Denkmal

Für das Koepchenwerk Herdecke gibt’s viele neue Perspektiven

Architektin Dr. Sabine Burggräf von der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur ist die Projektleiterin für das Koepchenwerk in Herdecke. In der Maschinenhalle sind künftig an zwei Stellen Konzerte oder Veranstaltungen (hinten am Rolltor oder in der Mitte) denkbar.

Architektin Dr. Sabine Burggräf von der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur ist die Projektleiterin für das Koepchenwerk in Herdecke. In der Maschinenhalle sind künftig an zwei Stellen Konzerte oder Veranstaltungen (hinten am Rolltor oder in der Mitte) denkbar.

Foto: Steffen Gerber

Herdecke.   Teil der Welterbe-Bewerbung: Am Koepchenwerk Herdecke soll es innen und außen Veranstaltungen wie Konzerte sowie ab dem Frühjahr Führungen geben.

Je weiter das Jahr voran-schreitet, desto konkreter werden die Pläne am Koepchenwerk. Die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur wartet als Eigentümerin zwar noch auf den Bescheid der Stadt Herdecke zur Nutzungsänderung, doch schon bald sollen Besucher die alte Anlage am Hengsteysee besichtigen können. Insgesamt, sagt Projektleiterin Dr. Sabine Burggräf, „bin ich sehr zufrieden, wie sich alles hier entwickelt“ und strahlt dabei.

Dabei betraten die 43-jährige Architektin wie auch ihr Arbeitgeber Neuland, als sie das Ensemble Ende 2016 von RWE übernahmen. Das historische Pumpspeicherkraftwerk mit dem Thema Wasser-Energiegewinnung nimmt bei der Industriedenkmalstiftung weiter einen Sonderplatz inmitten all der Zechen-Standorte ein. Erfreulich: Neben konkreten Aktivitäten in 2019 gibt es weitere Zukunftsperspektiven am Ufer des Hengsteysees. Die reichen bis zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027 und darüber hinaus, da das Koepchenwerk auch bei den Bemühungen um den Titel Unesco-Welterbe für die industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet eine Rolle spielt.

Maschinenhalle

Das Gebäude am Ufer steht in diesem Jahr im Zentrum der Aktivitäten. „Wir haben das Dach, die Fassade und Fenster nach Planungen des Architekturbüros Böll gesichert. Und zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht saniert. Das soll erst mittel- bis langfristig erfolgen“, betont Burggräf und blickt auf einige Stellen, die sich noch verschönern lassen. Der Stiftung ging es nach den ersten Aufräumarbeiten nicht um Optik, sondern um den Erhalt der Bausubstanz. Umso angenehmer, dass die Arbeiter im Auftrag der Denkmalschützer die alten Fensterscheiben weitgehend erhalten und deren Rahmen vor Ort reparieren konnten. Auch sonst sei fast alles noch im Originalzustand und ergo rund 90 Jahre alt. „Die Substanz der Fenster ist besser als gedacht, überwiegend mussten wir nur entrosten, neuen Korrosionsschutz auftragen oder an wenigen Stellen Profile austauschen.“

Voraussichtlich ab Frühjahr sollen sachkundige Führer Gruppen durch die Halle leiten und Gästen auch einen Blick von oben auf die vier Maschinensätze ermöglichen. Deren Zustand sei trotz des zuvor undichten Dachs (nach dem Rückbau komplett neu eingedeckt und wärmegedämmt) ebenfalls ordentlich. „Wir haben jetzt erst einmal fünf bis acht Jahre gewonnen, ehe die nächsten Schritte erfolgen sollten“, sagt die Architektin.

Sollten die Stadt und der Kreis zustimmen, will die Stiftung 2019 auf der Empore am Rolltor und in der Mitte der Maschinenhalle Veranstaltungen wie Konzerte für bis zu 199 Gäste ermöglichen. „Die Nutzungsänderung hat auch bauliche Konsequenzen bezüglich des Brandschutzes, der Fluchtwegesituation oder der notwendigen Infrastruktur wie Toilettenanlage und Parksituation“, sagt die 43-Jährige.

Außenanlage

Langfristig soll der Maschinenhallen-Zugang vom Weg am Ufer erfolgen (also nicht mehr am Haupteingang beim Pförtner). An der Fassade besserten Bauarbeiter den Putz aus, brachten neue Fensterbänke und Sicherungsgitter an. Der Zaun und das Netz sind weg. Auch die zwölf Koepchenwerk-Buchstaben sind gesichert, je nach Spendenaufkommen sollen auch diese bald repariert, vor Rost geschützt werden und wieder leuchten. „In Verbindung mit dem angestrahlten RWE-Schriftzug oben haben wir viele erfreuliche Rückmeldungen zur neuen Außenansicht erhalten“, so Stiftungs-Sprecherin Anna Gerhard.

Noch ein Ort ohne Dach gerät bald ins Visier: Zwischen den neuen Batterie-Containern von RWE und dem hinteren Tor der Maschinenhalle sollen Freiluft-Veranstaltungen wie Konzerte möglich werden (ebenfalls 199 Plätze). „Wir haben eine gute Partnerschaft mit RWE und geklärt, welche Betriebswege wichtig sind und wo Gäste hin können“, erläutert Burggräf.

RWE-Buchstaben und Rohre

So erfreulich der von 18 bis 8 Uhr beleuchtete RWE-Schriftzug oben am Hang ist, so sehr ärgern sich viele über die verbliebenen Schmierereien am darunter gelegenen Schieberhaus. Das will die Stiftung im Zuge weiterer Sanierungsschritte ertüchtigen, so dass dieser Makel noch einige Zeit bestehen bleibe.

Dazu blickt die Stiftung auf die sanierungsbedürftigen Rohre, neben denen die frühere Standseilbahn im nächsten Jahrzehnt sowohl Material als auch Besucher den Hang hinauf und hinunter befördern soll. Das soll vor der IGA klappen. Für all das hoffen die Verantwortlichen auf Fördergelder.

Viele weitere Ideen mit Partnern

Bei der Planung zur IGA 2027 soll das Koepchenwerk eine exponierte Rolle spielen und touristisch entwickelt werden. Federführend ist dabei die Stadt Herdecke. Es liegen bereits einige Nutzungsideen vor: Es gebe Gespräche über eine Gastronomie (denkbar als schwimmendes Café oder Restaurant direkt am Ufer) und ein Hotel, für das ein Architekturbüro in Essen bereits eine Skizze angefertigt hat. Ob das in der Maschinenhalle oder vor dem Hang im Trafohaus entstehen kann, ist derzeit ungewiss.

Zu klären ist auch noch, ob es eine direkte Schiffsanlegestelle an einem neuen Steg geben wird und wie die Parkplatz-Situation aussieht. Denkbar sind zu einem späteren Zeitpunkt auch Kombi-Führungen am alten Denkmal und mit Einblicken in den laufenden RWE-Betrieb. Zudem hofft die Stiftung, dass genügend Spenden (rund 60.000 Euro) zur Reparatur und Beleuchtung der zwölf Koepchenwerk-Buchstaben am Ufer zusammen kommen, worum sich auch in Herdecke die Arbeitsgemeinschaft um Regina Schrader kümmert.

„Pfund, mit dem sich wuchern lässt“

Sabine Burggräf betrachtet ihr berufliches Projekt längst als Herzensangelegenheit, da die Stiftung zudem bisher Termine, Kosten und Technik-Zusagen einhalten konnte. „Wir mussten das Denkmal erst kennenlernen und wollen es jetzt in Kooperation weiter entwickeln. Ich denke, dass Herdecke mit dem Koepchenwerk ein Pfund hat, mit dem sich wuchern lässt.“

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