Stromtrasse

Lkw zum Leitungsbau von Amprion stören Idylle nahe Herdecke

Ein Lastwagen der Baufirma quetscht sich durch den schmalen Kirchhörder Weg in Witten-Rüdinghausen.

Ein Lastwagen der Baufirma quetscht sich durch den schmalen Kirchhörder Weg in Witten-Rüdinghausen.

Foto: Georg Bock

Herdecke/Witten/Dortmund.  Ärger im Wohngebiet: Amprion hat im Grenzgebiet mit Arbeiten für die neue 380-Kilovolt-Stromtrasse begonnen. In Herdecke geht’s im August weiter.

Womöglich können Anwohner aus Witten-Rüdinghausen Herdeckern schon mal einen kleinen Vorgeschmack übermitteln, wie sich Baumaßnahmen für die umstrittene Höchstspannungsfreileitung von Amprion auf ihren Alltag auswirken.

Eine idyllische Wohngegend. Über schmale Straßen geht es zum Kirchhörder Weg in Rüdinghausen, vorbei an Feldern, Wäldchen und wenigen frei stehenden Häusern. Am Ende der Sackgasse liegt Dortmunds Stadtgrenze, der Schnee und Herdecke sind wenige Meter entfernt. Auf den Feldern will Netzbetreiber Amprion Strommasten für die neue 380-Kilovolt-Leitung erneuern. Die Anwohner sind in Aufruhr – und das nicht nur wegen der gigantischen neuen Masten, die bald hinter ihren Häusern stehen werden.

Lkw-Zufahrt durch Wohngebiet

Seit Mitte Mai rollen regelmäßig Lkw durch den schmalen Kirchhörder Weg. „Mal den ganzen Tag von morgens bis nachmittags, dann wieder tagelang kein einziger“, sagt Anwohner Markus Polenek. Für die Baustellenfahrzeuge ist die Sackgasse keine Sackgasse, sondern eine Zufahrt.

Am Ende des Sträßchens geht der Asphalt in einen Schotterweg über, von hier aus geht es für die Fahrzeuge durch die Felder weiter zu den Strommasten. Gerade ist die beauftragte Baufirma damit beschäftigt, am Ende des Wegs die Schotterpiste zu verbreitern, damit die Wagen auch wenden können.

„Wir machen uns Sorgen, dass unsere Straße durch die schweren Lastwagen beschädigt wird“, fürchtet Anwohner Georg Bock. Und dass sie schlimmstenfalls auf den Kosten für die Instandsetzung sitzen bleiben könnten. „Wir wissen einfach gar nichts“, klagt der 77-Jährige. „Wir fühlen uns von der Stadt stiefmütterlich behandelt, weil sie uns keine Informationen zur Verfügung gestellt hat.“

Netzbetreiber muss Schäden beheben

So begann die Suche nach Ansprechpartnern. Die Masten stehen auf Dortmunder Gebiet, Witten habe damit nichts zu tun. Peter Bock, der ebenfalls am Kirchhörder Weg wohnt, ergänzt: „Um ehrlich zu sein, ist unser Weg auch die einzig vernünftige Zufahrt zu den Masten. Ich hätte das auch nicht anders geplant.“ Dennoch würden sich die Anwohner wünschen, dass das Wittener Tiefbauamt „ein Auge“ auf das Geschehen hätte.

Das zuständige Tiefbauamt hat vorab eine umfangreiche Dokumentation über den Ausgangszustand erstellt, heißt es. Etwaige Schäden an der Straße seien zudem „in alle Richtungen abgesichert“, teilt die Stadt Witten mit. Hauptverantwortlicher dabei sei aber Bauherr Amprion. Ein Sprecher des Netzbetreibers mit Sitz in Dortmund erklärte dazu: „Wenn Schäden an der Straße entstehen sollten, werden diese behoben. Wir müssen die Wege so ,zurückgeben’, wie wir sie vorgefunden haben.“

Bleibt die Frage, wann es im Herdecker Siedlungsgebiet quasi richtig los geht mit Baumaßnahmen. In den nächsten drei bis vier Wochen (ca. Anfang/Mitte August) werden bauvorbereitende Maßnahmen etwa an den Zuwegen getroffen, teilt die zuständige Sprecherin von Amprion auf Anfrage mit. Zudem werden mit dem Entfernen von Leiterseilen die ersten Schritte für die Demontage von alten Leitungen anlaufen.

Und abschließend: „Die Bautätigkeiten werden punktuell im gesamten von der Leitung berührten Stadtgebiet der Stadt Herdecke durchgeführt.“

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