Corona

Corona: Menschen auch im EN-Kreis essen anders

An der Kuh liegt es nicht, wenn abends in den Supermarktregalen die Milch knapp wird; es sind die haushaltsüblichen Kleinverpackungen, die fehlen.

An der Kuh liegt es nicht, wenn abends in den Supermarktregalen die Milch knapp wird; es sind die haushaltsüblichen Kleinverpackungen, die fehlen.

Foto: WLV / WP

Ennepe-Ruhr.  Landwirte und Ernährungswirtschaft stehen vor logistischen Herausforderungen. Verpackungsgrößen sind plötzlich ein Problem.

Die Corona-Krise führt zu deutlichen Veränderungen im Ernährungsverhalten der Menschen. Im Home-Office besucht man nicht die Kantine, die Mensa in der Schule oder Uni ist geschlossen, und auch der Restaurantbesuch am Wochenende fällt aktuell weg. Man isst und kocht zu Hause.

„Das bedeutet für die heimischen Landwirte und die verarbeitende Ernährungswirtschaft eine größere Anpassung als man denken mag“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ennepe-Ruhr/Hagen, Dirk Kalthaus. Seit Jahren stellen wir uns darauf ein, dass die Menschen zunehmend außer Haus essen und auch zu Hause gerne auf verarbeitete Ware zurückgreifen, nun erleben wir eine absolute Kehrtwende“, sagt Kalthaus. In vielen Bereichen seien Verpackungsgrößen das Problem.

Große Gebinde für die Gastronomie

Die Molkereien beispielsweise müssten von Großgebinden, die für die Gastronomie üblich seien, auf Kleinverpackungen für den Hausgebrauch umstellen. Wenn in den letzten Wochen abends in den Supermarktregalen Milch, Sahne oder Butter knapp geworden seien, läge das nicht an der Milch, sondern daran, dass die Kleinverpackungen häufig nicht verfügbar gewesen seien, erklärt Kalthaus. Im Fleischbereich sei der Absatz von Edelteilen besonders aus dem Rindfleischbereich nahezu zum Erliegen gekommen, so Kalthaus. Rindersteak oder Rinderfilet seien typische Produkte, die in Restaurants verzehrt würden. Günstigere Fleischprodukte hingegen, besonders aus dem Schweinefleischbereich, fänden aktuell an den Fleischtheken ihre Abnehmer.

Am Beispiel Kartoffeln, erläutert Kalthaus, werde ebenfalls das geänderte Essverhalten besonders deutlich: Bei Kartoffeln habe der Anteil verarbeiteter Produkte kontinuierlich zugenommen und sei inzwischen deutlich höher sei als der Absatz reiner Speisekartoffeln, die Rangliste führten die Pommes frites die an. Das sei allerdings der Stand vor der Corona-Krise gewesen. Jetzt würden Speisekartoffeln nachgefragt wie lange nicht mehr, aber der Pommes frites-Markt sei vollkommen zusammengebrochen. Einige Verarbeiter hätten die Produktion bereits eingestellt, was dazu führe, dass die Landwirte die hierfür angebauten Kartoffeln zum großen Teil nicht mehr verkaufen könnten.

Hofläden gut frequentiert

Einen guten Besuch könnten aktuell viele Hofläden verzeichnen, sagt der Landwirtevorsitzende. Auch Milchtankstellen, Eierautomaten oder Wochenmärkte würden gut frequentiert. „Scheinbar schätzen viele Menschen es aktuell, sich nicht in den Einkaufstrubel der Supermärkte stürzen zu müssen“, vermutet Kalthaus. „Häufig werden wir gefragt, ob denn auch in der Krise die Versorgung mit heimischen Nahrungsmitteln gesichert sei“, so Kalthaus. „Ja, das ist sie“, sagt der Landwirt. „Wir Bauern und Bäuerinnen tun alles, damit die Menschen mit den notwendigen Grundnahrungsmitteln versorgt sind.“

Wenn auch manchmal logistische Herausforderungen zu bewältigen seien, brauche sich keiner ernsthaft sorgen. Gerade jetzt in der Krise zeige sich, wie wichtig es sei, sich nicht zu sehr von Nahrungsmittelimporten abhängig zu machen.

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