Bildung

Schüler aus Wetter kochen Mittagsmenü in der Eggeklause

Statt Frühstück bereiten Sekundarschüler zurzeit jeden Freitag ein Mittagessen für Hof Sackern zu. Yassin, Lehrerin Sonja Witt und Sarah haben alle Hände voll zu tun.

Statt Frühstück bereiten Sekundarschüler zurzeit jeden Freitag ein Mittagessen für Hof Sackern zu. Yassin, Lehrerin Sonja Witt und Sarah haben alle Hände voll zu tun.

Foto: Elisabeth Semme

Wetter.  Das Schülercafé im Naturfreundehaus Eggeklause darf nicht öffnen. Aber die Schüler haben eine neue Aufgabe: Sie kochen für Hof Sackern.

Konzentriert schabt Rino mit dem Sparschäler über die Möhre. Ganze drei Kilo haben er und sein Klassenkamerad Yassin bereits gewaschen und fast fertig geputzt. Dann übernimmt Sarah: Die 15-Jährige macht aus den Wurzeln mit Hilfe des Gemüseschneiders kleine Würfel. Zusammen mit Lauch und Sahne wird aus dem Gemüse eine Füllung für Galettes, das sind Pfannkuchen aus Buchweizenmehl. Verputzt werden sie am Mittag von 35 Personen auf dem Bio-Hof Sackern; denn dorthin geht das Menü, das die Schüler zubereiten.

Schülercafé in normalen Zeiten

Doch der Reihe nach: Wenn das Naturfreundehaus Eggeklause Corona-bedingt nicht geschlossen hat, betreiben Schüler der Sekundarschule am See dort freitags ein Schülercafé unter Leitung ihrer Lehrerin Sonja Witt, die mit ihrem Ehemann zugleich auch die Eggeklause bewirtschaftet .

Das Naturfreundehaus ist außerschulischer Lernort für die Schüler, die dort jenseits des Unterrichts ganz lebenspraktische Fähigkeiten erwerben – dazu gehören der Umgang mit Menschen ebenso wie das Eindecken der Tische und das Zubereiten der Frühstücke inklusive Dekorieren, Servieren und Abrechnen. Knapp zwei Monate konnte das Schülercafé nach den Sommerferien freitags öffnen; dann kam der erneute Lockdown – und Sonja Witt eine zündende Idee: „Statt des Frühstücks kochen die Schüler hier am Freitagvormittag ein Mittagessen für das Team des Hofes Sackern. Mein Mann und ich liefern es anschließend dorthin aus.“ Da die Pädagogin selbst eine zeitlang auf dem Biohof gewohnt hat, sind die Beziehungen noch immer gut. „Ich hole abends vorher das frisch auf dem Hof geerntete Gemüse ab, und die Schüler kochen unter meiner Anleitung daraus ein vegetarisches Menü. Das ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten; denn auf dem Hof freuen sie sich auch, wenn sie einmal in der Woche nicht selbst kochen müssen. Die sind ganz begeistert, dass sie so ausgefallene Gerichte wie Zwiebelcurry-Süppchen bekommen. Dafür haben sie dort gar keine Zeit.“

Saisonales Gemüse verarbeiten

Außerdem lernen die Jungen und Mädchen auch gleich, mit saisonalem Gemüse zu kochen. Und so stehen an diesem Freitag neben dem Süppchen auch Galettes mit Lauch-Möhren-Füllung und Cous Cous auf der Speisekarte. In der Woche zuvor gab es Zwiebel-Quiche und Shepherd’s Pie mit roten Linsen und Knoblauchsoße. Statt üblicherweise sechs, können allerdings zurzeit nur jeweils drei Schüler gemeinsam mit Sonja Witt in der Gastro-Küche der Eggeklause kochen.

Yassin (15), Sarah (15) und Rino (14) sind jedenfalls konzentriert und mit Begeisterung bei der Sache. „Es macht uns Spaß, weil wir wissen, dass wir für andere kochen können“, sagt Yassin. Rino ergänzt: „Und es ist nicht so stressig wie im Café, wenn so viele Leute auf einmal kommen. Außerdem lernt man hier teilweise mehr als in der Schule.“

Lehrerin schätzt Pflichtbewusstsein

Weil sein Vater Bäcker ist, ist ihm der Umgang mit Lebensmitteln nicht fremd. Gleiches gilt für Sarah, die ebenfalls zuhause oft kocht.

Sonja Witt wählt die Gerichte aus und bereitet alles vor, damit jeder Schüler morgens genau weiß, welche Aufgaben er hat. Die Lehrerin schätzt das Pflichtbewusstsein der Jugendlichen, die oftmals sogar früher als nötig aus ihrer Pause an den Herd zurückkehren. Zwar falle nun, anders als beim Cafébetrieb, kein Trinkgeld für die jungen Leute ab, „aber sie haben etwas Sinnvolles zu tun“.

Fürs Leben lernen

Wolfgang Schmidt, bildender Künstler und mit Ehefrau Sonja Witt Betreiber der Eggeklause , kann sich sogar vorstellen, solch ein Mittagessen auch über Corona-Zeiten hinaus einem heimischen Unternehmen anzubieten: „Vielleicht ist eine Firma in Wetter ja froh, wenn sie einmal in der Woche ein solches Menü für ihre Belegschaft bekommen kann.“ Und dass die Schüler dabei nicht nur etwas für jeden Beruf, sondern auch fürs Leben überhaupt lernen, davon ist er fest überzeugt.

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