Kindermusical

Kinder in Hattingen proben Musical „Die zwölf Gebote“

Textprobe: Juliana, Marly, Lia, Jan und Erik üben für das Musical „Die zwölf Gebote“.

Textprobe: Juliana, Marly, Lia, Jan und Erik üben für das Musical „Die zwölf Gebote“.

Foto: Bastian Haumann / Funke Foto Services GmbH

Hattingen.  Das diesjährige Kindermusical der Kirchengemeinde Welper/Blankenstein heißt „Die zwölf Gebote“ und befasst sich mit Falschmeldungen im Internet.

Im Paul-Gerhardt-Haus in Welper studieren diese Woche 47 Kinder das Musical „Die zwölf Gebote“ ein. Moment mal: zwölf Gebote? Sind das nicht bloß zehn? Genau damit beginnt die Geschichte. Im Internet kursiert nämlich die Verschwörungstheorie, dass zwei Gebote absichtlich unter den Teppich gekehrt und verschwiegen werden. Nun macht sich ein Forscher auf, die Wahrheit herauszufinden.

„Es war die Idee von Martin Speck, das Thema Fake-News mit einzubauen“, erklärt Pfarrer Uwe Crone von der Evangelischen Gemeinde Blankenstein und Welper. „Es ist doch mittlerweile so, dass viele Menschen die Dinge, die übers Internet verbreitet werden, glauben, aber die Geschichten in der Bibel nicht ernst nehmen“, so Crone. „Die Frage, mit der wir uns beschäftigen, ist deshalb, was uns die Gebote in der heutigen Zeit überhaupt noch sagen können.“

Das Besondere an dem Musical ist, dass Idee, Text und Musik nicht eingekauft wurden. Stattdessen haben engagierte Gemeindemitglieder seit Beginn des Jahres das Stück erarbeitet.

Acht Musikstücke und vier Choroegrafien

André Holz kümmerte sich um die Instrumentierung der acht Musikstücke und nahm eine CD auf, die er den Kindern zum Proben zur Verfügung stellt. Seine Frau, Melanie Holz-Pier, leitet die Proben der Tanzgruppe.

Vier Choreografien hat sie sich ausgedacht und verschiedene Accessoires gebastelt; zum Beispiel Goldketten aus Schokotalern und goldfarbenem Papier, die die Darsteller während eines Tanzes ablegen und für das Goldene Kalb – die Götzenstatur – spenden.

Darum geht es nämlich vor allem in dem Musical, um die Geschichte Moses und wie er die zehn Gebote von Gott empfangen hat. Pfarrer Crone ist wichtig, dass die Kinder während der Probenwoche diese Geschichte kennenlernen. Deshalb erzählt er in der Morgenrunde allen Kindern die Erlebnisse von Moses.

Wer hat das rote Meer geteilt?

Auch in den Liedern werden Erzählungen aus dem alten Testament verarbeitet. „Wer hat das rote Meer geteilt“, tönt es aus den Lautsprechern des CD-Players, während die fünfzehn Kinder der Tanzgruppe sich in zwei Gruppen gegenüberstellen und so das geteilte Meer symbolisieren. „Moses war’s!“, singt Gruppenleiterin Melanie Holz-Pier mit, um gleich die nächste Tanzbewegung vorzumachen.

Zum ersten Mal ist das Musical auch integrativ. Der Familienunterstützende Dienst der Lebenshilfe nimmt mit vier Kindern an dem Projekt teil. Bjarne und Maya haben sich für das Tanzen entschieden und machen begeistert mit. Im großen Veranstaltungsraum proben die Schauspieler.

Erik hat keine Angst vor fünf Seiten Text

Tanja Brase, die Gruppenleiterin, hat am ersten Tag neunzehn Rollen verteilt und ist sichtlich zufrieden. „Sonst kann es schon mal sein, dass jemand mit seiner Rolle nicht zufrieden ist, aber dieses Jahr klappt es wunderbar.“

Erik (10) hat sich die Rolle von Moses ausgesucht und freut sich sichtlich. „Ich habe keine Angst vor den fünf Seiten Text. Ich kann sehr gut auswendig lernen. Mir macht das Spaß.“ Der Zehnjährige hat schon häufiger beim Musical mitgemacht und Erfahrung im Schauspielern.

Die Kinder sind ehrgeizig und selbstbewusst

Im Gegensatz zu Juliane (9): Sie ist zum ersten Mal dabei, spielt Aaron und scheint etwas Respekt vor der Rolle zu haben. „Es ist schwierig sich zu merken, wann man wieder mit dem Sprechen dran ist“, findet sie. „Aber es ist ja erst der erste Tag, ich bekomme das schon hin.“

Es sind solche Aussagen, die die Ehrenamtler bewegen. „Zu sehen, wie die Kinder in den Rollen wachsen, ist einfach toll“, findet Tanja Brase. Und auch Tanzlehrerin Holz-Pier findet die Entwicklung der Kinder innerhalb der Woche beeindruckend. „Am ersten Tag sind sie oft sehr schüchtern, aber spätestens wenn es auf die Generalproben am Freitag und Samstag zugeht, sind sie stolz wie Bolle, ehrgeizig und selbstbewusst.“

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