnitt in einer Kita auf einen Erzieher? Mit dieser Frage hat sich eine Studie der Bertelmann-Stiftung beschäftigt.

Wie viele Kinder kommen im Schnitt in einer Kita auf einen Erzieher? Mit dieser Frage hat sich eine Studie der Bertelmann-Stiftung beschäftigt.

Foto: Jens Wolf / dpa

Herne.  Die Bertelsmann-Stiftung hat berechnet, wie viele Kinder in Herne auf einen Erzieher kommen. Das Ergebnis ist besser als die Realität scheint.

Mehr als 5000 Plätze für Kinder gibt es derzeit in den 69 Herner Kitas. Doch der Bedarf ist deutlich höher. Im laufenden Kita-Jahr 2019/2020 konnten nach Angaben der Stadt bisher noch nicht alle über Dreijährigen einen Platz bekommen – trotz Rechtsanspruch. Um die Versorgungslücke nicht zu groß werden zu lassen, werden Kita-Gruppen vergleichsweise groß. Das Verhältnis von Erziehern zu Kindern leidet. Genau diesen Personalschlüssel hat sich die Bertelmann-Stiftung genauer angesehen. Und dabei kommt Herne im Vergleich zu anderen NRW-Städten gar nicht mal so schlecht weg.

In Herne kommen demnach auf jeden Erzieher 8,1 über dreijährige Kindergartenkinder. Zum Vergleich: In Bochum und Bottrop sind es rein rechnerisch 9,4, in Gelsenkirchen 9,1. Schlusslicht im Ruhrgebiet ist Duisburg mit einer Quote von durchschnittlich 10,1 Ü3-Kindern, um die sich ein Erzieher kümmern muss. „Wir empfehlen, dass für eine kindgerechte Betreuung Krippengruppen maximal drei Kinder auf eine pädagogische Fachkraft kommen und in Kindergartengruppen 7,5“, empfiehlt die Bertelsmann-Stiftung in der Studie.

Konfessionelle Kitas halten sich an KiBiz-Mindeststundensatz

Herne schließt also schlechter ab, als es die Macher der Bertelmann-Studie empfehlen, aber deutlich besser als viele andere NRW-Städte. Grundlage für die Berechnungen für die verschiedenen Gruppentypen ist die amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik.

Doch spricht man mit Verantwortlichen in Herne, entsteht der Eindruck, dass die Realität schlechter ist, als die Studie vermuten lässt. „Wir haben in fast jeder Kita eine Überbelegung in Gruppen“, sagt Elisabeth Weyen, Chefin der evangelischen Kitas in Herne. Zwar zweifelt sie die Zahlen der Studie nicht an, sieht sie aber eher als Durchschnittswerte. „Die Kommunen haben zum Beispiel höhere Leistungsfreistellungen als wir“, sagt Elisabeth Weyen. Die evangelischen Kitas könnten sich nur an die Mindeststundensätze halten, die im Kinderbildungsgesetz (KiBiz) festgelegt seien. „Mehr können wir uns - wie auch die katholischen Kitas - nicht leisten.“

Überbelegungen in vielen Kita-Gruppen in Herne

Die Stadt gibt auf WAZ-Anfrage an, derzeit 207 Stellen für Erzieherinnen und Erzieher zu haben – zwei davon seien derzeit unbesetzt. Hinzu kämen Stellen von Ergänzungskräften wie Kinderpflegern sowie Praktikanten. Die Stadt halte sich ferner an die durch die im KiBiz gruppenbezogen gesetzlich vorgeschriebene Anzahl der Fachkräften. „In einigen Gruppenformen sind Überbelegungen vorhanden“, so Stadtsprecherin Anja Gladisch. Diese bedürften jedoch immer einer Genehmigung durch das Landesjugendamt.

Personell chronisch unterbesetzt fühlt sich auch Ute Rotthoff in ihrer katholischen Kita St. Barbara. „Was auf dem Papier steht, was an Stellen da ist, ist das eine“, sagt die Leiterin. „Aber es sind ja zig Stellen unbesetzt“, betont sie. Die Berechnung des eigentlichen Personalschlüssels sei sehr kompliziert und hänge nicht nur vom Alter der Kinder, sondern auch der gebuchten Betreuungszeit ab. In ihrer Kita in Röhlinghausen hätten etwa 41 von insgesamt 42 Kindern einen 45-Stunden-Platz, der natürlich viel arbeitsintensiver ist als 35 oder gar 25 Stunden.

„Auf Dauer wird der Kindergarten zur Verwahranstalt“

„In fast jedem Kindergarten fehlen ein bis zwei Erzieher“, sagt sie und sieht den Grund vor allem in der schlechten Bezahlung. „Auf Dauer wird der Kindergarten nur noch zu einer Verwahranstalt“, fürchtet sie und mahnt, dass die Landesregierung lieber Geld in die Ausbildung und die Erzieher-Qualität als in ein zweites beitragsfreies Kita-Jahr zu investieren. „Sonst gebe ich der Sache keine zehn Jahre mehr, bis das gesamte System kollabiert.“

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