Kirche

Herner Frauen wollen Protest gegen die Amtskirche fortsetzen

Aufruhr in der Kirche: Nach der Aktion am vergangenen Sonntag will die Initiative Maria 2.0 weiterhin auf ihre Anliegen und die Kritik an der Amtskirche aufmerksam machen.

Aufruhr in der Kirche: Nach der Aktion am vergangenen Sonntag will die Initiative Maria 2.0 weiterhin auf ihre Anliegen und die Kritik an der Amtskirche aufmerksam machen.

Foto: Kerstin Buchwieser

Herne.   Mit ihrem Kirchenstreik haben katholische Frauen viel Sympathie gewonnen. Es meldeten sich auch Gegner zu Wort - mit drastischen Forderungen.

Über eine Fortsetzung der kirchliche Protestaktion „Maria 2.0“ in Herne wird im nächsten Monat beraten, so Regina Sindermann, Bezirksvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd). Möglicherweise werde dann die Initiative auch auf die Nachbargemeinde St. Christophorus ausgeweitet. Dazu gebe entsprechende Signale.

Den „Kirchenstreik“ am vergangenen Wochenende hatten Frauen aus der Gemeinde St. Dionysius organisiert, aus Wanne-Eickel waren einige Frauen dazugestoßen. Nicht nur bei der Kundgebung am Kugelbrunnen in der Fußgängerzone habe sie viel Zustimmung zur Kritik an der Amtskirche erfahren, berichtete Sindermann weiter, anschließend habe sie auch eine Reihe Mails erhalten, in denen Sympathie und Unterstützung für den Protest zum Ausdruck komme.

Allerdings sahen das offenbar nicht alle Gläubigen so. Dekanatsreferent Heinz Otlips erklärte, das es auch vereinzelt Anrufe oder Schreiben mit der Forderung gegeben habe, den Bericht über die Aktion von der Internetseite der Gemeinde zu nehmen. Es sei auch die Frage gestellt worden, wie sich denn ein Aufruf, den Gottesdienst zu bestreiken, mit der Sonntagspflicht der Katholiken vereinbaren lasse.

Ruf nach innerkirchlicher Diskussion

Otlips wie auch die beiden Pfarrer Georg Birwer und Ludger Plümpe betonten, dass sie den Protesten aufgeschlossen gegenüber stehen. Nach den Missbrauchsskandalen habe sich in einigen Kreisen eine Haltung breit gemacht „Augen zu und durch“, sagte Birwer. Es sei aber jetzt an der Zeit, sich mit den Fragen, die die Initiative stelle, offen auseinandersetzen. Welche Erwartungen die Gläubigen an die Kirche stellen, wie das Verhältnis von Amtsvertretern und Gemeinde aussieht, gehöre auf die Tagesordnung. Nach Ansicht von Plümpe bietet Maria 2.0 Anlass, über drängende Themen zu diskutieren. Wolle beispielsweise Kirche noch ernst genommen werden, müsse sie „in Fragen der Sexualmoral ihre Verstocktheit aufgeben“, so Plümpe. Hinsichtlich der Forderung nach der Priesterweihe für Frauen sieht er noch einen langen Weg, wenn es dazu kommen soll. Die Sorge, die vor wenigen Wochen in Münster begonnene Protestaktion könne die gesamte Kirche spalten, teilt er nicht. Die Frauen, die sich an der Initiative beteiligten, haben nach Aussage des Pfarrers deutlich gemacht, dass sie in der Kirche bleiben wollen. Regina Sindermann meinte, dass die Akteurinnen nach dem Protest am Sonntag ihr ehrenamtliches Engagement fortsetzen.

Pfarrer Ludger Plümpe äußert auch Bedenken

Pfarrer Ludger Plümpe bringt den Motiven der Initiative Verständnis entgegen, hat aber auch Bedenken. Angesichts der Vielzahl an Zielen würden Themen miteinander vermengt, die nicht unbedingt zusammenpassten.

Der kfd-Bundesverband hat angekündigt, die drängenden Fragen weiter beharrlich verfolgen zu wollen. Denn: Jetzt seien die Themen in Bewegung gekommen, die die Frauen schon seit Jahren beschäftigen.

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