Justiz

Lehrerin und Leiterin von Herdecker Schule verklagt

Das Gericht hielt den Fall nicht für Mobbing.

Das Gericht hielt den Fall nicht für Mobbing.

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Herdecke.  Eigentlich sollte das Gericht eine Klage auf Unterlassung entscheiden, doch der Prozess endet ziemlich schnell mit einem Vergleich.

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Diese beiden Verfahren sind selbst für das Arbeitsgericht Hagen äußerst ungewöhnlich: Eine Lehrerin klagt zum einen gegen eine andere Lehrerin und zum anderen gegen die Schulleiterin. Der Fall spielt in Herdecke.

Seit Herbst 1989 wird im Gemeinschaftskrankenhaus ein „einzigartiges Konzept“ umgesetzt: Dort werden Schüler, die im Rahmen einer stationären Behandlung von mindestens vier Wochen nicht in der Lage sind, ihre Heimatschule zu besuchen, unterrichtet: In der klinikeigenen „Ita-Wegmann-Schule“.

Das klingt gut. Doch hinter den Kulissen muss es dort in den vergangenen Monaten heftig gekracht haben: Lehrerin L. (blonder Dutt, trägt im Prozess ihre Brille nicht auf der Nase, sondern auf dem Kopf) und Lehrerin K. (silbernes Haar mit Innenrolle) sowie Schulleiterin B. (sitzt als Zuhörerin im Gerichtssaal) sollen heftig aneinander geraten sein.

Was genau passiert ist, erfährt auch Richter Michael Seidel nicht. In ihren eingereichten Schriftsätzen haben beide Seiten kein Wort darüber verloren. Nur so viel: Lehrerin L. hat die vorliegende Unterlassungsklage beim Arbeitsgericht eingereicht, mit der ihrer Kollegin, der Lehrerin K., untersagt werden soll „mündlich oder schriftlich“ zu behaupten, sie, die Klägerin, „betreibe Mobbing“. Bei jeder Zuwiderhandlung sollen 500 Euro fällig werden. (Az. 5 Ca 1989/19).

„Und dann gibt es noch das Parallelverfahren vor der Ersten Kammer“, streut Richter Seidel eher beiläufig ein, „in dem die Klägerin wegen desselben Sachverhalts auch gegen ihre Schulleiterin vorgeht.“

Stimmt. Mit einer weiteren Unterlassungsklage (Az. 1 Ca 1987/19) will Lehrerin L. ihrer Chefin ebenfalls den Mobbing-Vorwurf verbieten lassen. Die Gerichtsverhandlung darüber steht noch an.

Doch soweit soll es nicht mehr kommen. Der Anwalt, der auch das Gemeinschaftskrankenhaus vertritt, unterbreitet den streitenden Parteien einen durchdachten Vergleich, dem auch die Leiterin der Ita-Wegmann-Schule, die im Zuschauerraum sitzt, beitritt und der beide Prozesse geräuschlos beenden könnte.

Darin heißt es: Lehrerin K. und Schulleiterin B. „sind sich darüber einig, dass zwischen den Parteien ein persönlicher Konflikt besteht, der derzeit nicht die Voraussetzung eines Mobbings erfüllt.“ Deshalb werden es beide zukünftig unterlassen, den Mobbing-Vorwurf zu wiederholen.

Das Arbeitsverhältnis von Klägerin L. wird zum 31. März nächsten Jahres beendet. Für den Verlust ihres Arbeitsplatzes wird die Lehrerin eine Abfindung von 20.000 Euro (brutto) erhalten -- und ein wohlwollendes, qualifiziertes Arbeitszeugnis, indem ihr für Leistung und Verhalten die Note „sehr gut“ bescheinigt wird.

Der geschlossene Vergleich kann noch innerhalb einer Woche widerrufen werden.

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