Mein Gott

Kolumne: Pfarrer aus Wengern und sein Lob auf die Freiheit

Pfarrer Michael Waschhof ist seit Ende 2018 und offiziell seit Anfang 2019 bei der Evangelischen Kirchengemeinde Wengern

Pfarrer Michael Waschhof ist seit Ende 2018 und offiziell seit Anfang 2019 bei der Evangelischen Kirchengemeinde Wengern

Foto: Privat

Michael Waschhof ist seit Ende 2018 und offiziell seit Anfang 2019 Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Wengern.

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Zur „Freiheit hat uns Christus befreit.“ In diesen Tagen werden wir viel an die Freiheiten erinnert, die uns in Deutschland zugesichert sind. Dazu gehört es, dass ich meine Meinung frei äußern darf. Ich kann frei wählen, welchen Beruf ich erlernen möchte. Die Medien sind nicht eingeschränkt, und ich darf meine Religion frei ausüben. Diese Freiheiten und weitere mehr gewährt das Grundgesetz.


Noch davor, in der sogenannten Präambel, schützt das Grundgesetz das Leben jedes Einzelnen: Die Menschenwürde verbietet es, andere herabzuwürdigen oder Schaden zuzufügen. Es stellt alle gleich, in ihrem Wert als Menschen und vor dem Gesetz. In einer Gesellschaft, in der diese Spielregeln gelten, wird ein Zusammenleben ermöglicht, in dem Leben gestaltet werden können. Meine Freiheiten werden erst da eingeschränkt, wo sie andere verletzen können. Im Rahmen dieses Grundgesetzes darf ich mich frei bewegen und frei ausleben – es sorgt für unsere Demokratie und stellt uns auf sicheren Boden, seit nunmehr 70 Jahren. Herzlichen Glückwunsch, Grundgesetz!


Viele dieser Grundüberzeugungen teile ich als Christ. Man kann nicht Christ sein, ohne die Menschenwürde oder seinen Nächsten (und seine Freiheiten) zu achten. Für die weltlichen, wie religiösen Gesetze und Vorschriften gilt gleichermaßen: Sie sind nicht als Gängelung geschrieben oder sollen uns einschränken.


Jesus sagt seinen Jünger am Beispiel des Sabbats dazu:
„Das Gesetz wurde für den Menschen gemacht und nicht der Mensch für das Gesetz.“ Gesetze erschaffen uns den Raum, um uns menschenwürdig zu verhalten. Indem wir uns einsetzen für die Erhaltung der Freiheiten und der Menschenwürde: Durch offene Augen, die Unrecht sehen. Durch Kritik, wenn uns etwas nicht passt. Und nicht zuletzt durch Wahlen, in denen wir uns dafür entscheiden können, für unsere Werte das Kreuz zu setzen, wie jetzt am Sonntag. Das entspricht dann dem, wovon Paulus an anderer Stelle redet: „Brüder und Schwestern, ihr seid zur Freiheit berufen! Allerdings nicht zur Freiheit, die nur den Vorwand liefert für eure sündige Gesinnung. Dient euch vielmehr gegenseitig in Liebe.“


Mit lieben Grüßen zu diesem Wahlwochenende,


Ihr Michael Waschhof

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