Pflege

Intensiv-WG in Herne bietet Bewohnern ein neues Zuhause

Das Team (v.l.): Dominic Aechtle (Pflegedienstleiter IC Care 24), Manuela Schulz (Pflegefachkraft), Angela Wedekind (Hauswirtschafterin) und Oliver Mülly (Leiter Pflege).

Das Team (v.l.): Dominic Aechtle (Pflegedienstleiter IC Care 24), Manuela Schulz (Pflegefachkraft), Angela Wedekind (Hauswirtschafterin) und Oliver Mülly (Leiter Pflege).

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Herne.  In Herne gibt es nun eine Wohngemeinschaft für Intensiv- und Beatmungspatienten. Das bietet „Intensive Care Home 24“ seinen Bewohnern.

Manche Erkrankungen erfordern eine spezielle Pflege und Betreuung. Da diese nicht immer zu Hause gewährleistet werden kann, bietet „Intensive Care Home 24“ (IC Home 24) Betroffenen in einer Wohngemeinschaft ein neues Zuhause. 2010 in Norderstedt gegründet, eröffnete das Unternehmen im September eine Intensiv- und Beatmungspflege-WG an der Schulstraße 30/32 in Herne.

Die Räume von IC Home 24 Herne in Herne-Mitte seien an die heutigen Bedürfnisse angepasst worden, sagt Dominic Aechtle, Pflegedienstleiter der Wohngemeinschaft. In der WG finden zwölf so genannte intensivpflichtige Menschen ein neues Zuhause, in dem sie rund um die Uhr betreut und gepflegt werden. Jeder Bewohner bewohnt ein 25 bis 30 Quadratmeter großes Zimmer mit eigenem Bad. Außerdem verfügt die WG über eine große Gemeinschaftsküche sowie einen Wohnbereich, in denen sie mit ihren Angehörigen Zeit verbringen können.

„Alles ist barrierefrei und auf Rollstuhlfahrer ausgelegt“, sagt Aechtle. So gibt es unter der Arbeitsplatte in der Küche eine Aussparung, und der Gemeinschaftstisch ist erhöht, so dass ein Rollstuhl bequem darunter passt. „Unsere Klienten haben hier ihr Zuhause, das sie sich individuell einrichten dürfen“, betont Oliver Mülly, Leiter IC Home Pflege Deutschland.

Versorgungsschlüssel in der WG liegt bei eins zu drei

Die Angehörigen hätten ebenfalls einen Schlüssel, dürften kommen und gehen, wann immer sie wollten: „Es ist auch möglich, dass sie hier übernachten.“ Manche stellten von vornherein ein größeres Bett auf, so dass sie beim Partner übernachten könnten, andere nutzten eine Schlafcouch im Zimmer. Zusätzlich gibt es einen Ruheraum, der ebenfalls für Angehörige zum Übernachten hergerichtet werden könne.

Das Angebot der IC Home 24 richtet sich an Menschen, die eine 24-stündige intensivpflegerische Versorgung mit und ohne Beatmung benötigen. Wer infolge eines Luftröhrenschnitt eine Trachealkanüle erhalten hat, muss rund um die Uhr versorgt werden. Dies ist bei Krankheitsbildern wie ALS oder Schädel-Hirn-Trauma der Fall. In der WG arbeiteten ausschließlich examinierte Pflegefachkräfte mit einer Weiterbildung zur außerklinischen Intensivpflege. Der Versorgungsschlüssel in der WG liege bei eins zu drei: Eine Pflegefachkraft versorgt demnach drei Bewohner. „Die 1:1-Versorgung zu Hause ist aufgrund des Fachkräftemangels enorm schwierig geworden“, weiß Oliver Mülly. Denn dort würden zur Versorgung 5,5 Pflegefachkräfte benötigt. „Manchmal kommen Klienten nach dem Krankenhausaufenthalt erst einmal zu uns, bis ein solches Team zusammengestellt ist.“

Liste mit Veranstaltungen liegt aus

Grundsätzlich gebe es keine zeitliche Begrenzung für den Aufenthalt in der WG. Manche Bewohner blieben bis zu ihrem Lebensende, andere gingen wieder nach Hause. „Unser Fokus liegt darauf, die vorhandenen Ressourcen zu fördern mit Perspektive auf eine Entwöhnung von der Beatmung“, erklärt Mülly. Und: „Wir machen da weiter, wo die Akut- beziehungsweise die Reha-Klinik aufgehört hat.“ Das Team von IC Home 24 arbeite mit einem therapeutischen Team aus Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten sowie Haus- und Fachärzten zusammen. Ebenso bestehe eine Kooperation mit Weaning-Zentren, die unter anderem auf die Entwöhnung spezialisiert sind. „Die Menschen müssen schlucken, sprechen und atmen lernen.“

Ab und an gelinge dies, so dass die Bewohner wieder zurück in ihr eigenes Zuhause ziehen könnten. „Aber selbst wenn wir die Beatmungszeit von 24 auf 16 Stunden reduzieren können, ist das schon ein großer Erfolg.“ Die Pflegefachkräfte in der WG gewährleisten aber nicht nur die pflegerische und medizinische Versorgung, sondern ermöglichen, soweit es möglich ist, die Teilnahme am sozialen Leben. Eine Liste mit Veranstaltungen hänge stets aus. „Wir sind ja hier mitten in der Stadt, und da ist oft was los“, so Dominic Aechtle. Er sagt: „Wir ermöglichen unseren Klienten, das was geht.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben