Interview

Die besonderen Herausforderungen der Neuen Höfe in Herne

Die Entkernung ist abgeschlossen, nun beginnt der eigentliche Umbau.

Die Entkernung ist abgeschlossen, nun beginnt der eigentliche Umbau.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Thomas Binsfeld aus der Geschäftsleitung der Landmarken AG spricht im WAZ-Interview über die Herausforderungen, die die Neuen Höfe bieten.

Die Arbeiten der Fassade sind in vollem Gang, am Donnerstag hat die Landmarken AG mit McFit einen weiteren Ankermieter für die Neuen Höfe verkündet. Thomas Binsfeld, Mitglied der Geschäftsleitung bei Landmarken und Projektverantwortlicher für die Neuen Höfe, erläutert im Gespräch mit WAZ-Redakteur Tobias Bolsmann die Herausforderungen beim Umbau, bei der Vermietung und seine Sicht auf den Standort Herne.

Herr Binsfeld, die Fassade verändert zurzeit fast stündlich ihr Aussehen. Wie kommen die Arbeiten generell voran?

Binsfeld: Im Großen und Ganzen ganz gut. Allerdings muss man bei Bestandsgebäuden immer auf Überraschungen gefasst sein. Wir haben aber mit dem Dortmunder Bauunternehmen Freundlieb einen starken Partner, mit dem wir auf solche Überraschungen schnell reagieren können. Außerdem können wir mit unserem großen Planerteam vor Ort und den Ansprechpartnern bei der Stadt Herne immer schnell Lösungen finden.

Was sind die besonderen Herausforderungen bei diesem Gebäude?

Man muss so ein Gebäude in gewisser Weise verstehen. Es handelt sich ja um eine Handelsimmobilie aus den 60er-Jahren, bei dem auch noch die Tragkonstruktion und die Fassade unter Denkmalschutz stehen. Wir bringen jetzt andere Nutzungen in dieses Gebäude. Das heißt: Es gibt andere Anforderungen. Das ist aber gar nicht so einfach umzusetzen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Wir hatten mal über ein Hotel nachgedacht. Doch das hätte nicht in die Struktur des Gebäudes gepasst, die Zimmer wären zu klein geworden und wären damit nicht wirtschaftlich gewesen. Außerdem haben wir in Zukunft mehrere unterschiedliche Nutzer. Diese sollen sich alle wohlfühlen. Dazu gehört zum Beispiel, dass man jeweils repräsentative Eingänge schafft für die Büros und den Handel. Auch für die Warenanlieferung mussten wir uns neue Ideen einfallen lassen.

Waren das auch Gründe, dass es einige Zeit gebraucht hat vom Kauf bis zum Startschuss der Arbeiten?

Wir haben vor allem auch Zeit gebraucht, um uns Vertrauen zu erarbeiten, ein Netzwerk in Herne aufzubauen und die Partner von unserem flexiblen Konzept zu überzeugen. Wir mussten aber selbst erst den Standort

verstehen.

Was heißt das?

In der Rückschau hätten wir früher mit der Bürovermietung anfangen sollen. Aber man hat gesagt, dass es in Herne keinen Bedarf für Büros in der Innenstadt gibt. Es hat sich aber herausgestellt, dass sehr wohl Bedarf vorhanden ist. Deshalb ziehen ja auch Fläkt und Regus ein.

Wie läuft die Vermietung der Handelsflächen?

Man muss sagen, dass die Situation im Handel insgesamt schwer geworden ist. Viele Unternehmen haben ihre Expansion gestoppt, eröffnen also keine neuen Filialen. Das gilt gerade für den Textilbereich. Hinzu kommt, dass viele Interessenten Mietverträge nur über einen kurzen Zeitraum abschließen wollen. Maximal fünf Jahre. Das könnte aber die Wirtschaftlichkeit des Projekts gefährden. Wir wollen aber etwas Nachhaltiges nach Herne bringen, wir wollen das Haus nicht einfach nur schnell vollmachen, wir wollen den Standort Herne stärken. Deshalb haben wir ein Konzept mit vielen kleineren Mietern. Wenn sich einer verabschiedet, fällt das nicht so ins Gewicht. Klar ist, dass es im Erdgeschoss auch Gastronomie geben wird, allerdings werden wir eine Auswahl erst später treffen. Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir zwei Drittel aller Flächen vermietet.

Sie haben gesagt, dass Sie Herne als Standort stärken wollen. Wie sehen Sie die Stadt?

Herne ist sehr agil, die Verantwortlichen im Rathaus wollen die Stadt nach vorne treiben. Die Innenstadt ist eigentlich ganz gut aufgestellt, weil es mit dem City-Center und den Neuen Höfen an beiden Enden Impulse gibt.

Können denn die Neuen Höfe auch Impulse auf der Bahnhofstraße Richtung Bahnhof setzen?

Vielleicht sollte man gar nicht mehr den Anspruch haben, auf diesem Teilstück ausschließlich Handel zu haben. Man muss anfangen umzudenken. In Aachen ist beispielsweise der Handel an einigen Stellen von Wohnungen und Arztpraxen ersetzt worden. In diese Richtung könnte man auch in Herne denken.

Das Gebäude entstand von 1959 bis 1961

Entworfen vom Architekten Emil Fahrenkamp, entstand das Kaufhaus von 1959 bis 1961 im Herner Zentrum. Das Fassadenmaterial wurde so gewählt, dass es leicht zu reinigen ist.

Zunächst hieß das Kaufhaus „Althoff“, ab 1963 dann Karstadt. 2007 verschwand der Karstadt-Schriftzug, stattdessen wurde „Hertie“ angeschraubt. 2009 folgte die Schließung.

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