Tourismus

Woher kommen plötzlich 225 neue Gästebetten?

Gut Holmecke in Ihmert

Gut Holmecke in Ihmert

Foto: Ralf Engel

Hemer.   Die Tourismus-Statistik des Landes sorgt für Verwirrung. Hemers Unterkünfte sind online Mangelware.

Mit 624 Gästebetten hat Hemer die Nachbarstadt Iserlohn überholt, steht mit 55 668 Übernachtungen im vergangenen Jahr nach Lüdenscheid und Iserlohn auf Rang 3 im Märkischen Kreis: Diese Zahlen liefert die neue Tourismusstatistik des Landes. Doch das Rekordergebnis sorgt für einige Verwirrung. Mehr Hotelbetten als Iserlohn? Ein boomender Tourismus am Sauerlandpark? Die amtlichen Zahlen werfen viele Fragen auf, denn mit Hotels ist Hemer alles andere als gut bestückt.

Der genauere Blick hinter die Zahlen gestaltet sich schwierig. Für Hemer listet das städtische Gastgeberverzeichnis 29 Betriebe auf. Davon bietet der Großteil einzelne Ferienwohnungen. Die Statistik des Landesamtes verzeichnet seit Jahren konstant neun Betriebe mit mehr als zehn Betten. Bislang waren es 399 Betten, 2017 plötzlich 624. Schon diese Zahlen sind rätselhaft. Mehr als zehn Betten bieten das DVG-Hotel Garni Sauerland, das Hotel am Löhrberg, das Hotel von der Heyde, das Hotel Akropolis, das Gästehaus Sassenscheid, die Pension Keiner und das Waldhaus Riemke. Woher kommen die restlichen Betten?

Kurklinik verzeichnet allein über 50 000 Übernachtungen

Wegen des Datenschutzes schlüsselt das Landesamt die einzelnen meldepflichtigen Betriebe für die Städte nicht weiter auf, bestätigte aber bereits 2015 auf Anfrage, dass auch die Kurklinik Gut Holmecke mit berücksichtigt wird. Die Kurklinik bietet 165 Betten im Kurbetrieb und hatte 2017 über 50 000 Kur-Bettentage. Diese Zahlen sind auch an den Landesbetrieb gemeldet worden. Die Statistiker hatten im vergangenen Jahr aber nochmals die Genehmigung zur Datenerfassung eingeholt. Wurden die Betten der Kurklinik daher für 2017 doppelt erfasst? Dass die Kuren mitzählen, verdeutlicht auch die mittlere Aufenthaltsdauer. Mit 7,1 Tagen erreicht Hemer Werte von Kurorten.

624 Betten für Hemer seien in jedem Fall falsch, bestätigt Martin Hofmann vom Kulturbüro, das auch für die Touristik zuständig ist. Bislang ist es ihm nicht gelungen, die Abweichungen mit dem Landesbetrieb zu klären. Bis auf Ferienwohnungen seien nämlich keine Betten in Hemer hinzugekommen.

Nur vermutet werden kann, dass auch zumindest eines der weiteren Gästehäuser wie das CVJM-Heim an der Friedensstraße oder das Zinzendorfhaus erfasst wird. Nicht vergessen werden dürfen die 20 Campingstellplätze (Wohnmobilstellplatz an der Hönnetalstraße), die die Urlaubsmöglichkeiten in Hemer komplettieren.

Buchungsportale kennen keine Hemeraner Hotels

Unterkünfte in der Felsenmeerstadt zu finden, ist alles andere als einfach, per Internet so gut wie unmöglich. Die großen Buchungsportale HRS oder Hotel.de verweisen gleich auf Hotels rund um Hemer. Bei Booking.com sind neuerdings immerhin Ferienwohnungen auf dem Stübecken zu finden. Tripadvisor nennt das Hotel von der Heyde. Über Sauerland Tourismus ist keine einzige Hemeraner Unterkunft online buchbar. Von den 29 Betrieben auf der Internetseite der Stadt haben nicht einmal alle eine eigene Website, über die sich Interessierte näher informieren könnten.

Wie notwendig Onlinebuchungen und Internetauftritte sind, belegen aktuelle Studien. Immer weniger Betten werden per Telefon oder Email gebucht. Fast 70 Prozent der Hotelbuchungen werden mittlerweile über Online-Kanäle getätigt, so ein Ergebnis einer Studie des Internationalen Hotelmanagements am SRH Hochschulcampus Dresden. „Es gibt klare Statistiken, wer online ist, wird als erster gebucht“, wirbt Martin Hofmann für mehr Onlinepräsenz der heimischen Herbergen. Für die Qualitätsstandards müssten die Gastgeber mehr sensibilisiert werden.

Die private Konkurrenz ist da schon einen digitalen Schritt weiter. Im Buchungsportal Airbnb sind acht Unterkünfte gelistet. Sie reichen vom Dachgeschosszimmer für 16 Euro die Nacht bis zur großen Gästewohnung für 149 Euro. Alles ist per Mausklick schnell buchbar.

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