Firmenführung

Autoren plädieren für neue Wege in der Firmenführung

Martin Granica und Ulla Domke sind der Meinung, dass die moderne Arbeitswelt, die von der Digitalisierung geprägt ist, eine neue Form von Firmenführung benötigt.

Martin Granica und Ulla Domke sind der Meinung, dass die moderne Arbeitswelt, die von der Digitalisierung geprägt ist, eine neue Form von Firmenführung benötigt.

Foto: Rainer Raffalski / Funke Foto Services GmbH

Unternehmen müssen in Zeiten der Digitalisierung anders geführt werden. Das schlagen die Herner Autoren Ulla Domke und Martin Granica vor.

An Ratgebern für Unternehmensführung herrscht kein Mangel. Bei den Buchhändlern füllen sie seit Jahren beständig Regalmeter. Nun haben Martin Granica, Geschäftsführer des Innovation Centers Ruhr mit Sitz in Herne, und Unternehmensberaterin Ulla Domke selbst einen Ratgeber vorgelegt. Titel: „Mutig führen. Wie Sie in Ihrem Unternehmen die Lust auf Verantwortung wecken.

Granica und Domke erheben in doppelten Sinn den Anspruch, sich von der herkömmlichen Literatur in diesem Segment zu unterscheiden. Sprichwörtlich ins Auge fällt die Optik. Statt einer eng bedruckten Bleiwüste wird der stichwortartige Text von mehr als 100 Zeichnungen begleitet. Als Grund für diese Herangehensweise nennen die Autoren ihre eigene Leseerfahrung: „Das klassische Sachbuch ist oft eine Zumutung für eine Führungskraft, die wenig Zeit zum Lesen hat. Und das Gelesene auch später umzusetzen.“ Es gebe zwar sehr gute Sachbücher mit sehr guten Ideen, doch in vielen Fällen komme nach der Lektüre nichts im betrieblichen Alltag an. „Dieses Schicksal soll unser Buch nicht erleiden.“

Doch in erster Linie soll ihre Anleitung für eine neue Form der Unternehmensführung nicht dieses Schicksal erleiden. Für Granica und Domke steht fest: In der modernen Arbeitswelt, die von der Digitalisierung geprägt und in immer kürzeren Intervallen verändert wird, haben hierarchische Strukturen, in denen einer bestimmt, was gemacht wird, ausgedient. „Das System der Arbeitswelt braucht nicht nur ein Update, wir brauchen ein ganz neues Betriebssystem.“ Die Ausgangsfrage für den Ratgeber laute: Wie gestaltet man Zusammenarbeit in Unternehmen?Die herkömmlichen Strukturen zerstörten in vielen Fällen ungewollt die Motivation von Mitarbeitern. Das Ziel sei es, Strukturen zu schaffen, in denen Menschen freiwillig dem Unternehmen etwas geben. „Arbeit soll heute auch ein Ort der persönlichen Entfaltung und Weiterentwicklung sein“, schreiben die Autoren in der Einleitung. Um dies in Betrieben umzusetzen, brauche es Mut.

Thesen mit Firmen diskutiert

Ein Schlüssel bei der Umsetzung sei die Kommunikation. Für Granica und Domke sitzt hier die Intelligenz des Unternehmens. Dieses werde nur klüger, wenn Menschen ihre Meinungen, ihr Wissen und ihre Ideen äußern - und darauf mit konkreten Maßnahmen reagiert werde. Darüber hinaus müssten den Mitarbeitern kreativer Freiraum gegeben werden, es müsse ihnen etwas zugetraut werden. Eine Führungskraft müsse mit ihrem Vertrauen in die Mitarbeiter quasi in Vorleistung gehen. Mitarbeiter dürften nicht fürchten, dass ihre Entscheidungen öffentlich kritisiert, ignoriert oder boykottiert werden. Im Unternehmen müsse eine Kultur der Anerkennung und Wertschätzung herrschen. Bei ihrem Blick in die Zukunft zum Abschluss stellen die Autoren die These auf, dass es bei der Konkurrenz um die besten Köpfe - den es angesichts des Fachkräftemangels längst gibt - immer weniger um Fachkompetenz und immer mehr um Sozialkompetenz gehe.

Granica weiß nur zu gut um die Bedeutung der Kernthesen, er selbst habe als Chef die allermeisten Fehler gemacht, die man machen kann. Domke wiederum weiß aus ihrer rund 20-jährigen Beratungstätigkeit bei mittelständischen Unternehmen, wie Firmen Entscheidungen nach bestem Gewissen fällen - und es kommt am Ende etwas völlig Falsches heraus. Diese Erfahrungen waren für beide der Antrieb dieses Buch zu schreiben.

Das beschreiben sie als eine Art „Best of“ aus anderen maßgeblichen Werken, die sie mit ihren eigenen Gedanken ergänzt haben. Das eigentliche Plus dieses Ratgebers liege in der Tatsache, dass sich beide ihre Gedanken nicht im stillen Kämmerlein gemacht, sondern sie mit Unternehmen diskutiert haben. Erst danach sei das Buch entstanden. „Die Vorschläge aus dem Buch werden an Bedeutung gewinnen“, sind sich Granica und Domke sicher.

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