Angeklagter fuhr ungewöhnliche Ziele an

Archivbild Gericht.

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Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Hemer.  Der Angeklagte aus Hemer wurde oberserviert und soll dennoch Frauen sexuell missbraucht haben. Am Landgericht ging das Verfahren weiter.

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Obwohl er observiert worden ist, soll ein 43-jähriger Hemeraner nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie zahlreiche Fälle von Exhibitionismus sowie sexuelle Belästigung und Missbrauch von Frauen in Hemer und Iserlohn begangen haben. Vor dem Landgericht ist sein Prozess fortgesetzt worden.

Ein weiteres Indiz für merkwürdige nächtliche Aktivitäten des Angeklagten lieferten zwei Polizeibeamte bei ihrer Vernehmung im Landgericht. Ihren Angaben zufolge wurde der 43-jährige nach seiner Entlassung aus einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus monatelang von ihnen observiert. Um seine Spur nicht zu verlieren, hatten sie sein Auto sogar mit einem GPS-Sender gespickt, der Positionsmeldungen lieferte.

Aus dieser nicht lückenlos, aber an vielen Tagen durchgeführten Beobachtung ergaben sich rund 50 Observationsberichte. „Er ist viel in der Nacht mit seinem Auto rumgefahren - in Hemer, Iserlohn und Hagen“, berichtete einer der Beamten. Auf seinen nächtlichen Touren habe der 43-Jährige auch ungewöhnliche Ziele wie Krankenhäuser und Seniorenheime angesteuert. Deren Auswahl setzten die Beamten in Beziehung zu den gravierendsten Tatvorwürfen: Übergriffe in einem Krankenhaus und in einem Seniorenheim. Die Beamten beobachteten auch ein Interesse des Angeklagten an Gebäuden mit Terrassen und Balkonen. Laut Anklage wählte der Angeklagte wiederholt solche Orte aus, um sich vor Frauen zu entblößen. Seine von den Beamten dokumentierte, scheinbar rastlose Suche nach Orten für seine „Auftritte“ deutet auf eine gewisse Zufälligkeit in der Auswahl von Balkonen und Terrassen in Hemer hin.

Die Beamten verzichteten allerdings weitgehend auf eine persönliche Verfolgung des Angeklagten: Sie stellten aufgrund der Positionsmeldungen ihres in seinem Auto angebrachten Senders nachträglich fest, ob er sich an typischen Örtlichkeiten aufgehalten hatte. Die Chance, ihn möglicherweise in flagranti zu erwischen, war dadurch nicht gegeben: „Wir haben nie so einen Besuch direkt beobachtet“, erklärte einer der Beamten. Sein Kollege bestätigte, dass es keinen direkten Abgleich der Observationsdaten mit angezeigten Taten gegeben habe. „Er war auffällig unterwegs, hatte eine langsame Fahrweise und hat oft angehalten. Manchmal hat er gewendet und ist zu bestimmten Orten zurückgekehrt“, erinnerte sich der Zeuge im Gerichtssaal.

Der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz gab bekannt, dass die 1. große Strafkammer die Beweismittel in einigen der insgesamt 40 staatsanwaltlich erfassten Fälle von Exhibitionismus und sexueller Belästigung für nicht ausreichend hält. Es handelt sich dabei um Fälle, die zwar dem unterstellten Tatmuster des Angeklagten folgen. Die davon betroffenen Frauen konnten aber keine Angaben zu dem von ihnen beobachteten Täter machen. Man könne dem Angeklagten nicht pauschal alle ähnlich gelagerten Taten zuschreiben, die zwischen seiner Entlassung und seiner erneuten Festnahme lagen.

Es bleiben allerdings noch einige Taten mit einem dringenden Tatverdacht übrig. Erhebliche Bedeutung kommt nun dem psychologischen Gutachten über den 43-jährigen Mann aus Hemer zu, das der Gutachter vortragen wird.

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