Wetter/Herdecke

Hygiene-Ampel steht noch lange nicht auf „Grün“

Wilhelm Bonsmann sieht die Hygiene-Ampel skeptisch.

Wilhelm Bonsmann sieht die Hygiene-Ampel skeptisch.

Foto: WR

EN/Wetter/Herdecke.  Wir Verbraucher sind aufmerksam - vor allem, wenn es um Lebensmittel geht. Da kommt die aktuelle Diskussion um eine Hygiene-Ampel für Gaststätten gerade recht. Noch in diesem Jahr wird sie in Duisburg und Bielefeld getestet. Ziehen andere NRW-Städte - etwa Wetter und Herdecke - nach? Grundlage für eine solche Ampel sind regelmäßige Kontrollen. Die führt im EN-Kreis das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt durch. Das aber sieht sich kaum in der Lage, eine Ampelkennzeichnung umzusetzen. Solange das so ist, sind die Gastronomen skeptisch.

2800 Betriebe, vom Kiosk bis zum Hersteller von Lebensmitteln, liegen im Kontrollbereich des Kreises. „Etwa 1000 Betriebe davon sind Gastronomie“, erklärt Amtsleiter Peter Richter. Geprüft wird alle drei, sechs, neun oder zwölf Monate, je nach Risikobeurteilung. Gerade stellt Richter fest, dass sich der Hygienestandard durch die Diskussionen verbessert hat: „70 Prozent der Betriebe liegen im Bereich gut, nur einzelne müssen wir kurzfristig schließen.“

Deshalb hat Gastronom Dalibor Grubisic vom Volmarsteiner Restaurant „Margarethenhöhe“ keine Angst vor dem Modell: „Ich war sogar immer dafür. Wir haben seit 26 Jahren noch nie Probleme gehabt, und ich denke nicht, dass sich das aufgrund einer solchen Ampel ändern würde.“ Die Sorge vieler Gastronomen, dass die Kontrolleure etwa an einem stressigen Tag kommen und ein völlig falsches Bild erhalten, teilt Grubisic nicht. „Das sind Leute au der Branche“, glaubt er, „die können das beurteilen.“

Wilhelm Bonsmann vom „Bonsmanns Hof“ in Herdecke sieht das anders. „Wenn es klare Kriterien für die Beurteilung gibt, dann ist das nicht verkehrt“, so der Inhaber, „sonst werden Ermessensentscheidungen getroffen.“ Für Bonsmann und Amtsleiter Peter Richter ist die Hygiene-Ampel also ein zweischneidiges Schwert. Als Waffe der Behörden sei sie schlagkräftiger als ein Bußgeld, aber „eine Bewertung ist immer ein Stück weit subjektiv“, räumt Richter ein.

Zudem sei das Amt personell gar nicht in der Lage, kurz nachdem ein Mangel beseitigt wurde, nachzukontrollieren. Die nächste Regelkontrolle gäbe es erst in drei Monaten. „Dann bleibt so ein gelber oder roter Stempel monatelang an einem haften“, benennt Maria Voll vom Hotel-Restaurant Elbschetal in Wetter das Problem, „bei einem roten Aufkleber kann man ja eigentlich direkt dicht machen.“

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