Gericht

Paketzusteller bediente sich in Hattingen an Sendungen

Der Paketzusteller hatte für Hermes Pakete austragen sollen, sie aber stattdessen gelagert, aber als zugestellt markiert.

Der Paketzusteller hatte für Hermes Pakete austragen sollen, sie aber stattdessen gelagert, aber als zugestellt markiert.

Foto: Lutz von Staegmann / Funke Foto Services

Hattingen.   Ein Zusteller hat in Hattingen Pakete nicht verteilt, aber als ausgeliefert markiert. Jetzt stand er wegen Unterschlagung vor Gericht.

Ein 38-jähriger Hattinger musste sich am Montag vor dem Hattinger Amtsgericht wegen Unterschlagung verantworten. Dem Mann wurde zur Last gelegt, dass er sich als Paketzusteller an den Warensendungen bedient habe.

Auf dem Reiterhof des Angeklagten beobachtete eine Frau am 24. Januar diesen Jahres Ungewöhnliches: „Immer mal wieder lagen einzelne Pakete in der Scheune, wo wir Stroh und Heu für unsere Pferde lagern, aber an dem Abend lagen dort zwei riesige Haufen; bestimmt 100 Pakete.“ Die Zeugin war mit dem Vorgesetzten des Angeklagten bekannt – auch er war regelmäßig bei seinem Pferd auf eben jenem Hof –, und informierte ihn über die Entdeckung.

Zusteller wächst die Arbeit über den Kopf, Pakete nicht ausgeliefert

Der selbstständige Transportunternehmer (39) stellte den Arbeitnehmer zur Rede, nachdem er die Scheune in Augenschein genommen hatte. Dass dem Angeklagten allmählich Stall, Hof und Job über den Kopf wuchsen, war für die Zeugen offensichtlich. Scheidung und Schulden führten zu einem „Burnout“, meinte der Anwalt vor Gericht. „Ich habe es einfach nicht mehr geschafft, die Pakete auszuliefern“, erklärte der Angeklagte. Er lagerte sie über Nacht in der Scheune, um sie am nächsten Tag zu verteilen. Das übernahmen dann stattdessen der Subunternehmer und andere Mitarbeiter.

Pakete als ausgeliefert verbucht

Offiziell waren die säumigen Lieferungen schon beim Kunden angekommen. Der 38-Jährige hatte sie entsprechend verbucht. So auch ein Paket von Zalando. Die Bestellung war am 3. Januar erfolgt. Das Paket fand der Transportunternehmer schließlich auf der Ladefläche des Lieferfahrzeugs des Angeklagten. „Es fehlten sechs Markenoberteile, alle in Größe M“, erinnerte er sich. Mit dem offenen Paket ging er schließlich zur Polizei. Sendungen über Nacht zu lagern, war nicht ungewöhnlich, wenngleich die Menge überraschte. Aber das aufgerissene Paket bewies eine kriminelle Absicht, befand auch das Gericht.

Bewährungsstrafe für Paketzusteller

Der Angeklagte wurde deshalb zu vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Außerdem wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Momentan sehe alles danach aus, dass der Angeklagte sein Leben wieder ordne, befand Richter Kimmeskamp. Der Angeklagte verbüßt aktuell einen Ersatzvollzug, weil er Geldstrafen nicht zahlen konnte. Er geht geregelter Arbeit nach und hat eine Lebensgefährtin.

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