Mobilität

Bürgerbusfahrer aus Wetter bewegen Menschen

Zehn Jahre Bürgerbus in Wetter: eine Erfolgsgeschichte, die sich nicht nur an Zahlen festmacht und auf die die Fahrer stolz sind.

Zehn Jahre Bürgerbus in Wetter: eine Erfolgsgeschichte, die sich nicht nur an Zahlen festmacht und auf die die Fahrer stolz sind.

Foto: Elisabeth Semme

Wetter.   Im Februar vor zehn Jahren ging der Bürgerbus erstmals auf Tour durch Wetter. Die Fahrer können so manche Geschichte erzählen.

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Der Bürgerbus bewegt Menschen, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Genau vor zehn Jahren lenkte Hans Rommel den Bürgerbus auf seiner ersten Tour durch die Harkortstadt. Gut kann sich der ehrenamtliche Fahrer noch an seinen – inzwischen verstorbenen – ersten Fahrgast erinnern: „Das war Erika Eggers vom Harkortberg. Die hatte von ihrem Sohn den Fahrplan bekommen und sich gleich notiert, wann sie Katzenfutter und Lebensmittel einkaufen muss.“ Gerd G. Michaelis, Vorsitzender des Bürgerbusvereins, kann das noch ergänzen: „Wenn sie sonntags Langeweile hatte, ist sie mit uns zum Krankenhaus und wieder zurück gefahren, an der Freiheit zum Eis essen ausgestiegen und danach mit dem Bus wieder nach Hause auf den Berg gefahren. Dann war der Sonntagnachmittag rum.“

Fürs Zwischenmenschliche

Viele solcher Geschichten können die ehrenamtlichen Fahrer erzählen; denn für manche Senioren sind sie die einzigen Ansprechpartner am Tag. „Du weißt entweder die Lebens- oder die Krankengeschichte“, sagt Hans Rommel. Jürgen Uebelgünn nickt: „Der Bürgerbus ist eine Sozialeinrichtung.“ Was auch am Beispiel von Florentine Tessler aus der Ardeystraße deutlich wird. „Sie wird jetzt 99, ist unser ältester Fahrgast und von Anfang an dabei. Inzwischen tragen wir ihr die Einkaufstaschen bis vor die Tür“, so Gerd Michaelis. Die betagte Dame betone immer wieder, dass sie ohne den Bürgerbus längst im Altenheim leben würde.

Bus als Kontaktstelle

Tatsächlich sind aber nicht nur die Fahrer Kontaktperson, auch der Bus bzw. die Busfahrten dienen immer wieder als Kontaktstelle für zwischenmenschliche Begegnungen. „Anfangs standen an der Haltestelle Ardeystraße immer mehrere Frauen, die sich seit Jahren nicht gesehen hatten. Durch den Bürgerbus haben sie wieder Kontakt geknüpft, haben ein Einkaufsclübchen gegründet und gehen oft nach dem Einkaufen noch zusammen Kaffee trinken“, weiß Gerd Michaelis. Inzwischen kümmerten sich die Frauen wieder umeinander, und falle auch sofort auf, wenn eine fehle: „Dann wird sofort angerufen.“

Und damit auch ältere oder behinderte Menschen, die auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen seien, den Bürgerbus-Service nutzen können, wurde der Bürgerbus vor zwei Jahren mit einem elektrischen Lifter ausgestattet, der die bis dato genutzte Rampe ersetzt hat. Dafür gab’s auch schon eine Auszeichnung. „Unser Bürgerbus ist als einziger in Deutschland für seine Behindertenfreundlichkeit ausgezeichnet worden“, so Michaelis, der stolz ist auf den NRW-Preis „Hut ab“. Der Bürgerbus bietet einem Rollstuhl(fahrer) sowie acht weiteren Fahrgästen Platz. Stehen darf man nicht.

Auch Grundschüler fahren mit

Das gilt nicht nur für alte und behinderte Menschen, sondern auc für Kinder, die seit kurzem ebenfalls gern in den Bus einsteigen. „Das sind Erstklässlerinnen von der katholischen Grundschule, die nicht von ihren Mamas abgeholt werden wollen. Die nehmen wir jetzt mittags mit hinauf zum Harkortberg“, erzählen die Fahrer. Gemeinsam haben sie daraufhin beschlossen, eine Schüler-Zehnerkarte für acht Euro anzubieten.

Übrigens: Die Bürgerbusfahrer haben sich sogar als Arbeitsvermittler bewährt. Einer jungen Frau war ein Job wegen mangelnder Fahrpraxis verwehrt worden. Nach einiger Zeit als ehrenamtliche Fahrerin des Bürgerbusses bekam sie nicht nur diesen Job, sondern auch noch eine Förderung durch das Arbeitsamt. Danach verabschiedete sie sich aus der Arbeitslosigkeit, weil sie eine Anstellung bei einem heimischen Busunternehmen bekam.

Was die Ehrenamtlichen, die seit zehn Jahren Menschen in Wetter bewegen, sich für die Zukunft wünschen? Ganz einfach: mehr Fahrer!

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