Wirtschaft

Stiftung Volmarstein macht Rechenzentrum stark

Das Rechenzentrum der ESV in Grundschöttel ist eine Erfolgsgeschichte. Vor 100 Jahren war hier ein Sanatorium, heute werden 38 Mio. Umsatz im Jahr mit IT-Dienstleistungen im Gesundheitswesen gemacht. Geschäftsführer Martin Backhaus, ESV-Vorstand Jürgen Dittrich und Geschäftsführer Dr. Stefan Wolf (von links) vor dem Hauptgebäude.

Das Rechenzentrum der ESV in Grundschöttel ist eine Erfolgsgeschichte. Vor 100 Jahren war hier ein Sanatorium, heute werden 38 Mio. Umsatz im Jahr mit IT-Dienstleistungen im Gesundheitswesen gemacht. Geschäftsführer Martin Backhaus, ESV-Vorstand Jürgen Dittrich und Geschäftsführer Dr. Stefan Wolf (von links) vor dem Hauptgebäude.

Foto: Klaus Görzel

Wetter.  1250 Einrichtungen werden von 250 Mitarbeitenden betreut, der Umsatz im letzten Geschäftsjahr lag bei 38 Millionen Euro.

Die Konkurrenz, das sind die richtigen großen Player bei Personalabrechnungen. „Und dann gibt es da noch uns“, sagt Dr. Stefan Wolf, beim Rechenzentrum Volmarstein (RZV) als Geschäftsführer zuständig für Vertrieb und Technik. „Wir müssen schneller sein und enger am Kunden“, lautet sein Erfolgsrezept. Bisher ist es blendend aufgegangen: Das RZV schwimmt als Anbieter im Bereich Gesundheitswesen ganz oben mit - seit über fünf Jahrzehnten als eine hundertprozentige Tochter der Evangelischen Stiftung Volmarstein (ESV).

Die Herkunft ist schon Teilerklärung für den Erfolg. Als die Abrechnungsabteilung ausgegliedert und das Rechenzentrum gegründet wurde, ist es bei der Nähe zum Klinikbetrieb und der Patientenversorgung in den Einrichtungen der ESV geblieben. Das Rechenzentrum hat somit eine Art Experimentierfeld vor der Haustür. Dort lassen sich Wünsche vernehmen und Prozesse ausprobieren. „Viele Produkte sind aus Selbsthilfe entstanden“, sagt Martin Backhaus, der kaufmännische Geschäftsführer beim RZV.

„Welches Glück wir haben, mit der Stiftung Volmarstein über einen Mikrokosmos zu verfügen“, sagt auch Stefan Wolf und freut sich über das Gesundheitswesen im Kleinen, das die ESV mit ihren vielfältigen Einrichtungen in der Hilfe für Menschen mit Behinderungen darstellt. Wie ein Sandkasten für die große Medizinwelt ist das Gefüge von Krankenhäusern, Wohneinrichtungen, Bildungsangeboten und Therapieformen. Wie wird zusammengearbeitet, wie laufen die Prozesse ab, wo sind die Hürden - das Gespräch mit dem Kunden ist hier auch ein Austausch mit den Nachbareinrichtungen unter dem Dach der ESV.

Nicht nur das Rechenzentrum ist froh über die Nähe zur Evangelischen Stiftung. Auch die ESV hat festgehalten an der „Tochter“. Viele Unternehmen hätten ihre IT ausgegliedert. Oftmals seien diese Gründungen dann von anderen Firmen geschluckt worden, weiß Stefan Wolf. „Der Verkauf ist schon mal diskutiert worden“, berichtet Jürgen Dittrich, Vorstand der ESV, „aber der Kurs blieb Beibehalten.“ Wirtschaftlich sei das eine gute Entscheidung gewesen, urteilt Wolf, und es unterscheide das Rechenzentrum von anderen Anbietern: „Wir sind nicht Investorengetrieben“, hebt Martin Backhaus hervor. Und Stefan Wolf beschreibt es so: „Das RZV hat sich völlig frei geschwommen, ist aber immer voll bei der ESV.“

Stolz spricht aus den Präsentationsfolien mit den Eckdaten des RZV. Seit 1904 ist die ESV in der Körperbehindertenhilfe und Altenhilfe sowie der Krankenpflege tätig. Das Rechenzentrum selbst ist hoch modern und kann auf über ein halbes Jahrhundert Erfahrung in der Informationsverarbeitung im Gesundheits- und Sozialwesen zurück blicken. 1250 Einrichtungen im Bundesgebiet werden von 250 Mitarbeitenden betreut, der Umsatz im letzten Geschäftsjahr lag bei 38 Millionen Euro.

Der IT-Bedarf im Gesundheitswesen ist riesig. Im klassischen Krankenhausbetrieb gibt es eine Finanzbuchhaltung, Controlling oder die Warenwirtschaft. Hinzu kommt die Personalwirtschaft. Und dann sind da auch immer mehr technikbasierte Verfahren bei der Aufnahme (damit die Küche Bescheid weiß oder die private Zusatzversicherung) bis hin zum Entlassmanagement mit nötigen Hilfen fürs Zurechtkommen daheim. Kliniken, Reha-Einrichtungen, Altenheime oder Behinderten-Einrichtungen zählen hier zur Kundschaft der Volmarsteiner Dienstleister.

Viel ist in Bewegung. Insbesondere der Informationsfluss zwischen Hausärzten, Fachärzten, Kliniken oder Rehaeinrichtungen kann verbessert und beschleunigt werden. „Wir können Patientendaten zwischen Einrichtungen austauschen“, blickt Stefan Wolf nicht etwa in die Zukunft. Das RZV hat längst einen rechtssicheren digitalen Austausch von Dokumenten und medizinischen Daten im Angebot. Dazu zählt die „Elektronische Fallakte für Konsile“: Bei der von Landesgesundheitsminister Laumann angestoßenen Inititative für ein virtuelles Krankenhaus kommt sie zum Einsatz. Auch über Videoportale können sich die Kliniken dabei austauschen.

An zahlreichen Förderprojekten ist das RZV beteiligt. In Essen gibt es Kontakt zu einer nephrologischen Arztpraxis, in Bochum zur Onkologie, in Ahaus zu einem Demenzzentrum. Aktuell sieht Martin Backhaus den IT-Einsatz im Gesundheitswesen an einer Schwelle. Bisher sei es meist um administrative Vorgänge gegangen, „jetzt wird der Behandlungsprozess digitalisiert.“ Das Rechenzentrum Volmarstein hält er dabei für gut aufgestellt.

Nicht nur mit Datenschutz hat es zu tun, auch mit Datensicherheit. Daher gibt es das RZV branchentypisch gleich doppelt: Über zwei Etagen erstreckt sich das Rechnerzentrum am Hauptsitz in einem verschalten Anbau der ehemaligen Rehaeinrichtung in Grundschöttel. Und alle Operationen finden parallel dazu noch einmal auf dem Gelände des Berufsbildungswerkes der ESV statt.

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