Wirtschaft

Windradbetreiber allein gelassen

Ende 2020 läuft die Förderung für erneuerbare Energien von Seiten der Bundesrepublik aus - was auch das Windrad von Dr. Ralf Lenkenhoff betreffen wird. 

Ende 2020 läuft die Förderung für erneuerbare Energien von Seiten der Bundesrepublik aus - was auch das Windrad von Dr. Ralf Lenkenhoff betreffen wird. 

Foto: Fabian Vogel / WP

Esborn.  Die Förderung der Erneuerbaren Energien läuft aus. Es kann sein, dass Ralf Lenkenhoff aus Esborn sein Windrad dann abbauen muss.

Es dreht sich in Esborn etwas, und das nun seit bereits 25 Jahren beständig. Unabhängig vom Wetter drehen sich die Rotorblätter des einsam auf dem Böllberg stehenden Windrads und sorgen für eine ganze Menge Energie. Diese wird in Strom umgewandelt und ohne Umschweife direkt in das regionale Stromnetz gespeist. Doch damit ist bald Schluss, wenn sich in der Politik nichts ändern sollte. Ende 2020 läuft die Förderung für erneuerbare Energien von Seiten der Bundesrepublik aus -- was auch das Windrad von Dr. Ralf Lenkenhoff betreffen wird.

Es waren eher idealistische Gründe, die den Bauingenieur vor 25 Jahren bewegten, sich ein privates Windrad anzuschaffen und dieses in Eigenregie zu betreiben. Ein großes wirtschaftliches Interesse hatte Lenkenhoff nach eigener Aussage nie an der Investition, die sich für ihn nicht nur aufgrund der hohen Wartungskosten ohnehin kaum rechnet. „Wenn es kostendeckend ist, reicht das vollkommen”, sagt er. Der mit einem Sachverständigenbüro selbstständige Lenkenhoff weiß, es dauert, damit sich eine Unternehmung wie das Windrad auf seinem Gelände rechnet.

Zwei bis drei Cent Vergütung

Die Kosten für den Betrieb des Windrads belaufen sich pro Jahr auf mehrere tausend Euro, die einzelnen Fixkostenpunkte kann Lenkenhoff genau beziffern. In den vergangenen 25 Jahren gab es für ihn nur selten einen Ertrag, der sich sonderlich bemerkbar machte. Ab dem Jahr 2021 jedoch wird sich für ihn in diesem Zusammenhang einiges ändern, denn dann läuft die Förderung für Anlagen wie seinem Windrad aus. Aktuell fördert die AVU die Kilowattstunde mit 9,1 Cent; mit Auslaufen der Förderung dürfte dieser Betrag deutlich sinken. Eher zwei bis drei Cent dürfte es dann noch für Lenkenhoff pro eingespeister Kilowattstunde von der AVU geben. Bei dem Energieversorger ist Lenkenhoff schon mehrfach vorstellig geworden – bis jetzt mit keinem zufriedenstellenden Ergebnis für ihn.

Schreiben an die Fraktionen

„Mir wurde mehrfach gesagt, dass man nichts für mich machen kann”, sagt er. Große Vorwürfe macht er dem Unternehmen mit Sitz in Gevelsberg nicht, schließlich müsse auch dieses wirtschaftlich denken und handeln. Unverständnis zeigt Lenkenhoff aber mit Blick auf die Politik, die die Förderung einfach auslaufen lässt und private Betreiber von Windrädern im Regen stehen lässt. Die von ihm 60.000 eingespeisten kw/h Strom werden ohne Umwege in das Netz der AVU gespeist, die den Strom deutlich günstiger auf dem Markt einkaufen kann, wenn die Fördermittel entfallen. „Man kann ja nicht immer von Regenerativen reden und diese dann nicht unterstützen, wenn es nötig ist”, sagt Lenkenhoff in Richtung der Politik. Für den Idealisten kein tragbarer Zustand, und so hat sich der Esborner an die verschiedenen Parteien der Stadt gewandt. „Und wenn ich keine Antwort bekomme, werde ich noch einen Brief schicken”, sagt Lenkenhoff.

Läuft die Förderung nämlich am 31. Dezember 2020 aus, muss er sein Windrad aufgeben. Die Kosten würden sich bei weitem nicht mehr decken lassen. Lenkenhoff ist dann verpflichtet, das Windrad auf eigene Kosten abbauen. Inklusive des drei Meter in die Tiefe versenkten Fundaments unter dem Mast des Windrads sowie der Station neben der Anlage. Der 34 Meter lange Mast müsste – wie bereits beim Aufbau – aufwendig aus dem Gebiet neben dem Sportplatz am Böllberg durch eine Spezialfirma entsorgt werden. „Das allein kostet mich 15.000 bis 20.000 Euro”, weiß Lenkenhoff.

Der Esborner hofft jetzt, dass er Gehör bei den Parteien finden wird und diese sich seiner Sache annehmen. Ein erstes Schreiben hat er den einzelnen Fraktionen bereits zukommen lassen.

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