Kultur

Schmickler prangert in Hattingen soziale Baustellen an

Bringt Zuschauer zum Lachen, sorgt aber auch dafür, dass ihnen das Lachen im Hals stecken bleibt: Wilfried Schmickler beim Auftritt in der „Kleinen Affäre“ mit seinem Programm „Kein Zurück“. Foto:Svenja Hanusch

Bringt Zuschauer zum Lachen, sorgt aber auch dafür, dass ihnen das Lachen im Hals stecken bleibt: Wilfried Schmickler beim Auftritt in der „Kleinen Affäre“ mit seinem Programm „Kein Zurück“. Foto:Svenja Hanusch

hattingen.   „Kein Zurück“ kennt der Kabarettist in der „Kleinen Affäre“ mit seinem bissigen Programm. In Blankenstein plädiert er für Anstand und Gemeinsinn.

Wilfried Schmickler hat wieder zugeschlagen. Dieses Mal in der Kleinen Affäre in Blankenstein mit dem Programm „Kein Zurück“. Böse, bissig, pointiert und schonungslos deckt der exzellente Politkabarettist die Unwuchten in dieser Gesellschaft auf. Die sozialen Probleme der Abgehängten, die asozialen Probleme der Millionäre, die Versprechen von Politikern, die Republik neu aufzustellen, sich aber selbst längst überlebt haben. Ein Dienstagabend mit Nachwirkung für Kopf und Seele und trotzdem unfassbar witzig.

Verschont bleibt niemand: Schmickler knöpft sich alle vor, deren „schwachsinniges Handeln“ er nicht mehr ertragen kann. Menschen, die auf Facebook anderen „irgendeinen Dreck“ über ihr Leben mitteilen, respektlose Vollidioten, die Rettungskräfte anpöbeln und Jugendliche, denen das Handy fast an der Hand angewachsen ist. „Das Smartphone ist der Roy Black der Generation online. Du bist nicht allein...“

Der 65-Jährige schießt im Dauerfeuer Wortpfeile ab, die genau in die vorhandenen Wunden zielen. Er rüttelt auf, zwingt zum Nachdenken und zu Korrekturen im Kopf. Ihn macht so vieles in dieser Gesellschaft sauer. Immer wieder brüllt er gegen die Respektlosigkeit an, die sich in Deutschland breit macht. „Ihr Erzieher seid die wahren Trümmerfrauen“, platzt es aus ihm heraus.

Kein Gurkenkönig im Spreewald

Es regt ihn auf, dass in Deutschland bei so vielen Problemen, die es gibt, die Kanzlerin überall im Ausland zu finden ist und an die Menschenrechte erinnert. Und „nie wieder ein Wort über die AfD“ hat er sich selbst auferlegt. Aber dann quält es ihn. „Nur einmal noch, der Druck muss raus.“ Fasst sich an den Bauch, als würde ihm schlecht. Nach einem einzigen tiefen Atemzug prasselt eine Wortkaskade auf die begeisterten Besucher nieder, dass man Sorge hat, der 65-Jährige hätte vergessen, dass ein Mensch auch Luft holen muss.

Ihn widern tumbe Parolen rechter Hetzer an. Er erinnert an die schrecklichen Szenen in Chemnitz und Köthen, an die Übergriffe auf Flüchtlinge. „Dabei haben die doch kaum Ausländer dort.“ Aber echte Probleme gäbe es da trotzdem. „Man hat im vergangenen Jahr im Spreewald mangels Bewerbern keinen Gurkenkönig krönen können. Das müssen Sie sich mal vorstellen“, fügt er verzweifelt hinzu. Manchmal schütten sich die Zuschauer vor Lachen aus, manchmal bleibt es ihnen im Halse stecken.

Und dann hat der Mann mit dem beißenden Humor noch ein Beispiel für die Lügenpresse. Die TV-Sendung „Die Eifel lebt“. Zum Schluss fordert Schmickler bei so vielen sozialen Baustellen mehr Anstand, ­Solidarität, Gemeinsinn und Respekt ein.

Dickes Lob für ehrenamtliche Arbeit

Was für ein Kompliment aus berufenem Mund: Der vielfach ausgezeichnete Kabarettist Wilfried Schmickler, der dem Publikum einen beeindruckenden Abend bescherte, bedankte sich bei den Gästen.

„Hier wird ganz großartige ehrenamtliche Arbeit geleistet“, erklärte Wilfried Schmickler bei seinem Auftritt in Blankenstein. Diesen Respekt zollte er der Gruppe um Uli Wilkes, die der „Kleinen Affäre“ Leben einhaucht.

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