Natur

Vom Waschbär zum Problembären

Waschbären sind längst auch im Ennepe-Ruhr-Kreis angekommen. Unser Foto zeigt ein Waschbärjunges im Wildtierpark Edersee.

Waschbären sind längst auch im Ennepe-Ruhr-Kreis angekommen. Unser Foto zeigt ein Waschbärjunges im Wildtierpark Edersee.

Foto: Uwe Zucchi

Wetter/Ennepe-Ruhr.  Ein Wengeraner beobachtete jetzt Waschbären in seinem Garten. Reiner Overhoff vom Hegering Volmarstein klärt auf.

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„Bloß nicht anfassen oder streicheln“, warnt Reiner Overhoff vom Hegering Volmarstein all jene Bürger, die einen Waschbären in ihrem Garten oder gar im Haus entdecken. So wie Herbert Engelmann aus der Schmiedestraße Wengern, der in seinem Garten wiederholt Waschbären zu Besuch hatte, die dort unverzüglich das Vogelhäuschen plünderten.

Nachtaktives Raubtier

Reiner Overhoff berichtet, dass die Kleinbären ursprünglich aus Nordamerika stammen und in den 20er Jahren am Edersee ausgewildert wurden. „Danach haben sie in kürzester Zeit Deutschland überrannt, sich explosionsartig ausgebreitet. Und obwohl der Waschbär so stark verbreitet ist, bekommt man ihn in freier Wildbahn selten zu Gesicht, weil er nachtaktiv ist. Selbst wir sehen ihn kaum“, so der Jäger. Aber das Tier suche gern die Nähe des Menschen und finde in Stallungen oder Dachböden Unterschlupf. „Waschbären sind interessiert, neugierig und beißen alles kaputt. Wenn man einen Waschbären im Haus hat, ist das kein Vergnügen“, weiß Reiner Overhoff. Und: „Es sind Raubtiere, die ein ordentliches Gebiss haben.“ Eindringlich warnt er davor, den Tieren zum Beispiel im Garten Futter anzubieten: „Das kann böse Folgen haben.“

Für die Stadt Kassel etwa, wo bereits 1000 dieser Kleinbären leben, die sich von Obst, Hunde- und Katzenfutter ernähren, sei das ein Riesenproblem: „Die Leute sind echt gebeutelt. In der Stadt als befriedetem Gebiet ruht die Jagd. Nur mit Ausnahmegenehmigung darf dort von Jägern eine Fangjagd betrieben werden. Da wird der Waschbär zum Problembären“, so Overhoff. Und weiter: „Das Tier unterliegt außerdem dem Jagdrecht und hat Jagd- und Schonzeiten, woran wir Jäger uns halten müssen.“

Noch schätzt Reiner Overhoff die Situation im Ennepe-Ruhr-Kreis als nicht problematisch ein, obwohl Waschbären hier leben. „Aber es wird ein zunehmendes Problem. Das Tier ist ein Allesfresser, und Nahrung ist immer griffbereit. Außerdem sind sie sehr behände und können wahnsinnig gut klettern. Das sind ganz geschickte Burschen, die gerne an Futterhäuschen gehen und das Futter für die Vögel fressen. Sie nehmen aber auch Fische, Obst, einfach alles, was sie kriegen können.“

Türen verschlossen halten

Grundsätzlich, so erklärt der Fachmann, sei es kein Problem, wenn ein Waschbär auf einen Apfelbaum klettere und die vergammelten Äpfel verputze. „Dann sollte man sich einfach freuen, wenn man sie sieht. Die Tiere sind nicht aggressiv; und in der Regel wird man sie auch gar nicht sehen, weil sie eben rein nachtaktiv sind. Wenn sie sich im Garten an den Apfelbaum heranmachen, ist das auch kein Grund, tätig zu werden. Aber wenn die Waschbären erst einmal ins Haus kommen, dann drehen sie alles von links auf rechts. Deswegen sollte man alles schön verschlossen halten. Die Zugänge zum Keller ebenso wie zum Gartenhäuschen. Und auf keinen Fall Hunde- oder Katzenfutter im Freien stehen lassen“, rät Reiner Overhoff. Ist der Kleinbär erst einmal im Haus, verbringe er sehr gern seine Tage auf dem Dachboden. In einem solchen Fall sollten betroffene Bürger unter Tel. 0151/12447404 Kontakt zur Kreisjägerschaft Ennepe-Ruhr aufnehmen.

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