Kita Zauberland

43 Jahre Erzieherin in Herne - Melitta Winkler geht in Rente

Die Erzieherin Melitta Winkler arbeitete 43 Jahre in der Kita Zauberland. Nun ist sie in den Ruhestand gegangen.

Die Erzieherin Melitta Winkler arbeitete 43 Jahre in der Kita Zauberland. Nun ist sie in den Ruhestand gegangen.

Foto: Dietmar Wäsche

Herne.   Melitta Winkler kümmerte sich 43 Jahren um die Kinder in der Kita Zauberland. Nun ist Schluss. Wie sich ihr Job in all den Jahren änderte.

Von der ersten Stunde an war sie in der Kita Zauberland an der Ludwigstraße im Einsatz. Gerade frisch aus der Ausbildung half die damals 22-jährige Melitta Winkler dabei, die Einrichtung aufzubauen und mitzugestalten. Nun geht sie nach 43 Dienstjahren in Rente. So richtig begreifen kann sie diesen Umstand aber noch nicht, obwohl sie einen Plan schon seit Jahren schmiedet.

„Ich kann es mir immer noch nicht richtig vorstellen, nicht mehr hierherzukommen“, sagt die 65-Jährige, die immer gerne zur Arbeit gekommen ist und den Gedanken dies nicht mehr zu tun, selbst am vorletzten Tag von sich weg schiebt. Wenn sie aktuell Termine für die nächsten Wochen plane, schwinge immer der Gedanke mit, dass sie diese nach 16 Uhr machen muss. „Und dann fällt mir ein, dass ich ja jetzt bald den ganzen Tag Zeit habe.“

1973 Ausbildung zur Erzieherin

Geboren wurde Melitta Winkler in der ehemaligen DDR. „Meine Familie ist aber schon vor dem Mauerfall rübergekommen.“ Seither habe sie vor allem in Wanne gewohnt. 1973 begann sie die Ausbildung zur Erzieherin - zunächst an der Berufsfachschule, weiter ging es an der Fachschule für Sozialpädagogik. Das Anerkennungsjahr machte sie bei der Kirche. Dann fing sie bei Zauberland an und blieb. In den 43 Jahren betreute sie stets die gleiche Gruppe, die Zaubermäuse, natürlich mit wechselnden Kindern. „Jetzt betreue ich die Kinder derer, die bei mir schon als Kind waren. Das ist wirklich schön.“ Viele Kinder kämen zum Besuch zurück in ihre alte Kita oder um Geschwisterkinder zu besuchen.

Ihre Arbeit habe sich im Laufe der Jahre schon geändert, vor allem was die Dokumentation betreffe. Der Papierkram habe ordentlich zugenommen. Die Sache mit dem Computer liege Melitta Winkler nicht so sehr. „Aber wir teilen uns die Bereiche gut ein.“ Das Bürokratische und vor allem der Datenschutz erschwere den Alltag sehr. „Man muss dauernd aufpassen und darf auch nicht mehr wie früher einfach Sachen aushängen in der Kita.“

Kinder werden zu mehr Selbstbewusstsein erzogen

Manches sei aber gleich geblieben, heiße nur anders. Wie die Entwicklungsbögen, die zu Melitta Winklers Anfangszeiten, Beobachtungsbögen hießen oder die Projektarbeit, die damals als Rahmenplan bezeichnet wurde. „Ich führe immer gerne an, dass wir damals Malbücher hatten und heute Mandalas im Einsatz sind, die als hochpädagogisch gelten, früher aber etwas verpönt waren.“

In der Pädagogik habe sich einiges getan: So werden die Kinder seit einigen Jahren zu mehr Selbstbewusstsein erzogen. „Da haben wir schon manchmal etwas zu diskutieren“, sagt die Erzieherin und lacht. Was sich ebenfalls geändert hat, sei die Vorbereitung auf die Schule, die stärker Einzug in den Kitaalltag genommen hat. Die Kinder lernen spielerisch Englisch und Yoga. „In diesem Alter machen die Kleinen alles gerne.“ Da sei es leicht, sie an etwas heranzuführen.

„Manche sagen, die Kinder sind anders geworden. Aber das kann ich nicht bestätigen“, erklärt Melitta Winkler. Es habe schon immer eigensinnige oder etwas schwierigere Kinder gegeben. Und auch das Interesse der Kinder beispielsweise am Lesen oder an Büchern habe nicht abgenommen. „Man muss ihnen das anbieten, dann nehmen sie es auch gerne an.“

Kinder seien heute selbstständiger

Die Kinder seien früher nicht so selbstständig gewesen. „Ich muss sagen, dass ich anfangs ängstlich war, weil ich nicht wusste, wie viel ich den Kindern zutrauen kann“, erinnert sich die 65-Jährige. Diese Sorge sei über die Jahre verloren gegangen, Routine habe sich eingestellt. „Ich kenne die Kinder ja, da weiß ich, wer was schafft.“ Dafür denke sie in den letzten Jahren vermehrt über andere Themen nach, über die sie sich früher nie Gedanken gemacht hat - wie die Elternarbeit. Auch fallen ihr manche Situationen nicht mehr so leicht: „Der Lärm und das Gezanke der Kinder stecke ich nicht mehr so leicht weg wie früher.“

Im Gedächtnis geblieben, sind ihr die Namen aller Kinder ihrer ersten Gruppe sowie manch unbedarfter Spruch der Kleinen. „Ein Kind sagte mal zu mir: ,Komm, ich helfe dir beim Aufräumen, du bist ja schon eine alte Frau‘“, erinnert sich Melitta Winkler und lacht. „Da war ich allerdings noch jung. Aber für Kinder sind ja alle alt.“

Konkrete Pläne für ihren Ruhestand – an den sie sich erstmal gewöhnen muss – hat sie noch nicht, bis auf einen: „Ich ziehe nächstes Jahr nach Münster. Das habe ich schon lange geplant.“ Ganz von der Arbeit mit Kindern komme sie aber nicht weg: „Wenn ich mich dort eingelebt habe, möchte ich ehrenamtlich etwas mit Kindern machen.“

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