Herne exklusiv

Herner Weinhändler punkten mit individueller Beratung

Frank Wehowsky, Mitarbeiter des Weinhandels Meimberg, mit einer Kiste Cabrida aus dem Celler de Capçanes von 2015. Die Flasche kostet 35 Euro.

Frank Wehowsky, Mitarbeiter des Weinhandels Meimberg, mit einer Kiste Cabrida aus dem Celler de Capçanes von 2015. Die Flasche kostet 35 Euro.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Herne.  Ein Dom Perignon Vintage von 2006 für 160 Euro? Kann man kaufen, muss man aber nicht. Was Herner Weinhändler über Qualität sagen.

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Gegen „Luxus“ hat Hartmut Julius Meimberg eine Aversion. „Das klingt nach Rolex und Rolls Royce“, findet der Herner Weinhändler, nach Prestige für „die oberen Zehntausend“. Und damit habe sein Sortiment nichts zu tun. Was Meimberg interessiert, ist „Genussqualität“, sagt er: Weine und gutes Essen, „an denen man Freude hat, ohne abzudriften“. Darum bemühen sich - neben dem Chef, der inzwischen die meiste Zeit in seinem Zweitdomizil in der Pfalz verbringt - Geschäftsführer Richard Gerdesmann und zwei Mitarbeiter im Laden an der Bahnhofstraße. https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/worauf-herner-kunden-beim-weinkauf-achten-sollten-id216107959.html

Dort glitzert es momentan aus allen Präsentkartons, die Tina Matthes, Mitarbeiterin im Verkauf, in jeder freien Minute packt. Zwischen 15 und 60 Euro kosten die meisten, und in der Zusammenstellung gibt es erstaunlich viele Varianten, vom Italienkorb mit Nudeln und Pesto zum Pino Bianco bis zum Gebinde für Gin-Liebhaber mit Tonic und edler Schokolade. Wer bei den mit Süßem oder Herzhaftem ergänzten und nett dekorierten Geschenkkisten nicht fündig wird, kann sich auch einen ganz persönlichen Karton zusammenstellen lassen.

Individuelle Beratung der Kunden wird groß geschrieben

„Bei Meimberg ist es gelebte Tradition, stets individuell auf die Vorlieben des Kunden einzugehen“, sagt Richard Gerdesmann. „Unsere Hauptaufgabe ist die Beratung. Im Gespräch versuchen wir den passenden Tropfen zu finden.“ Für den Whiskytrinker mit hohem Anspruch könnte das etwa ein „Glenfarclas Highand Vintage Single Malt“ von 1988 sein, der im Geschäft für 182,90 Euro zu bekommen ist. In ähnlicher Preisklasse bewegt sich der „Linkwood 25“ von Gordon & MacPhail.

Gerade zu den Feiertagen gebe es Kunden, „die vor allem Produkte mit Glamour und Prestige suchen“, erklärt Gerdesmann. Die Namen berühmter Weingüter und geschätzter Anbaugebiete oder Spitzenklassifikationen wie „Grand Cru Classé“ seien dann für die Kaufentscheidung ausschlaggebend.

Ob diese Weine ihr Geld wert sind, könne am ehesten ein Fachhändler entscheiden, „der mit jahrzehntelanger Erfahrung ein tolles Sortiment vorselektiert und fair eingepreist hat“. Natürlich habe auch Meimberg absolute Prestigeweine wie den „Termanthia 2012“ der spanischen Bodega Numanthia für 179 Euro. Aber: „Viel mehr freuen wir uns aber über Neuentdeckungen mit besonders gutem Preis-Leistungs-Verhältnis wie bei dem grandiosen Champagner von Veuve Fourny & Fils für 35 Euro.“

Und was bestimmt den Preis? Der Weinhändler nennt Jahrgang, Anbaugebiet, Rebsorte, Ertragsmenge und Herstellungskosten als Faktoren. Bei einem Qualitätswein sei immer noch vieles „mühevolle Handarbeit“. Winzer lesen per Hand, ziehen Rebstöcke in Steillagen, verzichten auf Chemie: Genau diese Winzer seien interessant, und nicht die großen Industrie-Agrarunternehmen. Gute Weine müssten nicht die Welt kosten, versichert Meimberg-Mitarbeiter Frank Wehowsky: Für acht bis 15 Euro sei Vernünftiges zu bekommen. Und „Schwellenangst“ sei im Weingeschäft unangebracht: „Das ist alles ganz unkompliziert.“

Weinhaus Wanne verkauft zu Weihnachten vor allem Weine bis 50 Euro

Bei Jens Rohlfing im „Weinhaus Wanne“ gehen vor Weihnachten zumeist Weine bis 50 Euro über die Theke. Hochpreisigere französische, italienische oder spanische Tropfen würden in seinem Geschäft am Eickeler Bruch schon eher für runde Geburtstage gekauft, sagt der Händler.

Was die Preise angeht, hat Rohlfing seine eigene Philosophie: 30 bis 40 Euro sind für ihn bei einem Qualitätswein gerechtfertigt. „Alles was darüber liegt, ist Marketing“, sagt er, „und hat nur bedingt mit Qualität zu tun.“ Für die Kunden sei es aber reizvoll, etwas zu haben, „was rar ist“. Beratung gibt es auf Wunsch immer, probiert werden kann in höheren Preislagen nicht. Dazu besteht bei diversen Tastings die Gelegenheit, bei denen Rohlfing Whisky, Rum, Grappa, Gin, Wein oder Bier ausschenkt. „Da ist dann auch ein Whisky für 280 Euro dabei“, so Rohlfing.https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/weinhaus-wanne-zieht-anfang-des-neuen-jahres-nach-eickel-id215832355.html

Dass Firmen zu Weihnachten 100-Euro-Flaschen verschenkten, sei längst vorbei, dank Compliance-Regeln in den Unternehmen, die die Annahme teurer Geschenke verbieten. Auch die Steuergesetzgebung habe ihren Teil dazu beigetragen. Steuerlich absetzbar seien Weine nur noch bis 35 Euro.

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