Gericht

Ausflügler kassiert Anzeige nach Waldspaziergang in Herdecke

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Der Wald steht zur Erholung allen Bürgerinnen und Bürgern offen. Einschränkungen privater Flächen müssen mit der Forstbehörde abgesprochen sein.

Der Wald steht zur Erholung allen Bürgerinnen und Bürgern offen. Einschränkungen privater Flächen müssen mit der Forstbehörde abgesprochen sein.

Foto: Oliver Müller / FUNKE Foto Services

Herdeck.  Weil er einen Privatwald betrat, zeigte dessen Besitzer einen Mann aus Bielefeld an. Vor Gericht stellte sich die rechtliche Lage anders dar.

Ein Ausflug nach Herdecke brachte einem Mann aus Bielefeld reichlich Ärger ein. Der 42-Jährige betrat ein fremdes Waldgrundstück, und der Besitzer zeigte ihn anschließend wegen Hausfriedensbruchs an. Nun beschäftigte der Fall die heimische Justiz – Überraschungen inklusive.

Komplett umzäunt

Laut Anklage drang der Besucher an einem Nachmittag Mitte Juni auf das Privatgrundstück ein. Das Areal war komplett umzäunt, es gab ein Tor und darüber befand sich ein Schild mit der Aufschrift „Betreten verboten“. Und damit, so zumindest die Auffassung des Eigentümers, machte sich der Bielefelder strafbar. Kurz darauf wurde dem „Eindringling“ ein Strafbefehl zugestellt. Er sollte 25 Tagessätze à 30 Euro Geldstrafe zahlen. Er legte Einspruch ein.

Über einen Zaun geklettert

Nun saß der 42-Jährige im Amtsgericht Wetter auf der Anklagebank und dachte gar nicht daran, das Ganze in Abrede zu stellen. Ganz offen berichtete er, das Gelände mit mehreren Personen betreten zu haben. Sie seien über einen Zaun geklettert und nicht durch das Tor gegangen. Auch hätten sie den Besitzer getroffen, hätten etwas Smalltalk gemacht. Und dann habe der die Polizei gerufen. Er habe dort Spazierengehen und sich von einer Felswand abseilen wollen. Seiner Auffassung nach habe er sich damit nicht strafbar gemacht, weil er nicht gewusst habe, dass er das Grundstück nicht betreten durfte.

So weit, so harmlos. Doch das, was der Angeklagte dem Gericht bereits passend zu seinem Einspruch gegen den Strafbefehl übersandte und was nun in das Verfahren eingeführt wurde, sorgte für einen echten Aha-Moment.

Bundeswaldgesetz

Es handelte es sich um eine Vorschrift aus dem Bundeswaldgesetz: „Das Betreten des Waldes ist zum Zwecke der Erholung gestattet.“ Passend dazu ein Auszug aus dem Landesforstgesetz NRW: „Der Waldbesitzer kann den Zutritt zu bestimmten Waldflächen ausschließen, untersagen oder zeitlich beschränken. Es bedarf hierzu der vorherigen Genehmigung der Forstbehörde, und ist eine Waldfläche ohne Genehmigung gesperrt, so kann die Forstbehörde die Beseitigung der Sperre anordnen.“ Dazu eine Mail, die offenbar von der Forstbehörde stammte. Inhalt: Es sei nichts von einer Sperrung bekannt, und es sei auch keine Genehmigung erteilt worden.

Keine Genehmigung

Tatsächlich erklärte der Eigentümer in dem Kontext im Zeugenstand, dass er den bereits vorhandenen Zaun um das Grundstück, das er erst seit etwa zwei Jahren besitze, höher gezogen habe. Das habe er zwar der Stadt Herdecke mitgeteilt, aber eine Genehmigung des Forstamtes habe er nicht gehabt.

Nun hätte Richter Niklas Wille eine Auskunft der zuständigen Forstbehörde einholen können, ob das Gelände umzäunt sein und der Waldbesitzer den Zutritt verweigern durfte. Aber selbst wenn das der Fall sei, so Wille, sei das Verschulden des Angeklagten gering. Aus dem Grund wurde das Verfahren schließlich eingestellt – ohne Auflagen.

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