Ganztag

Neue Flexibilität wirft ganz viele Fragen auf

Zu den Aufgaben der Offenen Ganztagsschulen gehört wie hier in der Frogs der Freiherr-vom-Stein-Schule auch die Hausaufgabenbetreuung

Foto: Ralf Engel

Zu den Aufgaben der Offenen Ganztagsschulen gehört wie hier in der Frogs der Freiherr-vom-Stein-Schule auch die Hausaufgabenbetreuung Foto: Ralf Engel

Hemer.   Kinder können jetzt von der offenen Ganztagsschule befreit werden. Die OGS suchen am 13. März eine Lösung.

Eltern und Vereine haben die Flexibilität lange gefordert: Jetzt ist sie da und doch wieder nicht. Ein neuer Schulerlass für die offenen Ganztagsschulen (OGS) soll Eltern ermöglichen, ihr Kind auch während der festgelegten Betreuungszeiten für die Musikschule oder den Sportverein zu befreien. Was sich nach einer sofortigen und unbürokratischen Lösung anhört, wirft aktuell jede Menge Fragen auf. „Wir müssen erst genau schauen, was die Änderung bedeutet“, verweist Erich Reinke, Leiter des evangelischen Jugendreferats, auf eine große Sitzung aller OGS-Leitungen, Schulleitungen sowie des Schul- und Jugendreferats am 13. März. Bis zu einer Neuregelung bleibt es bei der verpflichtenden Teilnahme.

Befreiung von der Pflichtteilnahme möglich

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte am 19. Februar einen neuen Schulerlass für die offenen Ganztagsschulen in Kraft gesetzt. Bislang mussten Schüler in offenen Ganztagsschulen an fünf Tagen in der Woche bis 16 Uhr anwesend sein. Durch den neuen Erlass haben Eltern „ab sofort“ – so die Ministerin – die Möglichkeit, ihre Kinder während der Zeiten des offenen Ganztags an Aktivitäten in Sportvereinen, Musikschulen oder familiären Veranstaltungen teilnehmen zu lassen.

Schulministerin Yvonne Gebauer betonte, dass der Erlass nun Klarheit und Rechtssicherheit für Eltern sowie für Schulen, Kommunen und Träger des offenen Ganztags schaffe. „Die im vergangenen Dezember angekündigte und nun in Kraft getretene Ergänzung des Erlasses sorgt für mehr Flexibilität im Ganztag. Es galt, eine gute Balance zu finden, zwischen dem Bedürfnis der Eltern, mehr Raum für Aktivitäten für und mit ihren Kinder zu haben, und dem Anspruch der Träger auf Verlässlichkeit und Kontinuität, um auch die Qualität der Angebote wahren zu können.“

Für die Teilnahme der Schüler an außerschulischen Bildungsangeboten, ehrenamtliche Tätigkeiten, Therapien und gelegentlich stattfindende Familienfeiern sind Kinder von den Trägern dann also freizugeben. Zuletzt hatte es darum immer wieder Streit gegeben, in den Kommunen wurde die Praxis sehr unterschiedlich gehandhabt.

In Hemer stehen bis auf die OGS Diesterwegschule alle offenen Ganztagsschulen unter der Trägerschaft des evangelischen Jugendreferats. Die über 200 Kinder in der Deilinghofer Schule, der Ihmerter Schule, Brabeckschule, Woesteschule und Freiherr-vom-Stein-Schule sind bislang vertraglich an die Zeiten gebunden. Verstärkte Nachfragen für eine Befreiung gebe es aktuell nicht. Wie die künftige Freistellung erfolgt, soll am 13. März konkretisiert werden. „Jeder liest das Gesetz anders“, sieht Erich Reinke viele offene Fragen. Die große Runde werde bei der Klärung helfen. Je nach Resonanz wirke sich die Abwesenheit von Kindern auch auf die OGS-Angebote und Arbeitsgemeinschaften aus. Bis zum 1. April rechnet das Jugendreferat mit einer verbindlichen Klärung.

Sportvereine, Kirchen und auch Musikschulen hatten die Teilnahmeverpflichtung häufig kritisiert, weil Kinder dadurch nicht an Nachmittagsangeboten teilnehmen könnten. „In einzelnen Fällen konnten Musikschüler die OGS nicht verlassen“, berichtet Musikschulleiter Martin Niedzwiecki. In der vergangenen Woche Woche habe er noch einen Fall gehabt, wo kurzfristig eine doppelte Unterrichtsstunde angeboten werden konnte, der Schüler aber die OGS nicht verlassen durfte. Vieles habe sich in späte Nachmittagsstunden verschoben. „Ich fände es schön, wenn Kinder wieder selbstbestimmt, wenn sie Zeit und Lust haben, kommen können“, sagt Niedzwiecki.

FDP sieht Vorteile auch für heimische Vereine

Die neue Regelung wird auch vom FDP-Fraktionsvorsitzenden Arne Hermann Stopsack begrüßt: „Es ist ein Anliegen vieler Familien, dass Kinder neben der Ganztagsschule auch an anderen Bildungsangeboten teilnehmen können. Das haben wir auch vor Ort in vielen persönlichen Gesprächen erfahren. Die Ministerin hat diesen Wunsch aufgegriffen und den Eltern so die Möglichkeit gegeben, die Aktivitäten mit und für ihre Kinder individuell zu planen. So ist auch die Teilnahme am außerschulischen Vereinsleben für die Kinder zeitlich wieder besser möglich. Davon werden die Vereine in Hemer profitieren“.

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