Justiz

Trotz eingeräumten Diebstahls nochmal davon gekommen

Schuldig oder nicht? Das Amtsgericht Wetter fällt kein Urteil.

Schuldig oder nicht? Das Amtsgericht Wetter fällt kein Urteil.

Foto: Michael Kleinrensing

Herdecke/Wetter.   Die 27-jährige Herdeckerin streitet nicht ab, in einem Geschäft Lebensmittel gestohlen zu haben, dennoch wird das Verfahren eingestellt.

In einem Supermarkt steckte eine Frau aus Her­decke Ware ein und wollte damit das Geschäft unbemerkt verlassen. Sie hatte Pech: Der Ladendetektiv stoppte sie – und das nicht zum ersten Mal. Vor dem Amtsgericht Wetter versuchte die 27-Jährige nun, ihre erneute Tat zu begründen.

Aufmerksamer Detektiv

Lebensmittel für knapp 20 Euro ließ die junge Frau am Abend des 16. April vergangenen Jahres in dem Herdecker Supermarkt in einem nur vermeintlich günstigen Moment verschwinden. Hinter der Kasse wurde sie von dem Detektiv angesprochen, musste ihn in das Büro begleiten und konnte sich danach auf die nächste Anzeige wegen Diebstahls einstellen. Denn, seit 2016 saß die Herdeckerin bereits vier Mal wegen solcher Delikte auf der Anklagebank.

Im aktuellen Prozess mit dem neuen Vorwurf konfrontiert, legte die 27-Jährige zunächst ein Attest vor. Das bescheinigte ihr unter anderem eine posttraumatische Belastungsstörung, Depressionen und Wahrnehmungsstörungen. Auch war darauf vermerkt, dass sie sich in Behandlung befinde. Und in diesem Zustand, so begann sie zu reden, habe sie zuletzt sogar zwei Äpfel geklaut, die sie gar nicht benötigt habe. Bezüglich der Tat, um die es in diesem Verfahren ging, erklärte sie: „Ich sage nicht, dass ich das nicht gemacht habe. Aber ich war in einem schlechten Zustand.“ Damals habe sie nämlich auch unter dem Einfluss von Medikamenten gestanden. „Es war mir nicht bewusst, was ich mache“, beteuerte die angeklagte Herdeckerin.

Das Gericht hörte daraufhin den Ladendetektiv, der sie bei der Tat beobachtete und wartete, bis den Kassenbereich hinter sich ließ. Allerdings konnte sich der Mann alleine schon aufgrund der Vielzahl seiner Einsätze an keine Details erinnern und deshalb auch nichts zu dem psychischen Zustand der Frau sagen. Der 55-Jährige konnte nur auf sein Protokoll verweisen und betonte, dass das, was er dort geschrieben habe, dann auch ganz bestimmt den Tatsachen entspreche.

Richterin Sonja Baumann brachte es schließlich auf den Punkt. Sie verwies auf das eingereichte Attest, die Erkrankung der Herdeckerin und die Tatsache, dass nicht auszuschließen sei, dass die Tat wegen der Beeinflussung durch die Medikamente zustande gekommen sein könnte. Unter diesen Voraussetzungen wurde das Verfahren diesmal eingestellt – und das ohne Auflagen.

Allerdings ließ die Richterin keine Zweifel aufkommen und bemerkte mit Blick auf die zuletzt gestohlenen Äpfel: „Ich hoffe trotzdem, dass wir uns hier nicht wiedersehen.“

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