Corona

Herdecker Vater weist Verdunklungsvorwurf von sich

Nachdem es zu mehreren Corona-Fällen in der Friedrich-Harkort-Schule gekommen ist, weißt ein Vater nun Vorwürfe des Gesundheitsamts zurück, die Jugendlichen hätten Informationen vorenthalten.

Nachdem es zu mehreren Corona-Fällen in der Friedrich-Harkort-Schule gekommen ist, weißt ein Vater nun Vorwürfe des Gesundheitsamts zurück, die Jugendlichen hätten Informationen vorenthalten.

Foto: Steffen Gerber

Herdecke.  Das Gesundheitsamt hatte um mehr Mithilfe bei der Nachverfolgung gebeten. Ein Vater sagt, dass sei im Falle seines Sohnes nicht gewollt gewesen.

Mit ungläubigem Staunen hat ein Vater eines Corona-positiv getesteten Schülers der Friedrich-Harkort-Schule (FHS) in Herdecke auf die Meldung des Ennepe-Ruhr-Kreises reagiert, dass einige Jugendliche die Kontaktrückermittlung erschweren, weil sie verheimlichen würden, dass sie auf einer Feier gewesen seien. Sein Vorwurf: Das EN-Gesundheitsamt habe sich zunächst gar nicht dafür interessiert.

Zum Hintergrund: Der Schüler der FHS besuchte samstags eine private Feier eines Freundes. Dienstags fühlte er sich nicht ganz wohl, hatte leichtes Fieber. Die Eltern waren alarmiert, insbesondere da zum Haushalt auch eine Risikopatientin gehört. Sie meldeten sich direkt bei der Schule, erläuterten die Situation und ließen ihren Sohn testen. Das Ergebnis kam freitags – und es war positiv. „Dann überlegt man natürlich, welche Ansteckungsquellen es gegeben haben könnte“, schildert der Vater des betroffenen Schülers. „Mein Sohn war auf einer privaten Feier, das ist ja nicht verboten. Und er hatte an einem Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein teilgenommen“, erinnert er sich.

Beide Veranstaltungen wollten die Eltern dann auch telefonisch dem Gesundheitsamt mitteilen, aber: „Das interessierte die Dame gar nicht. Sie wollte nur wissen, welche Kontakte unser Sohn hatte, als die Infektion bei ihm ausbrach, nicht aber, welche Kontakte er vor der Symptomatik hatte“, berichtet der Vater.

Das betreffende Telefonat habe freitags stattgefunden. „Erst am Dienstag darauf hat sich ein anderer Mitarbeiter des Gesundheitsamts bei uns gemeldet und wollte wissen, ob mein Sohn denn auch bei dieser betreffenden Party gewesen sei und ob er eine Kontaktliste der Personen habe“, schildert der Vater. Die Liste hatte der Sohn nicht, deshalb verwies die Familie auf die Eltern des Gastgebers. Die waren an dem betreffenden Dienstag dann aber schon in den Urlaub abgereist.

Selbst aktiv geworden

Der Vater des betroffenen Schülers mache den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes auch keinen Vorwurf. Im Gegenteil: „Die haben momentan wirklich genug zu tun.“ Aber den Vorwurf, dass Schüler versuchten, ihre Teilnahme an Partys zu verschleiern, wolle er sich nicht gefallen lassen. „Wir sind aktiv tätig geworden und haben uns direkt an die Schule und das Gesundheitsamt gewendet. Wir haben von beiden Veranstaltungen berichtet, aber es hat sie zuerst überhaupt nicht interessiert“, stellt der Vater klar.

Rückblick: Der Ennepe-Ruhr-Kreis hatte in seiner Mitteilung zu den aktuellen Corona-Zahlen darauf hingewiesen, dass es zu unnötigen Verzögerungen bei der Kontaktpersonen-Nachverfolgung gekommen sei. Als Grund wurde genannt, dass betroffene Personen Feste oder Partys im privaten Bereich gänzlich verschwiegen oder diese Informationen erst Tage später nachgeliefert hätten. „Die Kreisverwaltung bittet die Bürgerinnen und Bürger daher eindringlich mit dem Gesundheitsamt des Kreises zusammen zu arbeiten, wenn man von einem Infektionsgeschehen unmittelbar oder als Kontaktperson betroffen ist“, hieß es weiter in der Mitteilung. „Feierlichkeiten im privaten Bereich sind laut Corona-Schutzverordnung des Landes nicht verboten. Werden sie allerdings verschwiegen, gefährdet man seine Mitmenschen und trägt im Ernstfall sogar dazu bei, dass sich das Virus unbemerkt weiter ausbreitet“, appelliert Krisenstabsleiter Michael Schäfer.

Mehrfach Probleme bei Recherche

Der Kreis hatte in seiner Nachricht keinen konkreten Fall genannt, um den es sich handelt. Da mehrere Schulen und mehrere Privatpersonen betroffen sind, war die Bitte des Gesundheitsamtes generell gemeint. Auf Nachfrage antwortete nun die zuständige Pressestelle: „Es ist in der Vergangenheit immer mal wieder vorgekommen, dass positiv getestete Personen im Gespräch mit dem Gesundheitsamt nur sukzessive und auf mehrfache Nachfrage hin Angaben zu ihren Kontakten und Aktivitäten gemacht haben. Dadurch wurde die Kontaktnachverfolgung deutlich erschwert und verzögert“, so Sprecherin Franziska Horsch. Da dieses Problem in den vergangenen Tagen wieder aufgetreten sei, habe die Kreisverwaltung das zum Anlass genommen, die Bürgerinnen und Bürger noch einmal eindringlich um Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt zu bitten.

„Grundsätzlich gilt: Je früher und umfassender die Kontakte genannt werden, desto schneller und effektiver kann das Infektionsgeschehen eingedämmt werden. Besonders hilfreich für die Arbeit des Gesundheitsamts ist es, wenn zusätzlich zu einem Namen auch die Adresse und vor allem Kontaktdaten angegeben werden“, erklärt Horsch.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben