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Rechtliche Hürden bei den Tiny Häusern für die Herdecker

Tiny Häuser lassen sich auch miteinander verbinden, um eine größere Wohnfläche zu erhalten.

Tiny Häuser lassen sich auch miteinander verbinden, um eine größere Wohnfläche zu erhalten.

Foto: Tiny House Diekmann / WP

Herdecke.  Viele Menschen interessieren sich aus ökologischen Gründen für ein Tiny Haus. Doch dabei gibt es auch Grenzen, die beachtet werden sollten.

Die ursprüngliche Idee der Tiny Häuser war, dass sie mobil transportiert werden können. Wer das Haus allerdings als echten Wohnraum nutzen möchte, müsste darauf verzichten. In Herdecke würden sie als fest stehende Einheiten geplant. Das Fahrgestell wäre also nur zur Anlieferung gedacht. Die Häuser selbst würden auf festem Boden stehen.

Letzteres bietet gewisse Vor- aber auch Nachteile. „Wer Tiny Häuser als Dauerwohnsitz nutzen möchte oder sie als Erstwohnsitz anmeldet, muss höhere Hürden überwinden“, sagt Vera Lindenbauer von der Schreinerei Diekmann in Hamm. Anders sieht es allerdings aus, wenn eine gewerbliche Nutzung angestrebt wird. „Gewerbliche Projekte sind einfacher zu realisieren, weil die Anforderungen nicht so hoch sind. Oftmals gibt es bereits ein passendes Gelände und die Häuser werden dem Bestand zugefügt“, so Lindenbauer.

Rechtlich stößt Ökologie an Grenzen

Der Vorteil an einem festen Standort sei aber ganz klar, dass die Häuser entsprechend ausgebaut und noch individueller auf die Bedürfnisse der Bewohner ausgerichtet werden können. So könnten sie an ein Wasser- und Stromnetz angeschlossen werden. Wer sich ein Tiny Haus zulegen möchte, um komplett ökologisch und autark zu leben, der dürfte allerdings gewisse Schwierigkeiten haben. Das fängt allein schon bei der Dämmung an, wie Lindenbauer erläutert. Für kleinere Häuser gibt es die Möglichkeit, mit Jute-Hanf oder Schafwolle zu dämmen. Sind die Tinys aber größer, wird mehr Dämmmaterial gebraucht und das Haus wird dementsprechend schwerer. „Wir dürfen beim Bau die Gewichtsgrenze von 3,5 Tonnen nicht überschreiten, dürfen nur eine Außenbreite von 2,55 Metern haben und vier Meter hoch werden“, sagt sie.

Die Begründung ist ganz einfach: Die Tiny Häuser müssen zum Standort transportiert werden und somit durch den Straßenverkehr laufen. Die Straßenverkehrsregeln geben die oben beschriebenen Begrenzungen vor.

Doch wie sieht es mit der Autarkie aus? „Selbstverständlich ist es möglich, beispielsweise eine Kompost-Toilette einzubauen und mit einem Wassertank zu arbeiten. Aber man muss auch bedenken, dass beispielsweise das Abwasser entsorgt werden muss“, sagt Lindenbauer. Dafür gebe es auch Kleinkläranlagen, dann käme man quasi ohne eine weitere Ressourceneinbringung aus.

Teilautarkes Haus

Solarpaneele, die auf dem Dach angebracht werden, könnten zwar zur zusätzlichen Stromgewinnung genutzt werden, reichten aber meist nicht aus, um den kompletten Bedarf zu decken, es sei denn, man schränke sich sehr ein. Bei feststehenden Tiny Häuser gebe es aber die Möglichkeit eines Solaranlagenanbaus seitlich. Zusätzlich könnte dann eine Speicheranlage genutzt werden. Die Empfehlung der Expertin ist aber ein teilautarkes Haus.

Da die Bevölkerung in Herdecke statistisch gesehen die zweitälteste in NRW ist, drängt sich eine weitere Frage auf: Wie sieht es mit der Barrierefreiheit aus? Denn viele Senioren wünschen sich auch eine Verkleinerung ihres Eigenheims. Grundsätzlich könne jedes Tiny Haus auch eingeschossig auf einer Ebene gebaut werden, so Lindenbauer. Das Haus müsste dann nur eben länger werden. Zusätzlich wäre dann nur eine Rampe im Eingangsbereich nötig, um sich barrierefrei bewegen zu können. Allerdings, so die Expertin, mit einem Rollstuhl ließe sich dort aufgrund der Breite nicht herfahren, mit einem Rollator sei das aber kein Problem.

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