Tag der Architektur

Besucher freuen sich über Einblicke in moderne Häuser

Architekt Jürgen Köhne (re.) führt eine Besuchergruppe durch das neue Wohn- und Geschäftshaus an der Mont-Cenis-Straße 253, früher Haus Wiesmann.

Architekt Jürgen Köhne (re.) führt eine Besuchergruppe durch das neue Wohn- und Geschäftshaus an der Mont-Cenis-Straße 253, früher Haus Wiesmann.

Foto: Rainer Raffalski

Herne.   Zum „Tag der Architektur“ schaute sich die WAZ mit Besuchergruppen ein barrierefreies Wohnhaus und eine Appartementanlage der Bethel-Stiftung an.

Der Herner Architekt Jürgen Köhne steht im Vorraum zum Wohn- und Geschäftshaus an der Mont-Cenis-Straße 235 in Sodingen. Um ihn herum haben sich einige Architekturinteressierte eingefunden. „Eine Besonderheit dieses Gebäudes ist die vollständige Barrierefreiheit“, erklärt ihnen Köhne gerade. „Der Raum, in dem wir uns befinden, wurde gebaut, damit Besucher der Gewerbeeinheiten diese auch mit Rollstuhl und trotz der natürlichen Steigung erreichen können“.

Liegeaufzug mit Spiegel für Rollstuhlfahrer

Das Gebäude „am Denkmal“ ist eins von fünf in Herne, die sich Besucher am Wochenende zum „Tag der Architektur“ in Herne anschauen. Die nächste Station der Gruppe in Sodingen ist der Fahrstuhl - laut Architekt ein Liegeaufzug, in dem ein Spiegel angebracht ist. „Und zwar aus dem einfachen Grund“, erklärt Köhne, „damit Rollstuhlfahrer, die rückwärts aus dem Aufzug herausfahren, sehen können, was hinter ihnen passiert“. Eine weitere Besonderheiten der barrierefreien Anlage sind sich automatisch öffnende Türen.

Die meisten der 14 Wohneinheiten erreiche man über Laubengänge, so Köhne: offene Balkone, von denen die Wohnungstüren abgehen. An der Mont-Cenis-Straße haben die Bewohner die Balkone mit Blumen und Sitzplätzen bunt dekoriert, was bei den Besuchern gleich ein bewunderndes „Das ist aber schön hier!“ hervorruft. In den Decken der Balkone befinden sich kreisförmige Ausschnitte, die die Gruppe auch in den Wänden der Flure entdeckt. Der Herner Architekt erklärt, dass so das Gebäudeinnere etwas heller wirke, „und so hinterlasse ich dem Gebäude eine eigene Handschrift“.

Grandioser Ausblick vom Dach des Hauses

Der große Höhepunkt der Führung ist aber der Ausflug auf das Dach des Gebäudes. Über eine steile Leiter klettert die kleine Gruppe ins Freie. Dort angekommen, erhalten die Architekturinteressierten einen wunderbaren Ausblick über Sodingen und auf die nahe gelegene Akademie Mont-Cenis. Auf dem Dach weist Köhne auf eine weitere Besonderheit des Hauses hin: Die Photovoltaik-Anlage, die die Heizanlage des „Null-Energie“-Hauses mit selbsterzeugter Energie versorgt.

Am Ende der Führung weist Köhne noch auf die grünen Leisten außen am Gebäude hin, die das Gebäude im dunklen Grün leuchten lassen. „Das war ein kleiner Gag von uns“, verrät der Architekt. Zwei Besucherinnen – eine selbst Architektin, die andere Bautechnikerin – zeigen sich am Schluss begeistert. „Die Führung war sehr gut und informativ“, finden die Frauen. Vor allem die technischen Details des Hauses hätten ihr Interesse geweckt.

Gelungene Verbindung von Alt und Neu

Eine gelungene Verbindung von Alt und Neu bekamen die Besucher in Wanne an der Zeppelinstraße zu sehen, wo 2017 das alte Pfarrhaus der Zwölf-Apostel-Kirche mit einem Appartementhaus für Menschen mit psychischen Einschränkungen zusammengewachsen ist. Übernommen hat diese Aufgabe das Dortmunder Architektenbüro „post welters und partner“.

„Gemeinschaftliches Wohnen, aber kein klassisches Wohnheim“: So brachte Projektleiter Sven Grüne am Samstag die Idee auf den Punkt, die die Architekten nach dreijähriger Planungsphase dort umgesetzt haben. Entstanden sind 24 Einzelappartements, jeweils mit eigener Küche und Bad, in die sich die Bewohner zurückziehen können, die sie aber auch verlassen können, um an Therapieangeboten im denkmalgerecht renovierten Pfarrhaus teilzunehmen, wo auch gekocht und gegessen wird. Zudem lädt ein bepflanzter Innenhof zum Aufenthalt im Freien ein.

„Durch Architektur neue Lebensmöglichkeiten zeigen“

Ein Konzept, das die ersten Besucher, die sich von Norbert Post und Sven Grüne durch Alt- und Neubau führen ließen, überzeugte. Sowohl Petra Kroll wie auch das Ehepaar Müller-Schuitz kannten das Pfarrhaus noch aus Zeiten des verstorbenen Pfarrers Herbert Otterstein und waren nun an dessen neuer Nutzung interessiert gewesen. „Wir wollen mit Architektur andere Lebensmöglichkeiten aufzeigen“, sagt Architekt Norbert Post, spezialisiert auf gemeinschaftliche Wohnprojekte. „Gebäude haben einen starken Einfluss auf das Leben miteinander.“ Auch die Bethel-Stiftung wolle weiter in die eingeschlagene Richtung gehen.

>>> TAG DER ARCHITEKTUR

Am Tag der Architektur laden jedes Jahr Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner mit ihren Bauherren zu Besichtigungen und Gesprächen vor Ort ein.

Fünf Objekte öffneten an diesem Wochenende ihre Türen. Neben den genannten das Marien Hospital Herne, das Rheumazentrum und ein Wohnhaus an der Flottmannstraße 103.

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