Kirche

Kirchengemeinde Volmarstein muss sich kleiner setzen

Diskussion um die Zukunft der Evangelischen Kirchengemeinde Volmarstein. Links Superintendentin Verena Schmidt, in der Mitte Synodalassessor Henning Waskönig. Rechts im Bild Pastor Martin Streppel, bisher zuständig für den Bezirk Volmarstein/Schmandbruch.

Diskussion um die Zukunft der Evangelischen Kirchengemeinde Volmarstein. Links Superintendentin Verena Schmidt, in der Mitte Synodalassessor Henning Waskönig. Rechts im Bild Pastor Martin Streppel, bisher zuständig für den Bezirk Volmarstein/Schmandbruch.

Foto: Klaus Görzel / WP

Volmarstein.  Zwei Bezirke, aber bald nicht mehr zwei Pfarrstellen - in der Kirchengemeinde Volmarstein in Wetter sorgt das für Probleme.

Die Zahl der Gemeindemitglieder nimmt im ganzen Land ab. Für Volmarstein bringt das eine Reduzierung der Pfarrstellen mit sich. Wenn Pastor Thorsten Christian Hansen im Mai die Gemeinde verlässt, stehen dieser nur noch anderthalb Pfarrstellen zu, sechs Jahre später noch 1,25 Stellen. Das bringt das bisherige Gefüge der Gemeindeschwerpunkte im Volmarsteiner Dorf und in Grundschöttel ziemlich ins Wanken.

Der Kirchenkreis hat festgelegt, bei wie vielen Mitgliedern es Sprünge in der Pfarrer-Versorgung der Gemeinden gegen soll. Es muss mit sinkenden Kirchensteuereinnahmen rechnen, weil es immer weniger Kirchensteuerzahler gibt. Das hat nicht nur mit Frust über die Kirchen zu tun. „Die Zahl der Verstorbenen bestimmt den Trend“, sagt Hartmut Klar aus der Spitze des Kirchenkreises Hagen, zu dem die Kirchengemeinde Volmarstein zählt.

Über hundert Gemeindemitglieder sitzen mit Mundschutz im großen Quadrat des Gemeindeschiffes der Christuskirche in Grundschöttel, ihnen gegenüber die Verantwortlichen aus der Gemeindeleitung. Aus dem Presbyterium tritt Andreas Berends ans Mikrofon: Wegen Corona sei vieles zunächst liegen geblieben. Im August erst hätten die Presbyteriumssitzungen wieder aufgenommen werden können. Nun werde von den Verantwortlichen der Gemeinde, die ja ehrenamtlich aktiv seien, zusätzlich zu den regulären Sitzungen auch mit externer Beratung getagt. Ziel: Eine Konzeption für die Gemeinde und eine verträgliche Lösung für das Pfarrerproblem. Die Gemeinde soll einbezogen werden in diese Überlegungen, sagt Berends, „es ist unser aller Konzeption, nicht die des Presbyteriums.“

Bisher war dem Gemeindeteil im Volmarsteiner Dorf Pastor Martin Streppel zugeordnet. In Grundschöttel war Christian Hansen präsent. Muss mit dem Abschied von Hansen Grundschöttel bluten? Verena Schmidt, Superintendentin des Kirchenkreises Hagen, wirkt dieser Angst entgegen: „Es geht nicht um künftig 100 Prozent für das Volmarsteiner Dorf und 50 Prozent für Grundschöttel“, will sie die Wogen glätten, „die Gemeinde verliert insgesamt.“

Verlust und Frust nachvollziehbar

Pfarrer Martin Streppel bekräftigt das: „Nicht die Gemeinde in Grundschöttel verliert, und in Volmarstein bleibt alles beim Alten“, sagt er, „wir müssen viel mehr zusammen machen. Da wird sehr viel in Bewegung geraten“. Schon jetzt habe es ja eine gegenseitig Urlaubsvertretung gegeben. Mehr müsse hinzukommen. „Wir müssen uns aufeinander zubewegen“, so der Pastor, der das auch als „frommes Anliegen“ verstanden wissen will.

Beim Thema Frömmigkeit setzt auch Sven Porepp an. Er hätte sich zu Beginn der Veranstaltung eine Andacht zum Thema Ehrlichkeit gewünscht, sagt das Gemeindemitglied und spricht von der „Bitterkeit und Verzweiflung“ angesichts der Zukunft im Grundschötteler Gemeindeteil. „Wir haben immer unseren Pfarrer gehabt“, sagt er und erntet Beifall. Breite Zustimmung findet auch seine Kritik, dass die Kirchengemeinde Volmarstein mit der Lösungssuche in vielen Monaten nicht deutlich voran gekommen sei.

Eine Verringerung der Pfarrstellenanteile mache ein neu Definieren und Austarieren von Aufgaben der Arbeit der Pfarrer oder Pfarrerinnen in der Gemeinde nötig, sagt Martin Streppel. Die Verringerung sei sicher nicht sein „Wunschweg“. Aber es sei eine Notwendigkeit, bei der er stärker auch in den Grundschötteler Bereich wachsen werde.

Die Superintendentin „kann den Verlust und den Frust nachvollziehen“, sagt sie. Mehrfach habe sie das schon erlebt. Auch andere Gemeinden mussten zusammenwachsen. „Das ist eine leidvolle Erfahrung“, weiß Verena Schmidt. Aber es gebe viele Beispiele aus dem Kirchenkreis, „dass der Abbruch ein Aufbruch war“.

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