Defekter Aufzug

Aufzug defekt: Herner Senioren können Haus nicht verlassen

Das Seniorenquartier „Atrium Plus“ an der Mont-Cenis-Straße 266 in Sodingen.

Das Seniorenquartier „Atrium Plus“ an der Mont-Cenis-Straße 266 in Sodingen.

Foto: Kerstin Buchwieser / FUNKE Foto Services

Herne.  Ein defekter Aufzug fesselt Bewohner der Herner Senioreneinrichtung „Atrium Plus“ ans Haus. Das ist nicht das einzige Problem in der Anlage.

Nach einem längeren Ausfall und einer Reparatur hat der Aufzug im Seniorenquartier „Atrium Plus“ an der Mont-Cenis-Straße 266 ganze drei Tage funktioniert. Danach quittierte das betagte Gerät erneut den Dienst. Für in dem Sodinger Haus lebende Senioren ist das eine Hiobsbotschaft.

Denn: Für einige ältere Bewohner ist der Aufzug die einzige Möglichkeit, ihre Etagen zu verlassen. Umso schlimmer, dass der Fahrstuhl nach dem jüngsten mehrwöchigen Ausfall im Mai und im Juni erneut streikt. Nun wendet sich eine verzweifelte Angehörige an die WAZ, da ihre in dem Haus wohnende kranke Mutter dringend zum Arzt müsse und weder Hausverwaltung noch Eigentümer zu einer Stellungnahme für die Mieter zu erreichen seien.

„Meine Mutter hat einen Katheter, der eigentlich schon seit Wochen im Krankenhaus überprüft werden muss“, erzählt die Tochter, die ihren Namen lieber nicht öffentlich nennen möchte - aus Sorge um Konsequenzen für ihre Mutter. Da sich die Untersuchung nicht länger aufschieben lasse, organisiere die Familie nun auf eigene Kosten einen Krankentransport, der mit rund 100 Euro zu Buche schlägt.

Mieter zahlen Betreuungspauschale

Die über 90-Jährige Mutter sei nicht die einzige, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen kann. „Es ist eine Katastrophe. Die alten Leute werden vertröstet und niemand scheint zuständig zu sein“, sagt die Tochter. Und das obwohl es sich bei der Wohnanlage explizit um betreutes Wohnen handele. Die Mieter zahlten sogar eine Betreuungspauschale. „Die Hausverwaltung sagt, dass ihr die Hände gebunden sind.“ Darüber hinaus sei den Mietern mitgeteilt worden, dass es keinen Notdienst für den Aufzug mehr gebe.

In dem Haus liege aber noch mehr im Argen. Die Brandschutztüren seien so schwergängig, dass Bewohner mit Rollator oder Rollstuhl sie alleine gar nicht offen halten können. Die Briefkästen seien anfangs nur über Treppen erreichbar gewesen. Eineinhalb Jahre hätten Angehörige gekämpft, damit sie barrierefrei zugänglich sind.

Die Angehörige würde ihre Mutter am liebsten anderswo unterbringen. „Die Menschen können überhaupt nicht mehr am Leben teilnehmen. Wer keine Familie oder Unterstützung hat, ist arm dran.“

Das sagt der Eigentümer

Die WAZ hat beim Eigentümer - die Klute und Buderus GbR - nachgefragt und folgende Antwort erhalten: „Die Firma ADC als zuständige Hausverwaltung wird die Mieter über die anstehenden Arbeiten informieren. Die beauftragte Aufzugsfirma, die Hausverwaltung ADC und wir sind uns der Dringlichkeit bewusst und tun alles, um den Ausfall des Aufzuges so kurz wie möglich zu halten.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben