Justiz

Verkehrsrowdy gefährdet Herdecker Paar auf der B54

Drängeln, Lichthupe, riskante Überholmanöver – das Gericht hat für sowas kein Verständnis.

Drängeln, Lichthupe, riskante Überholmanöver – das Gericht hat für sowas kein Verständnis.

Foto: WP

Herdecke/Hagen.  Ein Blick auf sein Vorstrafen- und Straßenverkehrsregister zeigt, dass es nicht das erste Mal war, dass der junge Mann zu schnell unterwegs war.

Nach einer Geburtstagsfeier macht sich ein Paar aus Herdecke am späten Abend des 30. Dezember 2017 mit dem Auto auf den Heimweg. Von Hagen Vorhalle aus auf die B54. Kurz vor dem großen Kreisverkehr in Vorhalle, erscheint plötzlich ein Wagen hinter den beiden.

Der Fahrer beginnt sofort zu drängeln. Er gibt permanent Lichthupe, fährt viel zu dicht auf. Kurz hinter der Ruhrbrücke überholt er das Paar trotz durchgezogener Mittellinie und aufgrund einer Kurve, schwer einsichtbarem Straßenverlauf. Dann schert er knapp vor den beiden wieder ein und macht eine Vollbremsung. Der am Steuer sitzenden Ehefrau bleibt nichts anderes übrig, als ebenfalls eine Vollbremsung zu vollziehen und den Wagen in den Gegenverkehr zu lenken. Ohne dieses Ausweichmanöver hätte die damals 21-Jährige einen Unfall mit dem anderen Auto nicht verhindern können. Glücklicherweise war die Gegenfahrbahn zu diesem Zeitpunkt leer.

Gefährlicher Eingriff

Das rücksichtslose Verhalten des damals 19 Jahre alten Mannes aus Wetter wird im Strafgesetzbuch als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr bezeichnet. Dementsprechend fand sich der Mann am 25. März auch auf der Anklagebank des Amtsgerichts Wetter wieder. Dort kassierte er nach Jugendstrafrecht eine Geldbuße in Höhe von 750 Euro sowie eine Sperre zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis von neun Monaten.

Da er mitten in der Ausbildung steckt und dafür eine Fahrerlaubnis braucht, legte er Berufung gegen das Urteil ein. Und so kam es gestern im Landgericht Hagen schließlich zum Verfahren in zweiter Instanz. Dass er sich falsch verhalten hatte, gab der Angeklagte sofort zu. Warum er so dicht aufgefahren und das Paar dann ausgebremst hatte, wisse er nicht mehr. Aber: „Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe, was hätte alles passieren können. Es war unreifes Verhalten. Ich bereue die Tat sehr.“ Das als Zeugen geladene Paar erinnerte sich mit Schrecken an den 30. Dezember. „Ich hatte Angst. Ich hatte extremes Herzklopfen, weil ich erst dachte, dass ich es nicht schaffe (den Unfall zu verhindern)“, erklärte die Frau. „Das war schon gefährlich. Es hätte ja alles passieren können“, so der Ehemann. Letztlich waren alle Beteiligten unverletzt geblieben.

Der Verteidiger des Angeklagten betonte noch einmal, dass es lediglich um die Problematik mit der Fahrerlaubnis gehe. Doch eine für den Advokaten gewünschte Lösung rückte beim Blick ins Vorstrafen- und Straßenverkehrsregister in weite Ferne. Bereits mehrfach war der mittlerweile 21-Jährige wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis aufgefallen, hat etliche Punkte wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen – in einem Fall war er mit 184 bei erlaubten 100 Stundenkilometern erwischt worden – und Ampelverstoßes angesammelt.

Ergebnis: Der Angeklagte nahm die Berufung zurück und akzeptierte damit das Urteil vom Amtsgericht Wetter.

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