Soziales

Der VCS in Herdecke eröffnet ein „Café Mitgefühl“

Barbara Degenhardt-Schumacher (links) und Monika Walder vom VCS im Kräutergarten des Urbanhauses in Ende.

Barbara Degenhardt-Schumacher (links) und Monika Walder vom VCS im Kräutergarten des Urbanhauses in Ende.

Foto: Klaus Görzel / WP

Herdecke.  In Herdecke geht es längst nicht allen Gold. Ein Projekt gegen Armut aller Art startet jetzt erst einmal mit Angeboten zum Wohlfühlen.

Die Herdecker haben es gut. Schöner Stadtkern, neues Stadtviertel am See, hoher Naherholungswert - und doch gibt es eine „nicht unrelevante Anzahl von Menschen, die erwerbstätig sind und trotzdem ihren Lebensunterhalt mit öffentlichen Hilfen aufstocken müssen, die nicht in familiären Strukturen aufgefangen sind und Hilfe und Orientierung benötigen.“ Barbara Degenhardt-Schumacher, Sozialarbeiterin beim Verein zur Förderung christlicher Sozialarbeit in Herdecke (VCS), kennt viele dieser Menschen. Sie freut sich, dass es jetzt ein neues Hilfsangebot gibt: Das „Café Mitgefühl“ des VCS ist am Start! Selbst wenn es nicht jeden Tag geöffnet hat, will das Café seinen „Gästen“ doch zahlreiche Offerten machen.

Der VCS knüpft an vorhandene Strukturen an, und er will neue Angebote machen. Für ein halbes Jahr wird dafür eine halbe Stelle vom Caritasverband in Paderborn finanziert. Das Geld stammt aus einem Sonderfonds für spezifisch armutsorientierte Dienste. Die machen durchaus Sinn: „Herdecke ist eine Stadt der Kontroversen -- auf der einen Seite der Ahlenberg mit hohem Wohlstand, auf der anderen Seite die Randgebiete“, heißt es in der Projektbeschreibung des VCS.

Ideen gegen die Vereinsamung

„Unser Ziel ist es, für Menschen, die von materieller sowie (psycho-)sozialer Armut betroffen sind, eine dauerhafte Anlaufstelle einzurichten“, heißt es beim VCS zum Hintergrund des Cafés. Ähnlich einer Beratungs- und Begegnungsstätte soll das Angebot sein. Dabei fängt es zunächst einmal mit Entspannung und Wohlfühlen an.

Sechs Veranstaltungen umfasst das Sommerferienprogramm, das morgen mit Qigong-Übungen startet. Getreu dem Motto „Tue Leib und Seele Gutes“ gibt es auch eine Bastelwerkstatt, einen Abend über die Vielfalt der Kräuter und Entspannungstraining. „Es gibt auch seelische Armut“, sagt Monika Walder, die gleich zwei Kurse beisteuert. Wohlfühlangebote für alle und alles sollen diese Armut lindern. Angenehme Gesprächsatmosphäre, persönliche Ansprache und vertraute Gesichter verspricht der VCS und will damit der Vereinsamung der Menschen entgegen wirken.

Hilfe vor dem Untergang in Unterlagen

Dem Verein geht es seit der Gründung vor mehr als 30 Jahren darum, Menschen in Kontakt zu bringen, Beziehungen zu stiften und so „Armut, Einsamkeit und Resignation entgegen zu wirken“, hat der VCS in Paderborn für sein Café Mitgefühl geworben. Der VCS schreibt den Namen etwas anders: Das Projekt „cafémitgefühl“ lässt unterschiedliche Betonungen zu und sich somit auch unterschiedlich inhaltlich füllen.

Ganz konkret ist das „Little Office“ Teil der Konzeption. „Ich erlebe es immer wieder, dass Menschen mit Taschen voller Schreiben zu mir kommen“, berichtet Barabara Degenhardt-Schumacher, seit Jahrzehnten Sozialarbeiterin beim VCS in Herdecke. Oft reicht schon die einfache Hilfe beim Sortieren. Ordner bereitstellen, die Unterlagen lochen -- und schon verlieren die Schreiben beispielsweise von der Familienkasse ihren Schrecken.

Nachschlag ist möglich

Viel mehr kann ein Angebot nicht in die Breite gehen: „Unser Angebot ist kostenlos, vertraulich, unabhängig von Alter, Familienstand, sozialer Schicht, Konfession und Staatsangehörigkeit“, steht in der Projektskizze. Und: „Wir wollen ermöglichen, dass Menschen vorurteilsfrei miteinander in Beziehung treten“.

Im Herbst gibt es vielleicht noch mal einen Nachschlag für ein weiteres halbes Jahr Förderung. An fehlenden Aufgaben in Herdecke wird es jedenfalls nicht liegen.

Tüftler fürs Repair-Café gesucht

Im AWO-Nachbarschaftstreff an der Breslauer Straße in Oberwengern gibt es bereits ein Repair-Café. Jeden Dienstag können PC-Besitzer zudem im Tintentoner-Fachmarkt an der Kaiserstraße in Alt-Wetter ihre Schätzchen von Manuel Schweer wieder fit machen lassen. Nun möchte der VCS auch in Herdecke ein Repair-Café etablieren.

Kaputte Toaster, schwergängige Rasierer, ein gerissenes Uhrarmband – die Liste möglicher Reparaturleistungen ist lang. Alle zwei Monate, so die Idee, soll das Repair-Café unter dem Dach des VCS seine Türen öffnen. Allein: Noch fehlen zwei bis drei passionierte Handwerker, die Gebrauchsgegenstände und Technik eine zweite Chance geben.

Anmeldungen im Urbanhaus

Wer also ein Händchen hat für Lötkolben, Schraubendreher, Lochzangen und vielen andere Werkzeuge mehr, sollte sich beim Verein zur Förderung Christlicher Sozialarbeit im Urbanhaus melden. Barbara Degenhardt-Schumacher nimmt unter 02330/7600 gerne ab.

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