Wirtschaft

Insolvente Gießerei Küpper beendet Heiligenhauser Produktion

Eisenfahrer Uwe Dorschel füllt in der insolventen Gießerei Küpper flüssiges Eisen in die Gießmaschine. Am Mittwoch stellt die Firma ihre Produktion ein.

Eisenfahrer Uwe Dorschel füllt in der insolventen Gießerei Küpper flüssiges Eisen in die Gießmaschine. Am Mittwoch stellt die Firma ihre Produktion ein.

Foto: Ulrich Bangert

Heiligenhaus.   Die insolvente Gießerei Küpper beendet nun endgültig ihre Produktion. Es fand sich kein Investor. 200 Mitarbeiter sind von Schließung betroffen.

„Wir sind schneller fertig geworden, als wir dachten“, war Fertigungsleiter Matthias Dilk überrascht: Die am Wochenende erwartete Geruchsbelästigung beim Automobilzulieferer Küpper Metallverarbeitung Heiligenhaus GmbH ist weitgehend ausgeblieben, aber die Menschen in der Oberilp bekamen doch ein Näschen voll mit. Das insolvente Unternehmen beendet seine Produktion – und füllte als eine der letzten Vorbereitungen auf das Ende eine stinkende Chemikalie zum Abtransport in Stahlfässer.

In der Gießerei an der Grubenstraße wurden bislang gasförmige Amine bei der Herstellung von Sandkernen genutzt, die wiederum in der Automobilindustrie weiterverarbeitet werden. Dieses Gas werden die Heiligenhauser in Zukunft nicht mehr riechen: Wenn in dieser Woche bei Küpper die Produktion ausläuft, ist das Kapitel der großen Eisengießereien in Heiligenhaus beendet.

Daher wurde die Chemikalie in 200 Stahlfässern gesammelt und entsorgt. Zudem ist Kernfertigung von der zentralen Aminversorgung seit Samstag getrennt. An diesem Dienstag werden die Sandkerne weiterverarbeitet, es entstehen zum letzten Mal Abgaskrümmer und Turboladergehäuse für die Motoren vieler Automobilhersteller.

Öfen sind ein letztes Mal eingeschaltet

Betriebsschlosser Dieter Hochberger zeigt auf ein fertiges Gussteil: „Hier sind Turbolader und Abgaskrümmer in einem Stück, das war eine Spezialität von uns.“ Nur noch bis Mittwoch werden dafür die Netzfrequenztiegelöfen eingeschaltet. Sie funktionieren grob wie Induktionsherde: Starke magnetische Spulen lassen Hackschrott, Eisen, Nickel, Titan und Ferromolybdän schmelzen.

Rund 200 Mitarbeiter müssen sich einen neuen Job suchen

„Die Schließung der Firma ist eine Folge der Dieselkrise“, sagt Matthias Dilk. „Wir haben eine Kapazität von 1,8 Millionen Teilen im Jahr, zuletzt lag der Lieferabruf bei 800.000.“ Wie die rund 200 anderen Mitarbeiter kann sich der Fertigungsleiter einen neuen Job suchen. Der 30-Jährige ist per Zufall an die Gießereitechnik gekommen. „Ich habe Feinmechanik gelernt, dann Maschinenbau studiert, durch meine Abschlussarbeit bin ich zur Firma Küpper gekommen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich geblieben bin. Für jeden, der ein bisschen Schmutz nicht scheut, ist das ein unglaublich interessanter Job.“

Dem kann sich Insolvenzverwalter Dominik Scholl nur anschließen. „Es ist eine große Schande, dass hier alles aus ist. Der Großteil der Mitarbeiter war 30 bis 40 Jahre in dem Betrieb. Bis zuletzt hat die Mannschaft mit Herzblut gearbeitet und Qualität produziert.“ Der Betriebswirt habe sich intensiv für eine Übernahme durch eine andere Firma eingesetzt – vergeblich. Nun sollen die Maschinen abgebaut und verkauft werden. Gearbeitet wird aber noch bis in den Juli hinein, weil Werkstücke in der Schleiferei nachbearbeitet werden.

Gemeinsames Grillen zum Abschied

Mittwochvormittag wird dann bei Küpper zum letzten Mal das glühende Material in die Gießmaschine eingefüllt. Der 50 Tonnen fassenden Warmhalteofen wird geleert – das war´s. Anschließend kommen die Mitarbeiter bei einem gemeinsamen Grillen noch einmal zusammen – es wird bestimmt keine fröhliche Fete.

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