Müllgebühren

Schlechte Trennung sorgt für hohe Müllgebühren in Hattingen

Bürgermeister Dirk Glaser ärgert sich über die Auflistung des Bundes der Steuerzahler zu den Müllgebühren.

Bürgermeister Dirk Glaser ärgert sich über die Auflistung des Bundes der Steuerzahler zu den Müllgebühren.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Hattingen ist laut Steuerzahlerbund bei der Abfallentsorgung die teuerste Stadt im Revier. Die Kosten könnten durch Mülltrennung reduziert werden

Bei den Gebühren für die Müllentsorgung ist Hattingen unter den Top 5 der teuersten NRW-Kommunen, im Revier sogar auf Platz 1. Das gab jetzt der Bund der Steuerzahler NRW bekannt. Den Bürgermeister ärgert dieser Vergleich. Gemeinsam mit den Müllexperten von Stadt und Kreis erklärt er, wie die Hattinger selbst dazu beitragen können, dass die Kosten sinken.

Anhebung der Müllgebühren in Hattingen

411 Euro werden in Hattingen für den Musterhaushalt mit einer 120-Liter-Restmülltonne, einer ebenso großen Biomülltonne und Papierabfall pro Jahr fällig. Damit liegt die Stadt über dem Landesschnitt von 263 Euro. Erst im vergangenen Jahr war eine deutliche Anhebung der Gebühren für den Restmüll um 13,7 Prozent im Rat beschlossen worden. Die Gründe dafür sind zum Teil hausgemacht.

So kostet die neue „Eingreiftruppe“, die täglich den Müll an Containerstandorten einsammelt, der nicht in, sondern neben den Containern landet, Geld. „Anders sind wir der Lage dort nicht Herr geworden“, weiß Bürgermeister Dirk Glaser. Zudem wurde mit einem zusätzlich Fahrzeug für die Sperrmüllabholung die Wartezeit deutlich verkürzt.

Restmüll kostet mehr als Biomüll

Viel Geld kostet die Stadt zudem die Entsorgung des Biomülls, der statt in der braunen Tonne im Restmüll landet. Von allen Kreisstädten steht Hattingen dabei am schlechtesten da. Eine Kontrolle im vergangenen Jahr ergab, dass 56 Prozent des Biomülls der Hattinger im Restmüll landet. Das Problem: Für die Entsorgung von 1000 Kilogramm Biomüll muss die Stadt 110 Euro an den Kreis zahlen. Für die gleiche Menge Restmüll aber 175 Euro.

Etwa 8000 Tonnen, also acht Millionen Kilogramm, Restmüll musste Hattingen im vergangenen Jahr entsorgen. Dem gegenüber stehen etwa 2200 bis 2400 Tonnen Biomüll. Allein, um nicht mehr den letzten Platz im Kreis zu belegen, müssten die Hattinger 1200 Tonnen Biomüll zulegen – also umverteilen, raus aus dem Restmüll in die dafür vorgesehene braune Tonne.

Bisher verbuchte die Stadt einen ersten Erfolg für dieses Jahr: mit 250 Tonnen Biomüll mehr als im Vorjahreszeitraum. Allein diese Menge brachte eine Ersparnis von 12.000 Euro, die nicht an den EN-Kreis gezahlt werden mussten. An dieser Stelle kann jeder Bürger mithelfen. „Wenn richtig getrennt wird, können wir auch wieder an die Gebühren ran und sie senken“, macht Bürgermeister Glaser das Ziel klar.

Was der Bund der Steuerzahler nicht berücksichtigt

Dennoch ärgert er sich über die Aufstellung des Steuerzahlerbundes. „Man kann Äpfel nicht mit Birnen vergleichen“, betont er. Denn auch andere Faktoren treiben den Preis für die Müllentsorgung in Hattingen in die Höhe.

Elisabeth Henne, Abfallbeauftragte des Kreises erklärt, dass unterschiedliche Investitionen auch unterschiedliche Kosten verursachen. Hattingen biete zum Beispiel viel Service: Wie einen für die Bürger sehr günstigen Wertstoffhof, der finanziert werden müsse. Außerdem das Angebot der Abfallberatung. Zudem sei die Sperrmüllabfuhr kostenlos, die in einigen anderen EN-Städten zusätzlich bezahlt werden müsse. In die Rechnung fließen zudem Wege ein – so habe zum Beispiel Witten, die günstigste Stadt des Kreises – die Umladeanlage und die Biogasanlage direkt vor der Tür.

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