Gericht

Strick um den Hals: 29-Jähriger gesteht brutalen Taxi-Raub

In der Nacht wurde dem Taxifahrer im Hattinger Felderbachtal plötzlich eine Schlinge um den Hals gelegt.

In der Nacht wurde dem Taxifahrer im Hattinger Felderbachtal plötzlich eine Schlinge um den Hals gelegt.

Foto: Lino Mirgeler

Hattingen.   Am Landgericht Essen hat der Prozess um einen Taxi-Überfall im Felderbachtal in Hattingen begonnen. Ein Angeklagter lieferte ein Geständnis.

Mit einem Geständnis hat am Landgericht Essen der Prozess um einen brutalen Taxi-Überfall im Felderbachtal begonnen. Mehr als 15 Monate sind seit dem Vorfall vergangen. Zwei der drei Angeklagten sitzen zurzeit wegen anderer Straftaten in Haft beziehungsweise in einer geschlossenen Therapieeinrichtung. Der dritte ist dagegen von der Untersuchungshaft verschont, weil er sofort nach seiner Festnahme umfassend ausgesagt hatte. Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen Beihilfe angeklagt.

Laut Anklage stieg das Trio in der Nacht auf den 12. November 2017 in Wuppertal ins Taxi des späteren Opfers. Anschließend sollen die Männer den Fahrer lange durch die Gegend geschickt haben, ehe es im Felderbachtal hieß: „Wir steigen aus.“ Urplötzlich soll dann aber der Täter, der hinter dem Fahrer saß, eine Schlinge um dessen Hals gelegt und geflüstert haben: „So, mein Freund, jetzt bist du erledigt.“

Taxifahrer mit einem Messer bedroht

Danach ging offenbar alles ganz schnell: Der zweite Mann auf der Rückbank zückte laut Anklage ein Messer und bedrohte den Fahrer damit. Der Angeklagte auf dem Beifahrersitz soll von seinen Komplizen aufgefordert worden sein, die Hände des Taxifahrers zu fixieren. Mit der Geldbörse und 200 Euro in bar gelangen zweien der drei Männer dann die Flucht.

Der dritte saß dagegen noch im Auto, als der Taxifahrer losfuhr. Er soll deshalb weiter an der Schlinge gezogen haben – so lange, bis das Taxi einen Unfall hatte und auch der dritte Täter fliehen konnte.

Überfall unter Einfluss von Alkohol und Drogen

Gleich zu Prozessbeginn stellte der Mann vom Beifahrersitz klar: „Ich kann mich noch sehr gut an den Abend erinnern. Das alles ist so gewesen.“ Er habe den Tag mit den Mitangeklagten verbracht und jede Menge Bier getrunken und Aufputschmittel genommen. Völlig berauscht sei man in das Taxi gestiegen, wobei der 29-Jährige jedoch beteuert: „Der Überfall war zu keiner Zeit mit mir abgesprochen. Ich wusste von nichts.“

Er selbst habe sich furchtbar erschreckt, als seine Begleiter auf der Rückbank plötzlich die Schlinge um den Hals des Fahrers gelegt hätten. Das Messer habe er nicht einmal gesehen. Und die Hände des Fahrers habe er nur deshalb festgehalten, weil er seine Freunde kenne und wisse, dass diese mitunter sehr gewalttätig sein können.

Angeklagter hatte Angst vor seinen Mittätern

„Ich habe das aus Angst und Überforderung getan“, sagte der Angeklagte den Richtern. Und: „Hätte ich von den Plänen gewusst, wäre ich niemals in das Taxi gestiegen. Ich bin kein gewalttätiger Mensch und wollte dem Fahrer nichts wegnehmen.“ Er sei vielmehr heute noch geschockt über das Verhalten seiner Begleiter. Der Prozess wird fortgesetzt.

>>> Gesetzgeber sieht Haft für schweren Raub vor

Angeklagt wegen Raubes beziehungsweise Beihilfe sind ein 29-jähriger und ein 28-jähriger Wuppertaler und ein 26-Jähriger aus Ratingen.

Schweren Raub bestraft der Gesetzgeber mit mindestens drei Jahren Haft, wenn der Täter eine Waffe bei sich hat. Setzt er sie ein, ist eine Strafe nicht unter fünf Jahren vorgesehen.

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