Coronavirus

Herner Zirkus steht wegen der Corona-Krise kurz vor dem Ruin

Die Zirkus-Familie Atsch: Ronny, Fabiola, Alessio (7), Janina, Vanessa mit Jaden (4) und Gino.

Die Zirkus-Familie Atsch: Ronny, Fabiola, Alessio (7), Janina, Vanessa mit Jaden (4) und Gino.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Herne.  Seit 14 Jahren überwintert der Zirkus Alessio in Herne. Die Corona-Krise könnte das Ende für ihn bedeuten. Worauf die Zirkus-Familie jetzt hofft.

Keine Vorführungen, keine Zuschauer, keine Einnahmen: Zirkus-Familien sind von der Corona-Pandemie schwer betroffen. Auch das Leben der Familie Atsch steht seit Mitte März still. Seit 14 Jahren ist der Zirkus mittlerweile in Herne gemeldet.

Wie lange das noch so sein wird, kann Vanessa Atsch nicht sagen. „Vielleicht noch drei, vier Monate.“ Was danach kommt, wisse sie nicht. In normalen Zeiten lebe die 14-köpfige Familie jede Woche in einer anderen Stadt. Mit ihren fünf Wohnwagen und ihrem Puppentheater reise sie hauptsächlich durch Nordrhein-Westfalen. Die kalten Monate von November bis Februar überwintert sie in Herne am Großmarkt.

Gerade als sie einen Auftritt in Gelsenkirchen vorbereiteten und bewarben, sei die Corona-Pandemie dazwischen gekommen, erzählt Atsch. Plötzlich wurde alles abgesagt: Besucher durften nicht mehr zu ihren Vorstellungen kommen und auch die Seniorenheime, in denen die Zirkusfamilie häufig Auftritte hatte, wurden geschlossen.

Zirkus-Familie hofft auf Spenden

„Wir leben eigentlich immer von der Hand in den Mund“, so Atsch. „Wir haben kaum Rücklagen.“ Die, die sie noch hätten, seien in ein paar Monaten endgültig aufgebraucht. Schließlich müssten Versicherungen, Wasser, Strom und Lebensmittel weiter bezahlt werden. Ihr Notquartier haben sie in der Corona-Zeit an der Grenze zwischen Herne und Recklinghausen aufgebaut.

Wegen der Notlage hofft die Familie nun auf Spenden. „Auch Lebensmittelspenden wären hilfreich“, so Atsch. Schon mit zwei Jahren habe die 28-Jährige zum ersten Mal in der Manege gestanden. „Wir sind eben eine echte Zirkus-Familie.“ Auch ihren Mann habe sie so kennengelernt – gemeinsam haben sie zwei Söhne.

Ihre Zirkus-Tiere stünden auf einer Weide in Steinfurt, jeden Tag besuche die Familie die Tiere. „Für die haben wir zum Glück noch genug Futter“, so Atsch. Neben den Pferden, Eseln und Ziegen bestehe das Programm aus Akrobatik, Jonglage und Zauberei. „Manchmal ist auch ein Messerwerfer dabei“, sagt Atsch, die mittlerweile in der achten Generation den Zirkus führt.

Keine finanzielle Hilfe vom Staat

„Wir vermissen es, in der Manege zu stehen. Auch der Applaus fehlt sehr.“ Über die Gefahr, dass sie durch die Krise ihren Zirkus aufgeben muss, möchte sie nicht nachdenken. „Ich kann mir nicht vorstellen, irgendetwas anderes zu machen.“ Ebenfalls unvorstellbar für die junge Frau: Plötzlich in einer Wohnung zu wohnen und einen festen Wohnsitz zu haben.

Die Zeit, in der das Zirkus-Leben nun lahm liegt, nutze die Familie dafür, ihre Wohnwagen und ihr Equipment aufzubereiten und zu reparieren. Zudem habe sie vor einigen Tagen vor einem Seniorenheim in Herne ihre Stücke vorgeführt. „Die älteren Leute konnten vom Balkon aus zuschauen.“

Finanzielle Hilfe vom Staat sei bisher nicht in Aussicht, sagt Atsch. Der Familie gehe es genauso wie vielen Schaustellern, die gerade keinerlei Einnahmen hätten. Eine solch kritische Situation habe die 28-Jährige bisher noch nie erlebt. Nur ein heißer Sommer vor wenige Jahren sei schwierig gewesen. „Aber das war zum Glück nach wenigen Wochen wieder vorbei.“

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