Ernährung

Wie Kinder auch gesundes Essen lieben lernen

In der Küche des Kinderschutzbundes backen Justus, Charlotte, Lana und Nina (von links) mit Ernährungsberaterin Nicole Schreiber frisches Brot und kochen knackiges Gemüse.

In der Küche des Kinderschutzbundes backen Justus, Charlotte, Lana und Nina (von links) mit Ernährungsberaterin Nicole Schreiber frisches Brot und kochen knackiges Gemüse.

Foto: Nadine PrzystoW

Wetter.  Nicole Schreiber ist selbstständige Ernährungsberaterin aus Wetter und gibt regelmäßig Kochkurse für Kinder. Sie sagt: Schnuckern ist erlaubt.

Elf Kinder haben sich die letzten vier Tage „gesund und lecker durchs ganze Jahr“ gekocht. Gemeinsam mit Ernährungsberaterin Nicole Schreiber (51) haben sie in der Küche des Kinderschutzbundes Wetter für jede Jahreszeit allerhand Gerichte gezaubert: Spinat-Quiche und Radieschenschaumsuppe im Frühling, Gurkensalat und mariniertes Grillfleisch im Sommer, Kürbissuppe und Kartoffelgratin im Herbst, Grünkohl-Curry und Spritzgebäck im Winter – bei aktuell 30 Grad. Seit zehn Jahren bietet Nicole Schreiber diese Kochkurse an. Im Gespräch mit unserer Zeitung gibt sie Tipps für eine gesunde Ernährung und verrät, worauf sie bei Lebensmitteln achtet.

Warum ist es wichtig, dass Kinder nicht nur Essen vorgesetzt bekommen, sondern auch mal selbst kochen?

Schreiber: Wenn ich etwas selbst zubereite, dann ist auch die Bereitschaft größer, es zu probieren. Kinder lernen auf diese Weise Obst- und Gemüsesorten kennen. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass sie alle Lebensmittel kennen und wissen, wie man sie putzt und zubereitet. Das Schöne ist, dass ich aber auch immer wieder Kinder treffe, die zuhause in der Küche schon pfiffig mitmachen.

Wie können Eltern denn ihre Kinder von gesundem Essen überzeugen?

Der beste Trick ist außerdem, ungewöhnliche Sachen miteinander zu kombinieren und Neues gemeinsam auszuprobieren, ohne dass unbedingt der Teller leer gegessen werden muss. Man kann zunächst mit einer kleinen Probierportion anfangen und hinterher kann man sich ja noch etwas mehr nehmen. Ein Kind braucht bis zu 30 Versuche, um ein Lebensmittel zu akzeptieren. Ich finde es aber auch toll, wenn es in Kindergärten oder Schulen Projekte dazu gibt, wie zum Beispiel einen festen Gemüsetag. Das Thema Ernährung kann nicht nur zuhause stattfinden. Dafür sollte das Bewusstsein bei allen da sein.

Was halten Sie von Essensverboten?

Eltern sollten nichts rigoros verbieten. Das kann nach hinten losgehen. Wenn mein Kind nie Süßes essen darf und dann bei einer anderen Familie zu Gast ist, kann es sein, dass es hier über die Keksdose herfällt. Hier können Regeln helfen. Wenn zum Beispiel einmal am Tag Schnuckerzeit ist. Das müssen dann auch keine selbstgemachten Müsliriegel sein. Es braucht einfach ein gesundes Augenmaß.

Wie stehen Sie zu Ernährungsmodellen wie Vegetarismus und Veganismus?

Ich selbste esse gerne auch mal vegetarisch, weil ich nicht jeden Tag Fleisch haben muss. Aber ich würde nie sagen, dass etwas richtig oder falsch ist. Jeder muss wissen, was für ihn oder sie passt. Alles hat seine Berechtigung, aber wenn es aufgedrückt wird, finde ich das schwierig.

Was macht Ihnen mehr Spaß: Das Kochen oder das anschließende Essen?

Ich mag beides sehr. Gemeinsames Kochen bringt Freude und Freunde. Genauso esse ich gerne und alles. Ich gehe aber auch leidenschaftlich gern einkaufen und nehme mir dann auch Zeit, die Etiketten zu lesen.

Worauf achten Sie beim Einkaufen?

Ich kaufe gerne Bio, weil ich möchte, dass Lebensmittel wie Obst und Gemüse wenig vorbehandelt sind und das Fleisch aus tierfreundlicher Haltung kommt. Aber wenn eine Bio-Gurke in Folie eingeschweißt ist und aus Timbuktu kommt, verstehe ich das nicht. Ich schaue, dass ich regionale Produkte kaufe. Bei Milch zum Beispiel schaue ich, dass sie zumindest aus NRW kommt und nicht mit dem Lkw aus Stuttgart. Ich versuche, einen Mittelweg zu finden, der meinen Ansprüchen am besten entgegenkommt. Genauso achte ich darauf, saisonal einzukaufen. Jedes Produkt hat seine Zeit. Wer mag denn Erdbeeren im Dezember?

Was macht eine gesunde Mahlzeit aus?

Da kann ich nur für mich sprechen. Ich persönlich mag frische Sachen, die ich auch selbst zubereite und nicht zu stark verarbeite bzw. zerkleinere. Denn ich kaue noch gern. Ich habe es gerne bunt auf dem Teller. Jedes Lebensmittel hat mit seiner Farbe und seinem Aussehen auch eine Signalwirkung für Inhaltsstoffe. Und ich denke, wer die Woche über viele bunte Sachen isst - sofern es nicht Smarties oder Gummibärchen sind -, ist mit allen Nährstoffen gut versorgt.

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