Gesichter und Geschichte(n)

Skilift in Hattingen macht Gastronomen zum Fernseh-Star

Ein Mann und seine Kanone: Gastronom Gustav Adolf Siebe entschied sich Mitte der 1980er-Jahre einen Skilift im Hügelland aufzubauen – künstlicher Schnee war auf Dauer aber zu teuer.

Ein Mann und seine Kanone: Gastronom Gustav Adolf Siebe entschied sich Mitte der 1980er-Jahre einen Skilift im Hügelland aufzubauen – künstlicher Schnee war auf Dauer aber zu teuer.

Foto: Martin Spletter / Archiv

Hattingen.  Gustav Adolf Siebe lässt 1987 auf dem 300 Meter langen Hang des Landhauses im Hügelland Hattingens den ersten Schlepplift des Ruhrgebiets bauen.

Was für ein Vorstoß: Ehefrau Heike und die beiden Töchter Barbara und Dorothee bringen Gustav Adolf Siebe Mitte der 1980er-Jahre auf die Idee, auf dem Hang ihres Landhauses im Hügelland einen Skilift zu bauen – den ersten des Ruhrgebiets! Was für ein Schritt für den Tourismus im Hügelland und in Hattingen: Immer wenn es schneit, rollen Blechlawinen ins Hügelland, Autos, voll besetzt mit Alpinbegeisterten – erstmals am 12. Dezember 1987.

Leider schneit es aber nur selten in unseren Höhen – und so läuft es eher schleppend mit dem Schlepplift. Bis zu diesem Wochenende im Februar 1991, an dem der Gastronom gar nicht genug Glühwein für den Aprés-Ski herankarren kann, so viele­ Menschen wollen die 300 Meter lange Abfahrt auf Siebes Hang er­leben. Jede Verkehrsnachricht im WDR-Radio beginnt mit der katas­trophalen Situation auf der K 33, die in Hattingen jeder als Wodantal kennt. Das sorgt für überregionale Aufmerksamkeit – und hat zur Folge, dass sich noch mehr Menschen auf den Weg zum Landhaus machen. Irgendwann­ waren dann gleich acht Fernsehstationen auf einmal da. „Am nächsten Morgen rief mich ein Bekannter aus dem Urlaub auf Teneriffa an und begrüßte mich mit ,Hallo Fernsehstar’”, erzählt Siebe später in einem Gespräch mit der WAZ.

Sein Hobby ist die Pferdezucht – Siebe gelingt es, Kleinreitpferde heranzuziehen

Im Jahr 1955 eröffnen Gustav Adolf Siebes Eltern das Landhaus am Stuten in Stüter. Er selbst wird erst klassischer Landwirt, doch zwölf Jahre später übernimmt er die Gastwirtschaft. Der Laden läuft gut. Es sind die Jahre, in denen eine Kegelbahn und gute Hausmannskost mehr ausmachen als abgedrehte Erlebnisgastronomien. Und Siebe hat selbstverständlich eine Kegelbahn. Und gute Hausmannskost.

Sein Hobby ist die Pferdezucht. English Welsh hat er, die er mit New Forrest und Arabern kreuzt – und so gelingt es dem Hügelländer Kleinreitpferde heranzuziehen, die „große­ Ausdauer besitzen und lammfromm“ sind, erklärt er 1972. Für den vergleichbar geringen Preis von 800 DM verkauft er die Fohlen. Inspiriert zu dieser Zucht habe ihn der „immer stärkere Trend in der Bevölkerung nach körperlicher Bewegung“. Dass Reiten hierfür ideal sei, hat sich herumgesprochen.

40.000 Mark kostet der Lift – die Schneekanone stellt sich als zu kostspielig heraus

Jahreszeitenwechsel. Winter. 40.000 Mark nimmt Gustav Adolf Siebe im Jahr 1987 in die Hand, um den Skilift zu bauen. Die Genehmigung wird rasch erteilt, der Hang hat 17 Prozent Gefälle. Einzige Auflage: Der Skilift darf nur zwischen Dezember und März betrieben werden muss nach dem Saisonende wieder abgebaut werden. Hinzu kommt eine Schneekanone, doch die stellt sich schnell als zu kostspielig heraus.

Auch wenn der Lift in vielen Wintern ein Zuschussgeschäft ist, bereut hat Siebe seine Entscheidung nie: „Ich würde immer wieder einen Skilift aufbauen lassen”, sagt er 2010. Und: „Wenn wir solche Winter wie diesen in den ersten fünf Jahren nach dem Bau unserer Anlage gehabt hätten, dann gäbe es mehr als nur einen Skilift in der Umgebung.”

Siebe ist umtriebig – im Betrieb, bei der CDU, der IHK und im Fachverband

Gustav Adolf Siebe ist stets umtriebig. In seinem eigenen Betrieb – aber auch in der CDU, in der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet, im Aufsichtsrat der Volksbank. Nicht zuletzt ist er Mitbegründer des Kulinarischen Altstadtmarktes (KAM), der in seiner Heimatstadt schnell zu lieben Tradition wächst.

Gekegelt wird immer weniger, Siebe, inzwischen Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands, probiert immer neue Angebote aus: „Unsere ausgefallenen Aktionen beschränken sich ja nicht nur auf All-You-Can-Eat. Wir machen Märchenabende und Krimiabende“, sagt er. „Man muss den Kunden einen Anstoß geben, nach draußen zu gehen. An Fußball-Abenden machen wir Frauen ein besonderes Angebot, damit sie nicht zu Hause sitzen müssen, um ihren Männern beim Fernsehen zuzuschauen.“

Er schafft es. Ist zufrieden mit sich. Glücklich ist er aber vor allem dann, wenn Frau Holle aktiv wird…

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