Soziales

Macht uns ein sicheres Leben faul oder fleißig?

Das bedingungslose Grundeinkommen beleuchten die Buchautoren aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Das bedingungslose Grundeinkommen beleuchten die Buchautoren aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Foto: Monika Skolimowska

Herdecke.  Zwei Mitarbeiter der Uni Witten/Herdecke haben ein Buch geschrieben: einer ist für das bedingungslose Grundeinkommen, der andere dagegen.

Was würden wir tun, wenn unser Leben rundum abgesichert wäre – auch ohne dafür zu arbeiten? Würden wir uns auf die faule Haut legen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen? Oder würden wir trotzdem einer geregelten Arbeit nachgehen, weil wir Menschen einfach eine Aufgabe brauchen und ein Grundeinkommen längst nicht jedem reicht? Genau mit dieser Frage haben sich ein Befürworter und ein Gegner des viel diskutierten bedingungslosen Grundeinkommens beschäftigt und nun gemeinsam ein Buch geschrieben: Philip Kovce und Birger P. Priddat.

Philip Kovce ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Seniorprofessur für Wirtschaft und Philosophie der Universität Witten/Herdecke. Er spricht sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus, das inzwischen die ganze Gesellschaft bewegt – Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Unternehmen und nicht zuletzt Wissenschaftler nahezu aller Disziplinen.

Birger P. Priddat ist Seniorprofessor für Wirtschaft und Philosophie an der Universität Witten/Herdecke. Er lehnt diese Form der Existenzsicherung ab. Gemeinsam haben sie im Suhrkamp Verlag einen Sammelband herausgegeben, der sowohl die politische als auch die akademische Diskussion weiter voranbringt: „Bedingungsloses Grundeinkommen. Grundlagentexte.“

Was würden wir tun, wenn unsere Existenz bedingungslos gesichert wäre? Wären wir fleißiger oder fauler? Das fragen die Buchautoren und erläutern in ihrem aktuellen Buch, dass Experimente inzwischen versuchen, genau darauf eine Antwort zu geben. Plädoyers für oder gegen das Grundeinkommen finden breites Gehör in der Bevölkerung. Doch wie hat sich diese Idee entwickelt? Wer hat sie mit welchen Argumenten vorangebracht? Anhand von Schlüsseltexten unterschiedlichster Vordenker des bedingungslosen Grundeinkommens, darunter Thomas Morus, Charles Fourier, Bertrand Russell, John Maynard Keynes und Philippe Van Parijs, dokumentiert das neue Buch umfassend die wechselvolle Geschichte einer Idee, die uns nach Meinung der Autoren auch künftig beschäftigen wird.

Das rund 500 Seiten umfassende Grundlagenwerk versammelt insgesamt 24 Texte zum Thema aus fünf Jahrhunderten. Zu den namhaften Autoren zählen die Staatsmänner Thomas Morus und Thomas Paine, die Ökonomen John Maynard Keynes und Milton Friedman, die Philosophen Bertrand Russell und Hannah Arendt sowie der Soziologe Ralf Dahrendorf, der Psychologe Erich Fromm und der Künstler Joseph Beuys. Kovce und Priddat haben die ausgewählten Texte bei Bedarf kommentiert und darüber hinaus in ihrer Einleitung Geschichte und Gegenwart des Grundeinkommensdiskurses kompakt zusammengefasst.

Quellen schwer zugänglich

„Ideen fallen nicht einfach so vom Himmel, sondern entwickeln sich im Laufe der Zeit“, betont Philip Kovce, der derzeit an Priddats Wittener Seniorprofessur forscht. Und er unterstreicht sogleich die Bedeutung der Neuerscheinung: „Alle reden über das Grundeinkommen, aber kaum einer weiß von der wechselvollen Geschichte der Idee“, so Kovce. Das läge auch daran, dass viele ältere Quellen nur schwer zugänglich und teilweise nicht auf Deutsch verfügbar seien. „Das haben wir geändert“, so Kovce, „indem wir auch entlegenes Material von Bedeutung zusammengetragen und übersetzt haben.“

Bessere Gesprächsgrundlage

Dass die Herausgeber mit diesem Sammelband die Gesprächsgrundlage in Sachen Grundeinkommen auf breiter Basis verbessern wollen, betont auch Prof. Dr. Birger P. Priddat: „Nur wer die Vergangenheit versteht, kann die Zukunft gestalten“, sagt er.

Unabhängig davon, ob man ein bedingungsloses Grundeinkommen befürworte oder nicht, müsse man wissen, worum es dabei gehe. „Schließlich ist das Grundeinkommen eines der großen Themen des 21. Jahrhunderts, das philosophische, politische und ökonomische Grundsatzfragen verhandelt“, so Priddat.

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