Gehölzpflege

Warum der Landesbetrieb zurzeit Bäume in Hattingen fällt

Gehölzpflege von Straßen NRW: Unser BIld zeigt eine Maßnahme an der Isenbergstraße im vergangenen Juli.

Gehölzpflege von Straßen NRW: Unser BIld zeigt eine Maßnahme an der Isenbergstraße im vergangenen Juli.

Foto: Fischer / Funke Foto Services GmbH

Hattingen.  Gehölzpflege an der Wittener Straße zwischen Hattingen und Hammertal: Ein Experte erklärt, warum Straßen NRW zurzeit in die Natur eingreift.

Der Landesbetrieb Straßen NRW hat die Gehölzpflege in Angriff genommen. Was das hervorruft: Ärger! Naturschützer sind auf den Plan gerufen, weil sie die Notwendigkeit in Zweifel ziehen, andere sprechen von reinem „Kahlschlag“ – und Verkehrsteilnehmer stören die Beeinträchtigungen im Verkehrsfluss.

Dem versucht der Landesbetrieb nun entgegenzuwirken und lässt seinen Baumkontrolleur Sven Kott­sieper die Maßnahmen etwa an der Wittener Straße zwischen Hattingen und dem Hammertal erklären. Für den Fachmann geht es vor allem um zwei Dinge: die Beseitigung von Gefahren und um einen möglichst nachhaltigen Eingriff in die Natur.

Zwei umgerüstete Lkw, jeder mit einem Drei-Finger-Greifer versehen, waren jüngst an der Wittener Straße aktiv – einer schneidet die Bäume und legt die Äste zielgenau an der Böschung ab; der andere sammelt das Gehölz auf und verfrachtet es in einen Schredder. Was heikel ist: Denn die Bäume dürfen auf keinen Fall auf die Straße fallen, weil der Verkehr einspurig weiterfließt.

Von Hand müssten drei Leute zwei Tage lang arbeiten

Sven Kottsieper beobachtet die Maßnahme genau. „Eigentlich müssten wir die Straße hier sperren. Doch das Verkehrsaufkommen ist so hoch, dass wir den Verkehr zumindest auf einer Spur aufrecht erhalten. Würden wir die Arbeiten von Hand erledigen, müssten drei Leute zwei Tage lang arbeiten. Mit den Maschinen geht es deutlich schneller.“

Er hat sich jeden einzelnen Baum in angesehen, hat festgelegt, was genau getan werden muss. Welcher Baum ist krank, welcher gesund? Welcher könnte zur Gefahr für Verkehrsteilnehmer werden? „Probleme bereitet seit etwa zwei Jahren vor allem die Esche“, so Kottsieper. Ein kleiner weißer Pilz, das Falsche Weiße Stengelbecherchen, setzt dem Laubbaum massiv zu. Hinzu kommt das sich verändernde Klima. Einen Baum zu fällen, sei keine leichte Entscheidung. Der Experte kontrolliert die Bäume von den Wurzelläufen bis zu den Ästen der Krone, nimmt die Rindenstruktur unter die Lupe.

Kottsieper zeigt auf einen der gefällten Bäume: Der Stamm ist hohl, die Wurzeln kaum noch vorhanden, aufgelöst durch den Pilz. Lange hätte dieser Baum nicht mehr auf der steilen Böschung gestanden – und wäre damit zu einer Gefahr für die Verkehrsteilnehmer geworden.

Diskussionen mit Umweltschützern über Maßnahmen

„Ich diskutiere häufig mit Umweltschützern, die uns bei der Arbeit ansprechen“, so Kottsieper. Gerade die Anwohner kennen die Bäume in der Nachbarschaft genau. Jeder einzelne, der fehlt, fällt ihnen sofort auf. „Ich tausche gerne Argumente aus. Ich erkläre dann, dass wir es nicht riskieren können, dass Bäume umstürzen und Menschen verletzt werden. Dafür gibt es die Gesetze zur Verkehrssicherheit.“

An der Wittener Straße geht es weiter. Hinten werden Äste geschreddert, vorne die nächsten Bäume bearbeitet. Kottsieper blickt auf sein Laptop, jeder Baum ist hier auf einer Karte markiert, die Straßen, für die der Landesbetrieb zuständig ist, sind ebenfalls gekennzeichnet. Auch die Bäume der Anwohner hat Kottsieper im Blick. „Hier haben wir aber nur eine Hinweispflicht. Verantwortlich sind die Anrainer selbst. Wenn allerdings ein Baum zur Gefahr wird, sind wir verpflichtet einzugreifen.“

Arbeiten sind nach zwei Stunden abgeschlossen

Als die Arbeiten nach zwei Stunden abgeschlossen sind, überprüft Sven Kottsieper den Bereich noch einmal. „Hier mussten wir einiges wegschneiden“, erklärt er. „Doch das dient nicht nur der Verkehrssicherheit. Die Kirsche dort hat nun deutlich mehr Platz und kann sich besser entfalten als zuvor.“

Sicherer für die Verkehrsteilnehmer - gesünder und nachhaltiger für Bäume und Pflanzen. Kottsieper: „Man kann das im Nachhinein gut erkennen: Die Bäume, die wir im vergangenen Jahr bearbeitet haben, sehen heute gut aus. Das ist das Ziel unserer Arbeit.“

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