Gericht

Polizei entdeckt in Herdecke verbotenes Grün

Justitia, Symbol für Gerechtigkeit in der römischen Mythologie. Foto:

Justitia, Symbol für Gerechtigkeit in der römischen Mythologie. Foto:

Foto: Sascha Willms

Wetter/Herdecke.  Hinweise führen Beamte in Garten eines 49-jährigen Herdeckers: Sechs verwelkte Cannabis-Pflanzen bescheren ihm ein Gerichtsverfahren.

Im Garten eines Herdeckers stieß die Polizei auf mehrere Cannabis-Pflanzen. Das bescherte dem 49-Jährigen nun ein Verfahren vor dem Amtsgericht Wetter. Dort wurde ihm zur Last gelegt, die Marihuana-Pflanzen angebaut zu haben, um Ertrag zu erzielen. Das sah er allerdings ganz anders. Dennoch erwies sich sein „grüner Daumen“ in dem Fall als strafbar.

Anbau ist etwas Anderes

Über einen Tipp kam die Polizei Mitte November auf die Idee, sich den Garten des Herdeckers einmal genauer anzusehen. Tatsächlich entdeckten sie sechs Cannabis-Pflanzen. Sicherlich befand sich das Grünzeug ob der Jahreszeit mittlerweile in einem eher bedauernswerten Zustand, doch es war da, und damit hatte sich der 49-Jährige schlicht und ergreifend strafbar gemacht. Ganz davon abgesehen, dass die Justiz nun auch davon ausgehen musste, dass er sich eine Ernte erhoffte.„Das Wort ‚angebaut‘ trifft nicht zu, weil ich nichts angebaut habe. Ich habe Samen ausgesät, aber nicht mit dem Ziel, Ertrag zu erzielen“, wehrte sich der Mann nun in der Verhandlung.

Bei den Pflanzen habe es sich um männliche und nicht bestäubte weibliche gehandelt – gänzlich ungeeignet für einen Ernteerfolg. Nur nicht bestäubte weibliche Pflanzen brächten einen Ertrag.

Richterin Sonja Baumann hakte nach und fragte, was er denn dann mit den Pflanzen gewollt habe. Die Antwort kam prompt: „Ich bin ein Pflanzenfreund. Die sehen richtig schön aus.“ Er habe ja auch Stockrosen gehabt. Überhaupt seien die Pflanzen bereits so verwelkt gewesen, dass er sie einige Tage später ohnehin entfernt hätte. Die Samen habe er übrigens bei einem Spaziergang an der Ruhr gefunden – in einer Verpackung für Taschentücher. Aber, und das betonte der angeklagte Herdecker immer wieder: „Die Blätter sind völlig unbrauchbar. Das ist definitiv nur Abfall. Völlig unbrauchbar.“

Verfahren ohne Auflagen eingestellt

Auch erklärte er, dass er der Polizei gegenüber keineswegs geäußert habe, dass das für seinen eigenen Konsum bestimmt war. Einer der Beamten wurde gehört und berichtete, dass sie vor dem Einsatz einen telefonischen Hinweis erhalten hätten. Vor Ort sei der 49-Jährige dann direkt zu ihnen gekommen, als er sie im Garten gesehen habe. Er, den er als Konsument kenne, habe dann gesagt, dass ihm die Pflanzen gehörten und dass sie für ihn seien. Ob die Pflanzen weiblich oder männlich gewesen seien, könne er nicht sagen. Letztendlich war das allerdings auch nicht entscheidend, da die Pflanzen, völlig egal welchen Geschlechts und Zustands, nicht im Garten des 49-Jährigen hätten stehen dürfen. „Egal, ob sie schön sind“, brachte es Richterin Sonja Baumann trocken auf den Punkt.

Der Herdecker beteuerte in dem Kontext noch einmal, keine Absicht bei der Anpflanzung gehabt zu haben. Da er bislang einschlägig nicht in Erscheinung getreten war, er Niemanden gefährdete und überdies dem Konsum offenbar abgeschworen hat, hatten Anklage und Gericht aber ein Einsehen mit ihm. Sein Verfahren wurde ohne Auflagen eingestellt.

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