Sommertour

Leser entdecken Hilfen fürs Alter

Die Wohnberater Rainer Zott und Hans-Werner Geburek (von links) erläutern den Lesern die Exponate einer kleinen Demenz-Ausstellung im Forschungsinstitut.  

Die Wohnberater Rainer Zott und Hans-Werner Geburek (von links) erläutern den Lesern die Exponate einer kleinen Demenz-Ausstellung im Forschungsinstitut.  

Foto: Elisabeth Semme

Grundschöttel.  Vom Treppenlifter zum absenkbaren Küchenoberschrank: Im Forschungsinstitut der ESV staunten Leser über technische Hilfen fürs Leben im Alter.

„Diese Badewannentür ist ganz neu. Aber wenn man dadurch in seine Wanne steigt, muss man anschließend warten, bis das Wasser eingelaufen ist. Und am Ende genauso lange warten, bis es wieder abgelaufen ist, bevor man die Wanne verlassen kann. Ein Produkt, das wir in Anbetracht der Kosten in Höhe von 4000 Euro nicht empfehlen können“, sagt Wohnberater Hans-Werner Geburek und demonstriert die kleine Wannentür für den nachträglichen Einbau. Die Leser, die an diesem Nachmittag an der letzten Sommertour der Redaktion durch das Forschungsinstitut Technologie und Behinderung teilnehmen, hören und schauen interessiert zu. Das Thema „Wohnen im Alter“ und welche technischen Hilfsmittel dies möglich machen bzw. erleichtern, stehen im Mittelpunkt der Führung durch die Grundschötteler Einrichtung, die zur Evangelischen Stiftung Volmarstein gehört.

Locker und informativ

Nach einem kurzen Vortrag des Senioren- und Behindertenbeauftragten der Stadt Wetter, Axel Fiedler, zum Thema Pflegeberatung, übernehmen die Wohnberater die ebenso lockere wie informative Gestaltung der Tour. Die Besuchergruppe ist überschaubar, was den Vorteil hat, das alle Fragen auch während der Besichtigung sofort beantwortet werden können, ohne dass dies den zeitlichen Rahmen sprengen würde. So etwa möchte Heidemarie Appelt wissen, ob man für einen barrierefreien Bad- und einen Küchenumbau jeweils 4000 Euro Zuschuss bekommt. „Nein, man bekommt 4000 Euro für eine Maßnahme, sollte diesen Zuschuss aber auch ausschöpfen. Wenn sich allerdings der Gesundheitszustand eines Betroffenen verschlechtert, dann gibt es unter Umständen auch ein weiteres Mal 4000 Euro für eine Zweitmaßnahme“, so Wohnberater Geburek.

Ein sprechendes Fotoalbum, das den Betrachter in Bild und Ton an vergangene Lebensstationen erinnert, eine Nesteldecke und weitere Exponate der kleinen Demenzausstellung schauen sich die Teilnehmer zu Beginn der Tour durch das Labor- und Testzentrum an. Weiter geht es zu den Treppenliftern. Interessiert nimmt Olaf Prinz in einem Vorführ-Lifter Platz, der ihn auf Knopfdruck auf eine kleine Plattform in etwa einem Meter Höhe befördert. „Das ruckelt ja gar nicht“, staunt der Herdecker über den geschmeidigen Transport. Vor dem Hintergrund, dass derlei technische Hilfsmittel tausende von Euros kosten, appellieren die Wohnberater: „Lassen Sie sich vor einer solchen Anschaffung beraten. Es gibt gute, aber auch schlecht gemachte Produkte. Wir beraten Sie anbieter-neutral.“

Absenkbarer Küchenschrank

In der Küche der Demonstrationswohnung staunt die Gruppe nicht schlecht, als Hans-Werner Geburek auf Knopfdruck einen Küchenoberschrank auf Griffhöhe eines Rollstuhlfahrers herunterfährt. „Wie praktisch, da können wir unsere Fußbank verkaufen“, meint Wolfgang Althoff. Und wenn Küchenutensilien in herausziehbaren Körben statt auf starren Schrank-Zwischenböden lagern, kann auch dies das Leben für Menschen mit körperlichen Einschränkungen wesentlich erleichtern. Auf großes Interesse stoßen aber auch kleine Helfer: ein Flaschenöffner, mit dem sich ohne viel Kraftanstrengung der Verschluss einer Wasserflasche abdrehen lässt, oder Löffel und Messer, die einen Tremor bei Parkinson-Kranken ausgleichen. „Mein Mann hatte Parkinson. Das hätte ihm geholfen“, meint Margarete Schlotter. Im Schlafzimmer der Demo-Wohnung führen die Wohnberater der Gruppe sogenannte Transferhilfen vor, die sich für Menschen eignen, die noch stehen, aber nicht mehr gehen können. „Und was ist das hier?“ fragt Hans-Werner Geburek in die Runde, als er im Badezimmer auf einen Toilettenaufsatz deutet. „Eine Popodusche“, tönt es aus der ersten Teilnehmerreihe. „Genau, das ist ein Dusch-WC zum Nachrüsten“, so Geburek und erklärt, dass die Krankenkassen die Kosten übernehmen..

Am Ende der Tour gibt es Applaus und Lob für die Wohnberater: „Es ist nicht nur schön, dass sie es gemacht haben, sondern auch wie sie es gemacht haben.“ Und Wolfgang Althoff resümiert: „Ich wollte immer wissen, was die hier machen. Noch brauchen wir so etwas Gott sei Dank nicht, aber wenn, dann wissen wir jetzt, wo wir hin müssen.

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