Krankheit

Frau von krebskrankem Herdecker: Wollen Silberhochzeit zusammen feiern

Dietmar Zumvenne und seine Frau Birgit kämpfen weiter. Ihre Freunde stehen ihnen zur Seite. 

Dietmar Zumvenne und seine Frau Birgit kämpfen weiter. Ihre Freunde stehen ihnen zur Seite. 

Foto: Privat

Herdecke.   Beim Herdecker Dietmar Zumvenne hat der Krebs gestreut. Die Familie kämpft gegen die Schicksalsschläge – und hofft auf eine Immuntherapie.

Die Augen von Dietmar Zumvenne blitzen verschmitzt. „Ich habe immer gesagt, ich will 100 Jahre alt werden“, sagt der 51-Jährige. Eine Aussage, die so vielleicht viele Menschen treffen. Bei Zumvenne hat sie aber eine tiefere Bedeutung.

Der Herdecker ist schwer krank. Derzeit sitzt er im Rollstuhl, kann sich ohne Hilfsmittel jedoch nur mit viel Mühe aufrecht halten. Der Grund dafür sind Metastasen in der Wirbelsäule, die ihn querschnittsgelähmt in den Rollstuhl brachten. Nur ein Rückschlag in einer langen Reihe.

Tumor an der Gallenblase bei Vorsorgeuntersuchung entdeckt

Im März 2017 hatte sein Leidensweg angefangen. Eigentlich sollte nur seine Frau Birgit zur Vorsorgeuntersuchung. Sie hat die Diagnose Multiple Sklerose. „Mein letzter Schub ist zum Glück schon neun Jahre her“, berichtet sie. Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig, und daher beschloss sie, ihren Mann gleich mitzunehmen. Ein Glücksfall, wie sich herausstellte. Beim Ultraschall war seine Gallenblase nicht erkennbar. Die Urinprobe war dunkel verfärbt und ließ auch nichts Gutes hoffen.

So ließ der Hausarzt ihn direkt ins Krankenhaus einweisen. Diagnose: Gallengangstumor. Bösartig. Die Überlebenschance bei dieser Art von Krebs ist sehr gering. Schon eine Woche später musste Dietmar Zumvenne unters Messer. Der Tumor wurde entfernt, doch im Nachhinein gab es Komplikationen. Entzündungen im Bauchraum und Wasser in der Lunge. Drei Monate lang lag er im Krankenhaus, lange Zeit auf der Intensivstation. „Das war schon unglaublich. Er hat am Wochenende vor der Diagnose noch unsere Terrasse gepflastert. Er war also vollkommen fit“, erinnert sich seine Frau Birgit Zumvenne.

Familie kämpft gegen Schicksalsschläge

Fit sollte er auch wieder werden. Von Juni bis in den Spätherbst hinein half seine Frau ihm wieder auf die Beine. „Sie hat mich hier die Berge rauf und runter gescheucht“, sagt Zumvenne. Doch dann der nächste Schock. Der Krebs hatte gestreut. Metastasen in der Leber, in den Lymphknoten und in der Lunge, erstmals auch ein Verdacht auf Metastasen in der Wirbelsäule. Drei verschiedene Chemotherapien in vier Phasen folgten.

Doch nicht nur das Leid ihres Mannes nagte an Birgit Zumvenne. Zu allem Überfluss wurde bei ihrer Mutter während der Chemo ihres Mannes Darmkrebs im Endstadium diagnostiziert. „Vier Wochen blieben uns noch, dann mussten wir uns von ihr verabschieden“, sagt Birgit Zumvenne. Angst macht sich breit. Doch Zumvennes stehen wieder auf. Sie kämpfen weiter.

Entscheidung gegen eine weitere Operation

August 2018: Ihr Mann klagte über schwere Rückenschmerzen. Die Metastasen im Brustwirbel hatten den Nerv eingeklemmt, eine Querschnittslähmung drohte. Wieder eine Notoperation im Krankenhaus. Einen Monat später hatte sich Dietmar Zumvenne wieder aufgerappelt. „Ich konnte am Rollator schon wieder eine Runde hier um den Block gehen“, berichtet er stolz.

Durch die Hoffnung, dass es sichtbar wieder aufwärts gehe, traute er sich nun an die noch ausstehende Bestrahlung. Er machte einen Termin aus. Doch wieder kam es anders. „Er konnte plötzlich Sonntagabends nur noch schwer laufen. Mein Sohn und ich haben ihn quasi zur Toilette geschleppt“, erzählt Birgit Zumvenne.

Am nächsten Tag ging nichts mehr. „Ich habe Brust abwärts kein Gefühl mehr“, so Zumvenne, der seitdem im Rollstuhl sitzt. „Wir haben uns am Donnerstag gegen eine weitere OP entschieden. Im Zweifelsfall müssen wir eine Querschnittslähmung in Kauf nehmen“, sagt Dietmar Zumvenne. Der Grund, der dahinter steckt, ist ziemlich simpel. „Wenn ich dort operiert worden wäre, könnte ich jetzt keine komplette Bestrahlung bekommen. Die ist aber wichtig, um alle Metastasen zu erreichen“, erläutert er. „Wir müssen momentan aber immer überlegen, welchen Schritt machen wir als Nächstes“, sagt Birgit Zumvenne.

Hoffen auf teure Immuntherapie

Viel Hoffnung setzt das Ehepaar jetzt in eine Immuntherapie. Da könnten die Überlebenschancen von derzeit fünf auf 30 Prozent steigen. Doch so eine Therapie ist sehr teuer. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht, und alleine aufbringen kann die Familie das nicht. „Ich bin jetzt in Rente, weil mein Krankengeld ausgelaufen ist. Aber durch mein Studium und meine Selbstständigkeit ist eben noch nicht so viel in der Rentenkasse“, erläutert Dietmar Zumvenne das Dilemma. Auch seine Frau Birgit steckt seit Januar in einer Umschulung. Viel Geld kommt daher nicht in die Kasse.

Aber jammern oder aufgeben gibt es bei dem Ehepaar nicht. Sie versuchen nun, zu Forschungszwecken an einer Studie teilzunehmen. „Wir greifen momentan nach jedem Strohhalm. Schließlich wollen wir doch unsere Silberhochzeit zusammen feiern“, sagt Birgit Zumvenne und schaut ihren Mann liebevoll an. „Die Krankheit hat uns noch enger zusammengeschweißt. Ich kann mir ein Leben ohne meinen Mann gar nicht vorstellen.“ Die Silberhochzeit ist in vier Jahren.

Doch trotz der Hoffnung, gibt es auch Tage, an denen Zumvenne zweifelt und ihm dunklere Gedanken in den Sinn kommen. „Der Friedhof beispielsweise. Ich weiß nicht, wo ich beerdigt werden möchte. Eigentlich komme ich aus Unna, da habe ich aber nicht mehr viel mit zu tun. Mein Mittelpunkt ist hier in Herdecke. Andererseits kommt meine Frau aus Selm-Bork. Dort gibt es eine barrierefreie Eigentumswohnung ihrer Eltern, die für sie bestens geeignet wäre“, sagt Zumvenne.

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